Hitzefrei!!!

Mit ein paar Wochen (oder Monaten…) Verspätung hat der Hochsommer endlich auch die deutschen Gefilde erreicht. Nach anfänglicher, spontaner Euphorie angesichts der rekordverdächtigen Temperaturen machen sich allerdings recht schnell Ernüchterung und kollektive Schweißausbrüche breit: Was nützt die schönste Augustsonne, wenn man im stickigen Büro darben muss? Und in den ersten, bedauernswerten Bundesländern startet in diesen Tage bereits wieder die Schule – Danke, Sommer, du hinterhältiges Ding, hättste nicht mal etwas eher um die Ecke kommen können?!

Hitzefrei_Thermometer
Glücklich, wer bei diesen Tempertauren am Strand liegen darf…

It’s getting hot in here…

Doch Moment, da war doch was. Ich erinnere mich dunkel an meine Schulzeit, an den Schulweg in den frühen, schwülwarmen Morgenstunden, an das unkonzentrierte Leiden und Zeit absitzen im überhitzten Klassenzimmer, und die aufsteigende Unruhe, nach dem irgendjemand das Zauberwort in den Raum geworfen hat:
Hitzefrei! Hitzefrei, du liebliche Erlösung mit neun Buchstaben!

Ungeduldiges Starren auf die Uhr an der Wand, penetrantes Nachfragen beim Lehrer im Minutentakt, thermometerlos, denn damals gab es ja noch keine Smartphones mit Wetterapp, dem guten Willen des Schuldirektors ausgeliefert, hoffend auf 27°C im Schatten um 10 Uhr morgens, denn dann gibt’s doch Hitzefrei und die dunklen Klassenräume spucken reißende Ströme aufgeregter Schüler aus, wie der Vulkan Kilauea auf Hawaii seine heißen Lavamaßen – nichts wie ab an den See!

Die ausnahmsweise freien Schulstunden verdanken wir übrigens einem preußischen Ministerialerlass vom 16. Juni 1892 – an dieser Stelle ein dickes Dankeschön zurück ins 19. Jahrhundert im Namen aller (ehemaligen) Schüler! Wann genau es an einer Schule Hitzefrei gibt, ist übrigens auch nicht im Grundgesetz festgehalten. In den einzelnen Bundesländern gibt es unterschiedliche Regelungen und Temperatur-Obergrenzen, und das letzte Wort hat, wie so oft, der jeweilige Schuldirektor.

Achja, bittersüße Schulzeit du, was gäben wir heute im Büro dafür, noch einmal jung zu sein, mit einem Recht auf Hitzefrei! Oder haben wir am Ende gar einen Anspruch auf einen freien Nachmittag bei brütender Hitze? Gibt es hierfür auch eine allgemeingültige Regel, bei wie viel Grad um soundsoviel Uhr wir frohlockend die Rechner runter fahren dürfen, den Schreibtischstuhl gegen die Strandmatte und den Filterkaffee aus der Kantine gegen einen Gin Tonic in der Strandbar tauschen dürfen?
Wir haben uns schlau gemacht und die wichtigsten Infos rund ums Thema Hitzefrei für euch zusammengefasst!

Hitzefrei-Springbrunnen
Raus aus dem Büro und rein in die kühlen Fluten des nächsten Springbrunnens!

Das Recht auf Hitzefrei

Die traurige Nachricht direkt vorneweg: Ein Recht auf Hitzefrei gibt es per se nicht. Heißt also, wir haben keinen gesetzlichen Anspruch darauf, ab einer bestimmten Temperaturmarke das Büro Richtung Baggersee verlassen zu dürfen. Was es allerdings gibt, ist die Arbeitsstättenverordnung, die, mal ganz allgemein gesagt, die Sicherheit, Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz regeln soll.

Bis zum Sommer 2004 hieß es in § 6 dieser Arbeitsstättenverordnung: „In Arbeitsräumen muss während der Arbeitszeit eine unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren und der körperlichen Beanspruchung der Arbeitnehmer gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur vorhanden sein. […] Es muss sichergestellt sein, dass die Arbeitnehmer durch Heizeinrichtungen keinen unzuträglichen Temperaturverhältnissen ausgesetzt sind. […] Bereiche von Arbeitsplätzen, die unter starker Hitzeeinwirkung stehen, müssen im Rahmen des betrieblich Möglichen auf eine zuträgliche Temperatur gekühlt werden.“ Diese Bestimmung wurde ersatzlos gestrichen.

Seit Juni 2010 gilt die neue Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A 3.5, die die ASR 6,1 ablöst. Diese besagt, dass die gesundheitlich zuträgliche Lufttemperatur in Arbeitsräumen nicht mehr als 26°C betragen darf.

Die neue ASR sieht ab Arbeitsplatztemperaturen über diesem Wert ein 3-Stufenkonzept vor. Bei Arbeitsplatztemperaturen zwischen 26°C und 30°C soll der Arbeitgeber zusätzliche „Maßnahmen“ ergreifen, wie kostenlose Getränke (hier ist wohl eher Wasser als der ersehnte Gin Tonic gemeint…), Ventilatoren, ausreichende Lüftung bei Nacht oder eine Lockerung der Bekleidungsvorschriften.
Ab 30°C werden solche Maßnahmen zur Pflicht, und klettert die Temperatur in den Arbeitsräumen auf 35°C und mehr, ist das Arbeiten in ihnen nicht mehr gestattet – ab jetzt steht den Angestellten dann wirklich Hitzefrei zu (oder zumindest ein kühler Arbeitsplatz)

Aha, aha. Die gesundheitlich zuträgliche Lufttemperatur  ist also des Rätsels Lösung. Es ist somit völlig egal, ob draußen Hochsommer und 35°C im Schatten sind oder grauer Nieselregen, relevant ist einzig und allein die Temperatur im Büro. Das ist, zumindest für uns, erstmal keine gute Nachricht, denn bei uns in der Redaktion ist es tendenziell eher zu kalt als zu warm, während sich der Sommer draußen ordentlich austobt.

Zumindest sind wir jetzt ein wenig schlauer als vorher – und gönnen uns jetzt erstmal eine Mittagspause mit kühlem Eis am Stiel in der Sonne!

hitzefrei-eis-dreadlocks

 

 

 

Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

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