Cronuts, Brookies & Co. – Hybrid Food ist Trend

Die Amerikanisierung lässt grüßen

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In einer Gesellschaft, in der wir immer mehr wollen und mit nichts zufrieden sind, müssen sich Restaurants und Bäckereien stetig neue Kreationen einfallen lassen, um aus der Masse heraus zu stechen. So kam Dominique Ansel zu seinem Cronut und so versuchen Tausende, es ihm gleichzutun. Es wird kombiniert und gepaart, was nicht zusammengehört. Diese entstehenden Kreuzungen aus mindestens zwei existieren Nahrungsmitteln hören auf die Bezeichnung Hybrid Food.

Hybrid Food: aus zwei mach eins

Amerikaner sind verrückt nach Essen, soweit sollte uns das Klischee bereits informiert haben. Der Wahn macht vor nichts halt, selbst Schokoriegel werden frittiert und Milchshakes mit ganzen Tortenstücken und 3 Kilo Sahne garniert. Solch abartige Kreationen assoziieren wir wohl eher mit White Trash als den hippen New Yorkern. Wer bei ihnen landen will, der muss sich schon etwas Originelles, so wie den Raindrop Cake, einfallen lassen.

Neben einem einzigartigen Produkt bedarf es noch mehr, um mit Hybrid Food erfolgreich zu werden: Nämlich Marketing am Puls der Zeit – ohne Social Media geht nichts mehr. Menschen setzten sich immer mehr mit Essenskulturen auseinander und wollen Neues entdecken. Während ein Teil der Kundschaft ausschließlich aufgrund der Liebe zum Essen Schlange steht, geht es anderen darum, sich mit dem Genuss von einzigartigen Kreationen gekonnt in Szene zu setzen. Food Porn und Selbstinszenierung sind zwei maßgebliche Erfolgsfaktoren des Hybrid Foods.

Einen Cronut bitte, den Erstgeborenen des Hybrid Foods

Man könnte meinen, es handelt sich um die Schlange für einen neuen Star Wars Film, wenn man um sechs Uhr morgens New Yorker auf Campingstühlen sieht. Dabei geht es um etwas ganz anderes, nämlich Essen. Genauer gesagt handelt es sich um die Schlange für den Cronut, das Aushängeschild des Hybrid Foods.

Wir schreiben den 09. Mai 2013, ein Datum, das in die Geschichte des Hybrid Foods eingeht. An diesem Tag wanderte nämlich der erste Cronut über die Ladentheke.

In liebevollster Handarbeit stellt Dominique Ansel, der Erfinder des Cronuts, den speziellen Teig her. Dieser muss drei Tage ruhen, bevor er schließlich frittiert wird und sich in eine Kreuzung aus Croissant und Donut verwandelt. Anschließend erlangt er eine monatlich wechselnde Füllung sowie die passende Zuckerglasur.

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Es dauerte nicht lange und der Hype um das Hybrid Food war geboren. Dominique Ansel empfiehlt, sich vor sechs Uhr anzustellen, wenn man einen der heiß begehrten Cronuts erhaschen möchte. Geöffnet wird übrigens um acht Uhr, man sollte also Zeit und Geduld mitbringen. Etwa eine halbe Stunde nach Ladenöffnung lösen die Worte „leider ausverkauft“ dann den ersten Nervenzusammenbruch unter den sehnsüchtig wartenden Gästen aus. Aufgrund der aufwändigen Produktion wechseln täglich nur 300 Cronuts ihren Besitzer. So kommt es auch, dass die Abgabe auf maximal zwei Stück pro Person begrenzt ist.

Cronuts vorbestellen

Wenn du dich in New York rumtreibst und selbst einen der berühmt-berüchtigten Cronuts probieren möchtest, solltest du diesen rechtzeitig vorbestellen. Dafür empfiehlt sich Planung und ein Blick auf die Atomuhr. Jeden Montag, pünktlich um elf Uhr (Zeitverschiebung beachten!), kannst du bis zu sechs Cronuts vorbestellen. Das heißt allerdings nicht, dass du dein Objekt der Begierde bereits am Folgetag in den Händen hältst. Derzeit beträgt die Wartezeit zwei Wochen.

