Solarstraßen – Werden Tankstellen bald überflüssig?

Obwohl in der holländischen Gemeinde Krommenie nur etwa 17 000 Menschen wohnen, wurde hier 2014 ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt ins Leben gerufen: Ein 70 Meter langer Fahrradweg, in dessen Betonplatten Solarzellen integriert wurden. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir wohl auch mit dem Auto ausschließlich auf Solarstraßen unterwegs sein.

Bereits seit 2009 arbeitet die Firma SolaRoad an einem Konzept, bei dem Solarzellen aus Silizium in riesig große Betonplatten eingelassen werden. Geschützt wird die empfindliche Technik durch besonders schmutzabweisendes und rutschfestes Sicherheitsglas, welches nicht nur jeglichen Witterungsverhältnissen, sondern auch dem Gewicht eines LKWs standhalten soll.

solar-straße

Im ersten Jahr wurden 9 800 KWh Strom produziert und somit die Erwartungen der Entwickler bei weitem übertroffen: Die Menge an Strom reicht aus, um drei Haushalte für jeweils eine Person ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Die Wissenschaftler hatten Störfaktoren, wie etwa Schatten der Passanten oder Schmutz auf den Solarzellen, überschätzt und waren von einem weitaus niedrigeren Ergebnis ausgegangen. Diese Ergebnisse überraschen umso mehr, als die Testphase alles andere als reibunglos verlief. Durch frostige Temperaturen löste sich ein Teil der Anti-Rutsch-Beschichtung. Das Material reagierte zu empfindlich auf unvorhergesehene Temparaturschwankungen, was allerdings noch während der Testphase behoben werden konnte.

Solarstraßen werden nie so effizient wie Dächer

Die Effizienz eines Solardaches wird allerdings durch die Straßenelemente nie erreicht werden, da sie nicht im rechten Winkel zur Sonne platziert werden können. „Wir rechnen damit, dass unsere Module auf der Straße 30 Prozent weniger Strom erzeugen als auf dem Dach“, erklärte Projektleiter Sten de Wit. Aufwendige Montagen entfallen allerdings, die Platten können einfach Stück für Stück verlegt und die suboptimale Positionierung durch Quantität wettgemacht werden.

solarstraßen frankreich

Die Flächen sind schon vorhanden

Mit Solardächern könnten laut SolaRoad höchstens 25 Prozent des gesamten Strombedarfs gedeckt werden, selbst wenn man alle Häuser Hollands damit ausstatten würde. Indem man Straßen als Verkehrsweg und Stromgeneratoren gleichzeitig nutzt, wird bereits vorhandene Fläche lediglich umfunktioniert und es müssen keine neuen Grünflächen zerstört werden. Auch wenn der Bau des fortschrittlichsten Radweges der Welt nicht billig war und die Kostenbilanz noch negativ ist, werde sich das Projekt nach aktuellen Kalkulationen in 15 Jahren rentieren und die Ausgaben wieder eingenommen sein. Man darf nicht vergessen, dass herkömmliche Straßen zwar billiger gebaut werden, allerdings ebenfalls ständig repariert werden müssen und überhaupt keinen Gewinn einfahren.

Deutschland knausert

Der nächste Schritt in der Entwicklung der revolutionären Technologie wird sein, das System fit für Straßen und Autobahnen zu machen. Im Gegensatz zur stockenden Entwicklung in Deutschland, wo der theoretisch produktionsfertige flexible Photovoltaik-Belag den Sprung auf die Straße aufgrund von Geldmangel noch nicht geschafft hat, nehmen ähnliche Pläne in den USA bereits Form an, und in Frankreich wurde die weltweit erste Solarstraße sogar letztes Jahr schon von Umweltministerin Ségolène Royal eingeweiht. „Das ist ein Prototyp, der auch international Interesse weckt“, sagte die Ministerin. „Das ist eine geniale Idee: Man nutzt Platz, der schon für etwas anderes verwendet wird, und nimmt in sehr dicht bevölkerten Ländern keine landwirtschaftlichen Flächen in Beschlag.“

 

Das Ehepaar Scott und Julie Brusaw hatte 2010 ebenfalls die Idee einer stromerzeugenden Straße. Das US-Energieministerium unterstützte die beiden mit einer Förderung, und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne brachte zusätzlich 2,2 Millionen Dollar. 2014 besuchte Scott Brusaw sogar den damaligen US-Präsidenten im weißen Haus, der den beiden seitdem mit Begeisterung auf Twitter folgt.

Solarstraßen als Tankstelle und Beleuchtung

Die geplanten Solar Roadways wurden im ersten Schritt in Form eines Parkplatzes getestet und sollen mit dem gespendeten Geld zur Serienreife gebracht werden. Der gespeicherte Strom soll sowohl dem Tanken von Elektroautos dienen, als auch der Beleuchtung der Straße. Wenn man bedenkt, dass Mobiltelefone inzwischen schon drahtlos geladen werden können, kann die Zukunft des Autofahrens sehr spannend werden!

Daniel
Der Professor

Daniel leidet unter chronischem Fernweh, weil er seiner Reiseleidenschaft aus finanziellen Gründen viel zu selten nachkommen kann. Seinen überdurchschnittlich gesunden Lebensstil versucht er an Wochenenden durch die ein oder andere Party zu kompensieren. Er ist, seit er denken kann, Vegetarier und kann mehr über Antioxidantien und Aminosäuren erzählen, als über das aktuelle Weltgeschehen.

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