Der 10-Punkte-Eichhörnchenbaby-Rettungsplan

Vielleicht fragst du dich gerade, was genau denn ein Eichhörnchenbaby-Rettungsplan ist und was der mit dir zu tun haben soll – ist ja nicht so, dass wir täglich zahlreichen Eichhörnchen begegnen würden, von denen dann auch noch einige Babys sind, und diese dann in Notsituationen wären. Das stimmt natürlich. Aber so ist das ja mit vielen Dingen… den Feuermelder im Flur haben wir ja auch, obwohl es noch nie gebrannt hat, nur für den Fall der Fälle, zur Sicherheit. Und das Wissen aus dem Erste-Hilfe-Kurs braucht man hoffentlich auch nie, ist im Ernstfall aber extrem dankbar, wenn der Ersthelfer zumindest die stabile Seitenlage beherrscht. Genau so ist das auch mit den Eichhörnchen. Hoffentlich kommt man nie in die Situation, einem hilflosen Puschel zu begegnen – aber wenn doch zählt oftmals jede Minute, und es ist Gold wert, wenn man dann weiß, was zu tun ist.

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Ein kleines Findelkind. Foto: eichhoernchen-notruf.com

Gerade bei gemütlichen Waldspaziergängen kann es schon mal passieren, dass man ein kleines, hilfloses Eichhörnchen auf dem Waldboden entdeckt. Aber auch in den Städten gibt es zahlreiche Eichhörnchen. Wenn es den kleinen Tierchen schlecht geht, zeigen sie das häufig auch sehr deutlich: Sie laufen den Menschen hinterher, sind sehr aufdringlich oder klammern, im wahrsten Sinne des Wortes – gerne mit aller Kraft am Hosenbein des Retters. So ein Verhalten ist weder bedrohlich noch niedlich, sondern oftmals die letzte Hoffnung für das kleine Eichhörnchen, das so verzweifelt und hilfsbedürftig ist, dass es seine natürliche Scheu überwindet und sich hilfesuchend an den Menschen wendet. Und hier kommt nun der Eichhörnchenbaby-Rettungsplan ins Spiel: 10 Punkte, die es zu beachten gilt, wenn ein Eichhörnchen um Hilfe bittet.

Eichhörnchen gefunden – Und nun?

1. Anfassen

Anders als bei vielen anderen Wildtieren, wie beispielsweise bei Rehen, darf man Eichhörnchenbabys anfassen – die Mutter wird es nicht verstoßen, weil es nach „Mensch“ riecht. Vielmehr braucht ein junges Eichhörnchen, das aktiv auf Menschen zu geht, dringend Hilfe und MUSS angefasst und auf den Arm genommen werden. Eichhörnchenbabys können mit der bloßen Hand aufgenommen werden, und keine Sorge, sie haben keine Tollwut, sind also auch nicht ansteckend oder gefährlich. Ausgewachsene, hilfsbedürftige Eichhörnchen am besten mit Handschuhen, einem Handtuch, Sweatshirt oder ähnlichem anfassen, da sie scharfe Krallen und spitze Zähnchen haben, und in ihrer Not nicht wissen können, dass ihnen geholfen wird – sie könnten sich verteidigen, und das kann weh tun!

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Foto: eichhoernchen-notruf.com