Die Nachfrage ist so groß, dass Cronuts auf dem Schwarzmarkt für bis zu 80 Dollar pro Stück angeboten werden – ein ganz schöner Preisaufschlag, wenn man bedenkt, dass ein Cronut in Dominique Ansels Bäckerei fünf Dollar kostet.

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© twitter

Bei solch positiver Resonanz ließen sich die Medien nicht lange bitten und das Time Magazin kürte die Teigrolle promt zu einer der besten Erfindungen des Jahres 2013. Außerdem heimste Dominique Ansel Auszeichnungen wie „outstanding pastry chef“ (herausragender Konditor) von der James Beard Foundation ein. Wir hätten gerne Ansels Blick gesehen, als das Telefon klingelte und der Präsident von Frankreich, seiner Heimat, am anderen Ende der Leitung verkündete, wie stolz er sei, dass ein Franzose Backkultur nach New York bringe.

Dominique Ansel, Erfinder mit Prinzipien

Ein Gebäckstück, so süß und lecker wie der Cronut, hat es natürlich schon längst über die Grenzen Amerikas hinaus geschafft. Zumindest in Form von Erzählungen. Dominique Ansel könnte eine Cronut-Franchise-Firma gründen, die Cashcow melken und sich zur Ruhe setzen. Doch darauf hat er keine Lust. Abgesehen von einer Filiale in Japan beschränkt er sich auf seinen Laden in New York, wo er jeden Teig höchstpersönlich verkostet.

Nachmittags, wenn die Cronuts längst alle sind, tischt Dominique Ansel ein weiteres Trend-Food auf. Pünktlich um 15 Uhr werden Cookie Shots serviert – Chocolate Chip Cookies in Form eines Schnapsglases, gefüllt mit Milch.

Cronuts in Deutschland

Wer nun neugierig geworden ist und selbst mal in die süße Versuchung beißen möchte, der muss nicht zwingend nach New York reisen. Auch in Deutschland bieten verschiedene Bäckereien Kreuzungen aus Croissants und Donuts an – aufgrund des Patents von Ansel allerdings unter einem anderen Namen. Es lohnt sich also, wenn du bei dem Besuch einer Bäckerei die Augen offen hältst. In Schweden beispielsweise hat es der Cronut bereits in die Backabteilung der Supermärkte geschafft, wo er für einen Euro erhältlich ist. Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch hierzulande bald der Fall sein wird.

Cronuts selbst machen

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Gesehen bei Amazon

Alle, die bislang leider keinen Cronut-Umschlagplatz entdeckt haben, können selbst aktiv werden. Wie wäre es mit einem selbstgemachten Cronut, gezaubert nach einem Rezept von Dominique Ansel? Klingt zu gut um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Mit „Secret Recipes“ hat der Erfinder des Cronuts sein erstes Backbuch auf den Markt gebracht – inklusive Cronut Rezept. Ob es sich dabei tatsächlich um jenes Rezept handelt, nach dem er seine heißbegehrten Cronuts in New York zubereitet, bleibt zu bezweifeln. Schmecken werden die Teigröllchen bestimmt trotzdem. Bei Amazon kannst du dir das Backbuch „Secret Recipes“ ab 19,82 Euro sichern.

Eine Erfolgsgeschichte wie jene von Dominique Ansel lockt natürlich viele Nachahmer an. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Während Kreationen wie Eclair Hot Dogs oder Pizzaburger eher zu Ladenhütern werden, haben es andere geschafft, auf den Erfolgszug des Hybrid Foods aufzuspringen.

In unserem zweiten Teil stellen wir das erfolgreichste Hybrid Food vor.
In Teil drei zeigen wir dir, wie man einen Hype um seine Kreation kreiert.
In unserem vierten Teil erfährst du, was Deutschland an Hybrid Food zu bieten hat.

Claudi
Vielfraß

Essen, Reisen und Sport. Gutes und Gesundes. Regelmäßiges Reisen, möglichst ohne Tourist zu sein. Thaiboxen statt Yoga. Bewusster Konsum. Selbst hämmern und sägen. Und backen. Brutal ehrlich und ein fürchterlicher Klugsche*sser.

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