Für 300 Euro von Rom nach Südafrika, Thailand, Äthiopien & zurück

Denn ich bin süchtig. Reisesüchtig.

Ich habe den Dezember in Rom, Südafrika, Thailand und Äthiopien verbracht. Die Kombination dieser Länder und Kontinente innerhalb eines Trips ist so absurd, dass ich erstmal verwirrte (und hasserfüllte) Blicke ernte, wenn ich erzähle, wo ich war. Sobald ich dann erkläre, dass die Vereinigung der Kontinente an einem Flugangebot lag, das mich für 300 Euro von Rom nach Südafrika, weiter nach Thailand und mit einem Tag Zwischenstopp in Äthiopien zurück nach Rom brachte, wollen alle wissen, wie so etwas funktioniert. Und genau das will ich euch hier erklären, während ich mich mit dem gelegentlichen Einstreuen von ein paar Bildern weiter unbeliebt mache.

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Mount Entoto – Addis Abeba, Äthiopien

Wie findet man die besten Reisedeals?

Im November 2015 ist es passiert, Tripdoo hat mich in seinen Bann gezogen. Die Menschen hinter der Website durchforsten tagtäglich das Netz – auf der Suche nach den besten Reisedeals.  Als Tripdoo damit begann, mir regelmäßig absurd günstige Flüge zu präsentieren, hat sie sich langsam aber sicher eingeschlichen, meine Sucht. Die Sucht nach anderen Ländern und fernen Kontinenten, nach unterschiedlichen Kulturen und landestypischen Speisen.

Für vier Euro nach Mailand und zurück

Da ich der Meinung bin, dass dies eine durchaus vertretbare Sucht ist, die meinen Horizont erweitert, gehe ich ihr gerne nach und freue mich, wenn interessante Traveldeals meinen Facebook Newsfeed etwas bunter machen. So brachten mich besagte Deals bereits für vier Euro(!) nach Mailand und wieder zurück, für neun Euro nach Brüssel und wieder zurück und für 333 Euro nach Kolumbien – und leider auch hier wieder zurück.

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Hammock with a view – Tayrona, Kolumbien

Als ich aus dem sonnigen Kolumbien voller gut gelaunter Menschen zurück in das graue Berlin voller Miesepeter kam, da hat er mich aufgeheitert, der absurd günstige Gabelflug. Für 300 Euro von Rom nach Johannesburg, von Durban nach Bangkok und von Bangkok über Addis Abeba zurück nach Rom. Nachdem ich schon lange nach Südafrika wollte und bei so einem Angebot natürlich auch gegen Thailand nichts einzuwenden hatte, wurde ich sofort hibbelig und rutschte nervös auf meinem Stuhl hin und her, womit ich die Aufmerksamkeit unserer lieben Tina auf mich zog. Mit großen Augen erzählte ich ihr von den Flügen und da sie nunmal die großartigste Vorgesetzte ist, die man sich nur wünschen kann, durfte ich vier Wochen auf einen Schlag in den Urlaub fliegen. An dieser Stelle herzlichen Dank an dich, liebe Tina!

Soviel dazu, wie man zu solch einem absurd günstigen Flug kommt. Achtung, Suchtpotential. Das Liken der Facebook Seite von Tripdoo macht euch schneller zu einem Reisejunkie, als sich so mancher Senior für das noch nicht begonnene Boarding anstellt.

Habt ihr einen Deal gefunden, müsst ihr nur spontan (und schnell) sein. Und dafür solltet ihr im Zweifelsfall auch Alleinreisen in Kauf nehmen.

Warum alleine Reisen großartig ist

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Wer in Äthiopien traditionell zubereiteten Kaffee trinken möchte, darf sich auf eine richtige Zeremonie freuen.

Ich war bereits alleine in einigen Städten. Zwar wollte ich nicht unbedingt alleine fliegen, aber ich habe mir angewöhnt, sofort zu buchen, wenn ich mal wieder einen Flug sehe, der mir schöne Augen macht. Würde ich erstmal Freunde kontaktieren und Daten koordinieren, wäre der Deal bei einer Einigung längst wieder vorbei. Heute bin ich sehr froh, dass meine Freunde nicht spontan mit nach Südafrika kamen, und ich all diese Erfahrungen alleine sammeln durfte. Nicht, weil ich sie mit niemandem teilen möchte, sondern weil ich durch das Alleinreisen ganz andere Eindrücke bekam.

