Wasserfilter – Segen oder Abzocke?

Was bringen Wasserfilter wirklich? Der Wasserfilter Test zeigt: Nicht immer bringt eine Anschaffung auch eine Verbesserung.

Ständig Wasserflaschen zu kaufen, ist aufwendig und teuer. Wenn du im fünften Stock wohnst, dann ist es auch noch super nervig. Leitungswasser wäre da ja sehr praktisch – doch viele Menschen kaufen Wasserfilter, um ihr Wasser zu „reinigen“. Ist das wirklich nötig? Immer wieder werden Stimmen laut, dass die Filter nur reine Abzocke sind, und keineswegs gesundheitliche Vorteile haben – sie sollen sogar Keime an das Trinkwasser abgeben.wasserfilter-test-waschbecken

Was stimmt: Sind Filter hilfreich, unnütz, oder verkeimen sie das Trinkwasser sogar?

Die deutsche Wasserqualität ist sehr gut. Es gibt regionale Unterschiede, manchmal ist es etwas kalkiger als anderswo. Jedoch wird das Wasser, welches gereinigt durch die Stadt an jede Wohnung verteilt wird, rund 400.000 Mal im Jahr kontrolliert. In Deutschland ist Trinkwasser das am strengsten regulierte Lebensmittel, und es gibt sehr genaue Vorlagen, wie viel Keime und Stoffe darin enthalten sein dürfen. In der neuesten Studie des Umweltbundesamtes hielten 99% der Proben die Grenzwerte der Trinkwasserrichtlinien eingehalten. Rein faktisch sind Filter also nicht nötig, damit du sehr gut verträgliches Wasser aus deinem Wasserhahn bekommst. Wer jedoch Kalk reduzieren möchte, damit blondierte Haare nicht grün werden oder der Kaffee besser schmeckt, der wird schnell auf Wasserfilter aufmerksam.

Wasserfilter sollen nun also das Wasser verträglicher und gesünder machen: Doch die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass einige Filterprodukte das Leitungswasser tatsächlich „schlechter“ machen. Das heißt, es waren nach dem Filtern mehr Keime im Trinkwasser. Da das natürlich für den Verbraucher einer absoluten Abzocke gleicht, möchten wir Klarheit schaffen!wasserfilter-test-beispiel

Testergebnisse:

  • Filter können verkeimen: Die Wasserfilter sind mit nicht sterilem Rohrwasser in Kontakt. Das wäre an sich kein Problem, doch die Keime sammeln sich in den Filtern und vermehren sich.
  • Andere Filter sind versilbert: Damit die Kartuschen nicht verkeimen, werden sie in einigen Wasserfiltern mit Silberionen versetzt. Auch wenn dann das Problem mit der Hygiene beseitigt ist, ergibt sich ein neues: Rund 15mg Silber wird pro Liter abgegeben, was gesundheitlich nicht langfristig untersucht werden konnte und kritisch betrachtet wird.
  • Kalk wird nicht reduziert: Das Wasser ist auch nach einer „Filterbehandlung“ noch sehr hart. Die Stiftung spricht ein schlechtes Urteil aus und sagt nach ihrem Test, dass fast alle Filter das Ziel verfehlten.
  • Kupfer und Blei reduziert: Diese Stoffe wurden im Test besser aus schadstoffbesetztem Wasser gefiltert.

Da wir keine Laboruntersuchung für Wasserfilter machen können, greifen wir auf unsere Kollegen vom NDR zurück: Wasserfilter von Brita, BTW und Amway wurden chemisch untersucht.

NDR Fazit: Sechs, setzen.

Bei Brita und BWT steigt die Keimzahl so stark an, dass das Wasser nicht mehr der deutschen Trinkwasserverordnung entspricht.

Also wurde das Ziel der Verbesserung des Trinkwassers weit verfehlt. Außerdem gaben laut Analyse des NDR und auch der Stiftung Warentest die untersuchten Filter von Brita und BWT Silberionen an das Wasser ab! Silber wirkt einer Verunreinigung der Wasserfilter entgegen, kann jedoch gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Das Edelmetall tötet Bakterien und hemmt Pilzwachstum, in größeren Mengen kann es sich aber auch negativ auf die Gesundheit des Menschen auswirken: Es ist giftig, reizt die Schleimhäute, und lagert sich in Bindegewebe und den Augen ein! Noch gibt es keine validen Längsschnittstudien, dass Silber im Wasser jedoch nichts zu suchen hat ist nach den Berichten von solchen Symptomen jedoch klar.

Eine Sache haben die Filter jedoch gut gemacht: Kupfer und Blei konnten relativ erfolgreich aus besetztem Wasser entfernt werden. Für die wenigen Häuser in Deutschland, in denen Bleirohre verlegt sind, kann das Sinn machen.

Wirklich hilfreich sind die meisten Wasserfilter also nicht, und das zu welchem Preis?