2. Beobachten

Hat man ein kleines Eichhörnchen gefunden, muss es oftmals gar nicht gerettet werden – vielleicht ist es nur aus dem Nest gefallen und die Mutter ist in der Nähe, sucht es bereits oder baut einen neuen Unterschlupf. Also erst einmal das Eichhörnchenbaby auf den Arm nehmen, kurz checken, ob es ihm gut geht, und dann in Ruhe die Umgebung beobachten und abwarten. Sollte der Mutter nichts passiert sein, kommt sie immer wieder und holt ihr Baby zurück.
Ausnahmen: Das Baby ist unterkühlt, verletzt, blutet, die Mutter wird gestört oder es dämmert bereits. Sollte dies der Fall sein, nimmt man das Jungtier erst mal mit nach Hause, wärmt es und päppelt es wieder auf. Auch am nächsten Tag kann es, in gestärktem Zustand, seiner Mutter zurück gegeben werden. Hierfür setzt man das Eichhörnchen in einen gepolsterten Karton, mit Zewas, Handtuch und gerne auch einer Wärmflasche, an der Stelle, an der man es gefunden hat, ab, und hält sich ruhig und unauffällig in der Nähe auf. So kann man sehen, ob die Mutter es wieder abholt – falls nicht nimmt man das Tierchen wieder mit nach Hause oder gibt es an einer Eichhörnchen-Auffangstation ab.

3. Geschwister

Meist sind Eichhörnchen keine Einzelkinder sondern haben bis zu sechs Geschwister. Wenn also ein Eichhörnchen in Not ist, sind es seine Brüder und Schwestern oftmals auch. Wird man von einem Eichhörnchen um Hilfe gebeten, sollte man die Umgebung gründlich nach Geschwistern absuchen, und am besten auch am nächsten Tag nochmals vorbei kommen, damit man auch bloß kein kleines Findelkind übersehen hat.

Foto: eichhoernchen-gefunden.com
Foto: eichhoernchen-gefunden.com

4. Aufwärmen

Kleine Eichhörnchen können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren, sie unterkühlen sehr schnell, und das auch, wenn es draußen noch warm ist. Unterkühlte Tiere werden von der Mutter nicht wieder angenommen, es ist also doppelt wichtig, ein Eichhörnchenbaby sanft aufzuwärmen. Das Kleine wird Zuhause in einen Karton mit weichen Shirts oder Handtüchern gelegt und bekommt eine Wärmflasche, ein angewärmtes Körnerkissen, oder, zur Not, eine mit warmem Wasser gefüllte Flasche, an die es sich kuscheln kann. Im Karton sollte ausreichend Platz sein, um sich in eine kühlere Ecke zu verkrümeln, falls es zu warm wird.

5. Trinken

Oftmals ist das kleine Eichhörnchen stark dehydriert (auch wenn es vielleicht nicht so aussieht) und braucht dringend Flüssigkeit. Auf gar keinen Fall darf es Milch trinken, stattdessen empfiehlt sich folgende Lösung: 200 ml abgekochtes Wasser oder Fencheltee mit einer Prise Salz und 2 TL Honig oder Zucker. Das Ganze abkühlen lassen und dann mit einer Pipette (oder einer selbstgemachten Pipette aus einem Röhrchen) tropfenweise auf den Mund geben. Langsam und nicht zu viel, sonst besteht das Risiko einer Lungenetzündung. Möchte das Eichhörnchen nichts trinken, muss es sofort zum Tierarzt. Ansonsten gilt: In der ersten Stunde 2 – 5 ml Flüssigkeit, danach alle 15 Minuten kleine Mengen.

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Foto: eichhoernchen-notruf.com

6. Zustand

Auch wenn der kleine Patient am liebsten schlafen möchte, muss er doch zuerst einmal begutachtet werden. Sollte er unter Schock stehen und traumatisiert sein, quietscht er. Dann gilt es, ihn von äußeren Reizen abzuschirmen, indem man ihm die Möglichkeit gibt, die Augen/den Kopf unter einem Tuch zu verstecken.

Davon abgesehen gilt es, folgende Punkte zu checken:

  • fit oder schlapp?
  • wohl genährt oder abgemagert?
  • offene/frische Verletzungen?
  • Knochenbrüche/Lähmungen?
  • Parasiten/Fliegeneier?
  • Blutergüße/Schwellungen?
  • abgebrochene Zähne?
  • sonstige Auffälligkeiten?