Verlasse deine Comfort Zone

Wenn ihr nicht die ganze Reise über Selbstgespräche führen wollt, müsst ihr wohl oder über eure Comfort Zone verlassen und auf andere Menschen zugehen. In einem Land, das nicht von verschlossenen Westeuropäern bevölkert ist, geht dies wie von selbst. Da ihr euch nicht permanent mit eurem Reisebuddy unterhaltet, sprechen euch nicht nur andere Reisende an, sondern auch Locals. Ihr bekommt einen viel besseren Einblick in das authentische Leben und die Kultur des Landes, lernt viele interessante Personen kennen und werdet offener.

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Ich bin (oder eher war) nicht der Mensch, der Fremde in ein Gespräch verwickelt. In Südafrika habe ich dies permanent getan. Die Belohnung waren nicht nur eine Begleitung zum Weintasting und das Kennenlernen anderer Menschen, sondern auch Selbstreflexion. Ihr lernt beeindruckende Persönlichkeiten kennen, die euch inspirieren, während ihr sie dazu bringt, ihre Höhenangst zu überwinden, indem sie mit euch auf den Table Mountain klettern.

Gehe gelassen durchs Leben

Wer zu chaotisch ist, um Reisen zu organisieren, hat alleine keine andere Wahl, als selbst zu organisieren. Wer wie ich eher zum Gegenteil gehört und dazu neigt, alles durchzuplanen, wird durch das Reisen gelassener. Gefällt es dir an einem Ort besonders gut, bleibst du spontan länger, findest du es grausam, ziehst du eben weiter. Es wird sich schon alles irgendwie ergeben, und wenn du nicht zum Ziel kommst, dann landest du woanders – und auch dort kannst du Spaß haben.

In Durban machte ich Bekanntschaft mit einem Kreditkartenbetrüger. Nachdem die Versicherung der Bank für den Schaden nur haftet, wenn eine Diebstahlsanzeige vorliegt, verbrachte ich die letzten Stunden in Südafrika auf der Polizeistation anstatt beim Surfunterricht. Doch was solls, ich hatte noch eine zweite Karte, Handy sowie Pass waren auch noch in meinem Besitz und ’ne Knarre hatte mir auch keiner an den Kopf gehalten.

Dank der neu errungenen Eigenschaft, Fremde in ein Gespräch zu verwickeln, war dies auch nicht mein letztes Erlebnis in Südafrika. Die werten Herren aus dem Coffee Van slash Tattoo Studio haben mich nicht nur mit einem wunderbaren Gespräch aufgeheitert, sondern mir sogar ’nen Kaffee spendiert.

Finde dich selbst

Immer hört man Menschen davon reden, dass sie alleine reisen, um sich selbst zu finden. Das war nicht meine Absicht, ich wollte lediglich meinen Introvertierten-Schildkrötenpanzer ablegen. Das ist mir gelungen. Außerdem weiß ich, was für ein Mensch ich sein möchte, lasse mich von nichts und niemandem stressen oder runterziehen, und nehme Negatives einfach hin, anstatt mich darüber zu ärgern. Es ist verschwendete Energie, sich über etwas zu ärgern, das man nicht ändern kann. Macht lieber das Beste daraus!

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Noch ’ne Hängematte mit Aussicht – Koh Yao Noi, Thailand
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Apartheid Museum – Johannesburg, Südafrika
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Wineyards – Kapstadt, Südafrika

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Claudi
Vielfraß

Essen, Reisen und Sport. Gutes und Gesundes. Regelmäßiges Reisen, möglichst ohne Tourist zu sein. Thaiboxen statt Yoga. Bewusster Konsum. Selbst hämmern und sägen. Und backen. Brutal ehrlich und ein fürchterlicher Klugsche*sser.

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