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Viel Geld für nichts

Bei einem Preis von durchschnittlich 0,2 Cent pro Liter aus dem Rohr ist unser Wasser sehr preiswert: Im Vergleich zum günstigsten Wasser aus dem Supermarkt spart man 18,8 Cent pro Liter, wenn man sich auf das gute alte Rohrquell aus der Leitung verlässt. Für einen Liter Supermarkt-Wasser bekommst du also 95 Liter qualitativ gutes Leitungswasser! Benutzt du einen Wasserfilter, zahlst du immer noch bis zu 16 Cent pro Liter – du sparst dir zwar die Schlepperei, aber angesichts der Startkosten durch die Anschaffung ist das nicht wirklich viel Geld. Und dann gibt es ja da auch noch die Problematik mit den Keimen und dem Silber…

In der aktuellen Apotheken Umschau wird auch darauf hingewiesen, dass Wasserfilter zwar Keime entfernen können, zum Teil aber durch falsches/zu seltenes Wechseln der Kartuschen mehr Schadstoffe an das Wasser abgegeben werden. Außerdem werden wichtige Mineralstoffe aus dem Wasser gefiltert – es ist nun also frei von möglichen Pestiziden, oder anderen Stoffen, aber eben auch frei von wichtigen und gesunden Nährstoffen.

Wasserfilter sind nun also wenig hilfreich, ziehen höhere Kosten als das sichere Leitungswasser mit sich und können nicht nur Schadstoffe abgeben, sondern entfernen auch wichtige Nährstoffe. Alles in allem also für die Mehrheit kein guter Deal.

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Der Wasserfilter Test: unser Fazit

  • Wasserfilter bieten nicht wirklich eine Verbesserung, das Wasser bleibt kalkig.
  • In vielen Fällen werden unnötige Stoffe an dein Wasser abgegeben, z.B. Silberionen bei Aktivkohle-Filtration.
  • Filter verkeimen und bilden dadurch einen Bakterienherd. Dadurch können sogar mehr Keime im Trinkwasser sein, nachdem der Filter eingesetzt wurde.
  • Und dafür zahlst du sogar drauf: Hahnwasser kostet 2 Cent/Liter, gefiltertes Wasser kostet 16 Cent/Liter und Supermarkt-Flaschen rund 20 Cent/Liter.
  • Haushalte mit Bleileitungen können durch gute Blei- und Kupferfilterung einen Nutzen aus Wasserfiltern ziehen, jedoch gibt es kaum noch unkontrollierte Kuperrohre.
  • Deutsches Trinkwasser ist nach dem Umweltbundesamt „exzellent“ und es gibt kein Lebensmittel, welches strenger kontrolliert wird.

Generell ist das keinesfalls nötig, investiere das Geld lieber in leckeres Sirup oder eine schöne Glaskaraffe.Wer sein Trinkwasser testen lassen will, kann sich beim Fraunhofer Institut über einen privaten Wassercheck informieren. Der SWR hat auch einen informativen Beitrag über die Nützlichkeit und die Maschen von Verkäufern von Wasserfiltern veröffentlicht.

 

Dein Wasser ist kalkig aber du willst keinen Filter kaufen?

Mit diesen Tipps kannst du Kalk ganz einfach reduzieren:

  • Entkalken:
    Wenn du kalkiges Wasser vermeiden willst, hilft es schon, den Wasserkocher regelmäßig zu entkalken. Dazu gibt es verschiedene günstige Pülverchen in der Drogerie und dem Supermarkt, auch auf biologischer Basis. Oder du benutzt Essig.
  • Regenbogen-Schlieren:
    Bei der Teestunde öfter mal Schlieren auf dem Teewasser? Das kommt durch sehr hartes Wasser und lässt sich durch einen kleinen Spritzer Zitronensaft verhindern: Dadurch sinkt der pH-Wert und wechselt vom basischen zum säuerlichen Zustand.
  • Energetisierung:
    Ja, hier gibt es ein bisschen esoterischen Beigeschmack: Es gibt Forscher, welche der festen Überzeugung sind, dass dem weit transportierten Rohrwasser positive Schwingungen fehlen. Diese könne man aber durch bestimmte Optimierungsmaßnahmen wieder in das Wasser übertragen und so die Wasserkristalle energetisieren. Dafür kann man verschiedene Steine, Edel- bzw. Heilsteine benutzen. Wer es mag – diese Steine gibt es zum Beispiel schon für 6 Euro im Internet.
Sophia
Die Räubertochter

Sophia taumelt zwischen Konzerten, Flohmärkten und Versuchspersonenstunden hin und her und versucht das Leben im Zaum zu halten – oder vielleicht ist es auch andersherum. Wenn sie nicht in Psychologie-Vorlesungen sitzt, treibt sie meist Unfug mit Texten, Musik oder FreundInnen und will Sachen machen. Die überzeugte Vegetarierin und selbsterklärte Ästhetikerin ist auf der Suche nach dem Besonderen im Leben und versucht uns mit Ideen, Tipps und Inspiration bei Laune zu halten.

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