Sollte das Eichhörnchen offensichtliche Verletzungen aufweisen oder sehr stark geschwächt sein, wird am besten direkt der Eichhörnchen-Notruf angerufen. Hier bekommt man nicht nur Beratung und Hilfe, sondern auch Kontaktdaten von Auffangstationen und den Tierärzten in der Nähe, die auch Wildtiere behandeln.

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Auch Eichhörnchen können sich den Arm brechen… Foto: eichhoernchen-notruf.com

7. Pipi

Absurdes Wissen, Teil 1: Junge Eichhörnchen sind in den ersten zwei Lebensmonaten nicht in der Lage, selber zu pinkeln. Nur durch Stimulation des Bauches (was in der Natur die Mutter übernimmt) können sie Wasser lassen. Streichelt man also nicht ihr Bäuchlein, sterben sie entweder an den Giftstoffen im Harn, oder ersticken an der prall gefüllten Blase, die auf die Lunge drückt.

Man kann dem Eichhörnchen ganz einfach Erleichterung verschaffen, in dem man es auf den Rücken dreht und ganz leicht und vorsichtig, von oben nach unten, mit einem sauberen Tuch oder Blatt Toilettenpapier, über den unteren Bauch und die Geschlechtsteile streicht. Nachdem die Blase ganz entleert ist mit einem feuchten Tuch säubern.

8. Ruhe

Der kleine Patient hat vermutlich schon eine wahre Odyssee hinter sich und braucht viel Ruhe, um sich zu erholen. Das heißt vor allem, dass das Eichörnchenkind von neugierigen Menschenkindern ferngehalten werden muss. An einem ruhigen Ort, in einem großen Karton, mit Wärme und weichen Tüchern, fühlt es sich am wohlsten. Alternativ kann es auch direkt am Körper unter dem Pulli getragen werden, da fühlt es sich besonders geborgen. Man sollte darauf achten, dass keine Gefahrenquellen in der Nähe sind, und das Eichhörnchen sich nicht verletzen kann, wenn es wieder fitter wird und auf Entdeckungstour geht.

9. Tierarzt

Es ist fast immer unumgänglich, den kleinen Patienten zum Tierarzt zu bringen, denn viele, gerade innere Verletzungen, sind für Laien nicht zu erkennen. Der Tierarzt muss sich mit Wildtieren, im besten Fall mit Eichhörnchen, auskennen. Sollte es offene Fragen geben, steht das Eichhörnchen-Notfall-Telefon auch den behandelnden Tierärzten zur Verfügung.

Auf keinen Fall darf das Tierchen mit einem Flohmittel behandelt werden, diese sind meist tödlich für Eichhörnchen.

Da man das Eichhörnchen gefunden hat (oder vom Eichhörnchen gefunden wurde), ist man nur der Finder, nicht der Besitzer. Somit ist die Behandlung beim Tierarzt in der Regel kostenfrei!

10. Notfalltelefon

Ich habe es oben schon ein paar Mal erwähnt, und ja, es stimmt: Es gibt ein Eichhörnchen-Notfall-Telefon. Die Nummer ist 0700 200 200 12. Das Telefon ist täglich besetzt, auch an den Wochenende und Feiertagen. Von Oktober bis Februar ist der Notruf von 17 bis 19 Uhr zu erreichen, von März bis September von 10 bis 12 Uhr und von 17 bis 19 Uhr.

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Ende gut, Eichhörnchen gut!

Alle diese wichtigen Dinge habe ich auf der fabelhaften Seite eichhoernchen-notruf.com gefunden. Dort gibt es jede Menge detaillierte Informationen, Hilfe und Antworten für alle Anliegen rund ums Eichhörnchen – ein Besuch auf der Seite lohnt sich!

Viele Eichhörnchen-Auffangstationen sind übrigens ehrenamtlich tätig und auf Spenden angewiesen. Auf betterplace.org kannst du aktuell für die Eichhörnchen spenden!

Übrigens brauchen nicht nur Eichhörnchen unsere Hilfe – auch Igel sind oft auf ein wenig Unterstützung angewiesen.

Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

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