Wir sind Waldmeister!

Endlich hat das grüne Maikraut wieder Saison

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Ok, ich geb’s zu, Wir sind Waldmeister ist jetzt nicht die originellste aller Headlines, irgendwie aber auch so plump, dass sie schon wieder gut ist – ich konnte es mir jedenfalls nicht verkneifen, dieses fast schon RTL-würdige Wortspiel.
Ist  ja auch schon wieder große Fussballerei dieses Jahr, und wir haben eben im Meeting einiges zu diesem sportlichen Großereignis ausbaldowert, da hat mein schlaftrunkenes Morgenhirn wohl Grün und Grün zusammen gezählt und… ach, egal, zum Ballsport an anderer Stelle mehr, hier geht es heute einzig und allein um eines meiner Lieblingskrauts:

Waldmeister!

Vielen vermutlich primär als giftgrün glibbernder Wackelpudding, bizzelndes Brausepulver oder chemisch-süßer Schuß in weißem Hauptstadtbier ein Begriff, fristet Waldmeister seit Jahren ein Nischendasein im Schatten von populäreren Kräutern wie Pfefferminze und Basilikum.

Wie konnte es nur soweit kommen, fragt ihr euch? Ich mich auch.

Grüner Finderlohn

Aber glücklicherweise können wir das schwuppsdiwupps ändern. Ohne langwierige Petiton, große Anstrengung oder finanzielle Unkosten. Sondern entweder ganz entspannt am nächsten Wochenende mit einem idyllischen Waldspaziergang (Stadtflucht!) inklusive Waldmeistersammlung – meditativer als jeder teure Yogakurs in Berlin Mitte – oder, für die fußfaulen, mit frischem Waldmeister vom Wochenmarkt.
Für Langzeitkonsumenten oder Großfamilien bietet sich auch der Waldmeister im Topf auf der Fensterbank oder dem Balkon an, der ist recht pflegeleicht und wirft einiges an Grün ab – zumindest habe ich meinen letztes Jahr nicht kaputt gekriegt und den Frühsommer über oft abgeerntet, und das obwohl ich leider keinen besonders grünen Daumen habe, sondern eher einen knallroten (OPI’s A Good Man-Darin Is Hard To Find, absoluter Lieblingsnagellack, den kann ich wärmstens empfehlen – passt zwar auch nicht zum Thema, aber wenn wir schon Zeit haben, über Fußball zu plaudern, dann doch auch über Nagellack).

Wer sich aufmacht in die Wälder, um das Maikraut eigenhändig zu erlegen, der wird nicht nur mit Glücksgefühlen und grüner Beute belohnt, sondern muss auch die ein oder andere Kleinigkeit beachten, um Erfolg zu haben:
Waldmeister ist eine kleine, grüne, niedrigwachsende Pflanze, die vor allem im Unterholz von lichten Buchenwäldern zu finden ist. Im Schnitt werden die Stängel um die 20 cm hoch und sind leicht an ihrem sternförmigen Blätterkranz zu erkennen. Vor allem wenn der Waldmeister blüht, wird er gerne mal mit dem Weissen Labkraut verwechselt – wer sich unsicher ist, zerreibt ein paar Blätter zwischen den Fingern, der Waldmeister verströmt seinen charakteristischen, süßen Duft und ist sofort als solcher identifiziert. Weisses Labkraut ist übrigens auch essbar, viel schiefgehen kann also selbst bei einer zufälligen Verwechslung nicht.

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Blühender Waldmeister in freier Wildbahn

Das typische Waldmeisteraroma hat natürlich auch einen Ursprung: Cumarin, ein natürlicher Pflanzenstoff, der unter anderem auch in der Tonkabohne vorkommt. Manch einer mag vielleicht schon davon gehört haben, dass Cumarin in großen Mengen schädlich bis giftig sein kann – das stimmt zwar, aber wir sprechen hier wirklich von großen Mengen Cumarin, so viel Waldmeisterbrause kannst du gar nicht trinken bis du was merkst (da kommt vorher definitiv der Zuckerschock vom Blubberwasser oder der Brummschädel vom Alkohol dank grünen Wodka-Jelly-Shots…).

Waldmeister ist in ganz Europa heimisch, auch in weiten Teilen Asiens und Nordafrika ist er zu finden – und seit die ersten Siedler ihn nach Nordamerika brachten, erfreuen sich auch dort die Menschen an seinem eigentümlichen, feinen Geschmack. Wie viele Kräuter zählt auch der Galium odoratum (so sein wissenschaftlicher Name) zu den Heilpflanzen. Ihm werden beruhigende, blutreinigende, krampflösende und schweisstreibende Eigenschaften zugeschrieben; bei Verdauungsbeschwerden, Migräne, nervöser Unruhe, Menstruationsbeschwerden und Venenschwäche kann Waldmeister Linderung verschaffen.

Mehr als nur Wackelpudding

WackelpuddingÜbrigens ist das Aroma des Waldmeisters um einiges intensiver, wenn er noch nicht geblüht hat. Deswegen verwendet man die blühenden Stängel vor allem für Tees, wohingegen für Maibowle und Desserts auf Waldmeister gesetzt wird, der noch nicht geblüht hat. Zumindest in der Theorie. In der Praxis gehst du am Sonntag mittag vielleicht gemütlich durch den Wald flanieren und möchtest ein wenig Waldmeister mitnehmen, der gute hat aber schon ordentlich ausgetrieben und Blüten erblühen lassen – dann nimm ihn trotzdem mit und verwende einfach etwas mehr als im Rezept angegeben.

Rezept? Welches Rezept denn? Gemach, gemach, NATÜRLICH werden wir auch noch ein paar grüne Rezepte vorbereiten:

Zuerst einmal die klassische Maibowle, dann eine easypeasy Anleitung für grünes Waldmeistersirup, und, wir sind ja hier bei Zitronenzauber, ein Rezept für Zitronenmuffins mit feiner Waldmeister-Buttercreme.

Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

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