Aus aller Welt – comfort food in Krakau

Mit der Serie Aus aller Welt wollen wir dir Gerichte aus fernen Ländern näher bringen und tolle Restaurants in mindestens genauso tollen Städten vorstellen. Nachdem wir dich vor knapp zwei Wochen auf eine kulinarische Reise nach Helsinki geschickt haben, geht es heute nach Krakau.

Polnisches Essen

Die polnische Küche ist nicht unbedingt für ihre Feinheit bekannt. Stattdessen geht es um Hausmannskost, meist mit den Grundbestandteilen Fleisch, Gemüse und Getreide. Das mutet schlicht an, kann aber absolut köstlich sein. Dazu passt am besten polnisches Bier oder ein Gläschen Zubrowka – Wodka mit Bisongras, das inoffizielle polnische Nationalgetränk. Und obwohl es mittlerweile natürlich auch in Krakau diverse Pizzerien, kleine Hummus-Imbisse oder Burger aus Streetfood-Trucks gibt, ist für uns traditionell polnisches Essen aber natürlich viel interessanter.

polnisches essen im bookstore

 

Das Königreich der Piroggi

Polen ohne Piroggi? Das ist eigentlich unmöglich. Wer keine Lust auf Touristenfallen hat, sondern die Teigtaschen in einem echt polnischen Laden probieren möchte, der sollte sich ins Krolestwo Pierozka aufmachen. Das „Teigtaschen Königreich“ gewinnt Jahr für Jahr Gastro-Preise, und zwar sowohl für die klassischen Piroggi als auch für ungewöhnliche neue Kombinationen. Aus dem Kellerrestaurant dringt intensiver Kohlgeruch und das Personal spricht kein Englisch, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Hier speisen nämlich auch die Einheimischen, und das ist immer ein gutes Zeichen. Die Bandbreite an Piroggi-Füllungen reicht von Kartoffel-Zwiebel über Kohl mit Pilzen bis hin zu Buchweizen-Käse oder ErbsenSpeck. Wer will, kann natürlich mischen. Die Entscheidung fällt bei unserem Besuch auf Kartoffeln und Kohl: herb und sehr gehaltvoll. Ganz wie es sich gehört, kommen die Teigtaschen hier mit geschmolzener Butter, Saurer Sahne und Dill auf den Teller. In kürzester Zeit sind die Piroggi auch schon verschlungen, heruntergespült mit einem glücklicherweise nicht zu süßen Kompott. Danach fühlt man sich fast schon als Pole, und für nur 12 Zloty ist das Ganze außerdem ein kulinarisches Schnäppchen.

Krolestwo Pierozka
Ul.´Swi¸etego Filipa 25, 31–150 Krakau

polnische Piroggi in Krakau

polnisches essen in krakau

 

Herzhafte Pfannkuchen

Eingelegtes Gemüse in Gläsern, polnische Volkslieder dudeln leise im Hintergrund – das Selbstbedienungsrestaurant Polakowski ist nun wirklich kein Hipster-Hotspot. Auf der Karte stehen nationale Klassiker wie Zurek (eine herbe Suppe mit Roggen), Ogorkowa (die typisch polnische Gurkensuppe), oder auch Bigos – ein Eintopf aus Kohl, Wurst und Fleisch, der früher traditionell vor einer Jagd gegessen wurde. Weil es für die wirklich deftigen Gerichte noch etwas früh ist, werden Nalesniki z Serem bestellt, mit Käse gefüllte gebratene Pfannkuchen. Die begeistern mit einem Hauch von Zitronenzeste und Vanille und werden mit so viel saurer Sahne serviert, dass jeglichem Kalziummangel für die nächsten Jahre vorgebeugt ist. Danach hilft nur noch Tee (und zwar Lipton, kein Trend-Schnickschnack wie Kusmi oder Mariage Frères) gegen das Platzen.

Polakowski 1899
Ul. Miodowa 39, 31-052 Krakau

das Polakowski in Krakau

das Polakowski in Krakau

 

Sozialistisches Relikt

Die modernisierte Milchbar bzw. Kantine ist ein Überbleibsel aus den sozialistischen Tagen Polens. Trotzdem fühlt man sich hier irgendwie wie in einem amerikanischen Diner, mit einem ziemlich ausgeglichenen Publikumsverhältnis von Touristen, Einheimischen und Hipstern. Auf der umfangreichen Karte stehen Eierspeisen und Omeletts mit allen Extras, die man sich vorstellen kann, von geräuchertem Lachs über Blutwurst bis hin zum allgegenwärtigen Zurek und Barszcz. Ein weiteres Highlight: die Pastinaken-Curry-Suppe mit englischen Geschmacksnoten. Die süße Rote Bete im siedend heißen Barszcz bekommt durch ganz viel Pfeffer einen angenehmen Gegenpart, die Placki ziemniaczane (Kartoffelpuffer) sind vielleicht einen Tick zu fettig, geschmacklich aber auf den Punkt zubereitet. Gleiches gilt für die Rabuchy (Apfelkrapfen), obwohl die Schokoladensauce dazu vielleicht ein wenig zu viel des Guten ist. Nicht umsonst heißt der Ort Milchbar: Alkohol gibt es hier nicht, dafür ist das Kompott sehr gut. Der Soundtrack dazu ist ebenfalls ziemlich retro, von The Police bis hin zu Michael Jackson.

Milkbar Tomasza
Ulica ´Sw. Tomasza 24, 31-027 Krakau

die Milkbar-Tomasza in Krakau

die Milkbar-Tomasza in Krakau

 

Bagels für Bücherwürmer

Das Café Massolit befindet sich in einem englischen Buchladen und ist DIE Anlaufstelle für gute Bagels und Kaffee abseits vom sehr verbreiteten Nescafé. Grüne Blumentapeten, Vintage-Lampen, alte Tische und Bücherregale aus dunklem Holz bilden die perfekte Kulisse für einen gemütlichen Lesenachmittag oder einen langen Plausch mit Freunden. Nach Cappuccino und einem Stück Karotten- oder Apfelkuchen sieht die hektische Welt draußen gleich ein ganzes Stück freundlicher aus. Wer keinen Platz findet oder es lieber ein wenig moderner mag, geht um die Ecke in die Massolit-Bäckerei – das Essen ist hier genauso gut, nur dem Interieur fehlt der Charme des Originals.

Massolit Books
Ul. Felicjanek 4, 31-104 Krakau

das massolit in Krakau

das massolit in Krakau

EssPress
Berlin

EssPress Berlin ist die Zeitung für genussfreudige Menschen aus aller Welt. Von Sterneköchen über Streetfood-Pioniere bis hin zu Barbesitzern und Baristas – EssPress ist ganz nah dran und erscheint jeden Monat neu!

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