Online Shopping – Die göttliche Verführung

online Shopping

Das Internet ist für uns Shopper das Paradies auf Erden, es gibt nichts, was es nicht gibt, und dazu noch alles in Hülle und Fülle. Schon 2013 haben neun von zehn deutschen Internetnutzern aus allen Altersgruppen im Internet eingekauft, 40 Prozent davon sogar mehr als zehnmal im Jahr. Am liebsten kaufen wir Kleidung, Elektronikartikel und Bücher. Dabei schrecken uns auch die negativen Aspekte des Online Shoppings immer weniger. Klar, wir können die Ware vorher nicht sehen, und hey, manchmal bekommen wir das Falsche geliefert (wenn die DHL wieder streikt, bekommen wir auch mal gar nichts), aber alles in allem ist Online Shopping eine himmlische Erfahrung: keine überfüllten Geschäfte mehr, keine grantigen Verkäufer, kein Gerenne und Geschleppe.

Und uns wird fast alles abgenommen, sogar die Frage, was wir kaufen sollen. Denn wir sind so erschreckend beeinflussbar als Konsumenten. Unser Such(t)verhalten wird ausspioniert, und weil wir soziale Wesen sind, kaufen wir das, was andere uns anpreisen. Newsletter und aufdringliche Werbebotschaften, von Marketinggenies verfasst, geben uns die nächsten Schritte vor. Zögern wir dann immer noch, gibt es Schnäppchen, Rabatte und Gutscheine; oder den Black Friday, oder irgendeinen anderen Tag der Superdupersonderangebote. Shoppen ist die neue Weltreligion. Wir können uns winden, aber es ist nicht leicht, ihr zu entsagen.

Der Auszug aus Ägypten

Um die einen in das gelobte Land führen zu können, müssen sich andere arg plagen. Online-Shops haben keine andere Wahl, als sich immer mehr anzustrengen, ihre gar nicht virtuelle Ware an den Mann oder die Frau zu bringen, denn die Konkurrenz ist überwältigend. Auf jeden Suchbegriff gibt es tausende Treffer für ein und dasselbe Produkt, und nur wer bei den Suchmaschinen, allen voran Gott Google, hoch in der Gunst (also im Ranking) steht, kann überleben und erfolgreich sein.

God Google - klein

Mit 3,5 Milliarden Suchanfragen täglich und der richtigen Datenauswertung ist Google inzwischen allwissend und allgegenwärtig, und jedes kleinste Vergehen gegen die Google-Gebote kann schwerwiegende Folgen für den Anbieter haben. Aussteigen ist keine Option. Trotzdem hat das in sich geschlossene System auch seine Vorteile: Shops können Ihre Werbe-Anstrengungen sehr detailliert und zielgerichtet einsetzen, und billiger als in Zeitungen oder im Fernsehen sind sie auch.  Dabei verdient Google jeden dritten Dollar, der im Datennetz für Werbung ausgegeben wird. Im Mittelalter war es nur das sogenannte Zehnte…

Das gelobte Land

Der Online-Handel gewinnt immer mehr Jünger, die immer mehr Produkte im Netz kaufen. Im Jahr 2000 wurden 2,5 Milliarden Euro im E-Commerce erwirtschaftet, im Jahr 2014 waren es 33 Milliarden. Prognosen zufolge steigt der Online Shopping Anteil seit ein paar Jahren relativ konstant um die 20% pro Jahr. Das wird auch für 2017 vorausgesagt.

Wer die Spielregeln beherrscht, wer technologisch, im Kundenservice und in der Auswertung des Kaufverhaltens seiner Kunden am innovativsten ist, mischt ganz oben mit. Das beweisen die Erfolgsstorys von Unternehmen wie Amazon, Ebay oder Zalando. Marken mit gutem Image tragen den Heiligenschein, ihre Produkte gelten als abgesegnet.

Für den Kunden zählen in erster Linie Produktangebot und Preis, aber auch das Layout, die Struktur der Startseite sowie die Usability im Katalogsystem tragen entscheidend zum Erfolg bei. Ein erhöhter Website-Traffic, zum Beispiel während des Sommerschlussverkaufes, kann Online-Händler auf harte Proben stellen, denn Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und eine einfache Benutzung sind die Voraussetzungen für eine loyale Kundenbasis.

Klicken ist nicht gleich Kaufen

Aber nicht jeder, der den Shop besucht, kauft auch etwas. In Deutschland ist die Kaufwahrscheinlichkeit bei Tchibo mit 83% am höchsten, gefolgt von Zalando und Quelle mit 79%. Dabei wurde allerdings Zalandos Seite etwa doppelt so oft besucht wie die von Tschibo, und etwa 14 Mal öfter als die von Quelle. Der Traffic-Gigant Amazon liegt mit 77% nur auf Platz 4.

Es gibt einige Gründe, warum potentielle Käufer zu Kaufabbrechern werden, das hat die Firma Connexity genau untersucht. Die Hälfte der Abbrecher hat den Online-Shop schon vor der Auswahl von Produkten für den Warenkorb wieder verlassen, größtenteils weil der gewünschte Artikel nicht gefunden wurde, aber auch weil das Produkt zu teuer war. 18% der Nutzer sind Warenkorb-Abbrecher, die meisten von ihnen wollen den gewünschten Artikel für einen späteren Kauf speichern. Allerdings kommen viele von ihnen nie zurück.

59% der Abtrünnigen geben an, den Kauf bei einem Rabatt von 20% oder mehr abzuschließen, weitere 25% würden sich auch mit 10% Nachlass zufrieden geben. Außerdem geben 20% der Nutzer an, dass die Benachrichtigung über ein Sonderangebot für ihr gewähltes Produkt ihre Kaufentscheidung unterstützen würde. Denn Sparen ist eines der Hauptanreize für Online-Shopper. Um einen relativen Vorteil vor anderen Anbietern zu haben, preisen Shops ihre Gutscheine und Rabatte daher inzwischen nicht nur auf den eigenen Seiten an, sondern auch auf denen von bekannten Tageszeitungen oder für herabgesetzte Produkte auch auf speziellen Schnäppchenblogs und -portalen.

Black Friday Retro

Online Shopping: Das Glück auf Erden

Kaufen macht uns glücklich, und allzu gerne glauben wir, was uns suggeriert wird: dass der Kauf neuer und bestimmter Produkte unser Leben besser und zufriedener macht. Ich shoppe, also bin ich, dabei haben wir schon alles und noch viel mehr, als wir wirklich brauchen. Shoppen als spirituelle Ersatz-Erfahrung? Forscher haben herausgefunden, dass erfolgreiche Produkte die Hirnregionen befeuern, in denen auch religiöse Gefühle zu Hause sind. Jedes Schaufenster ist eine Offenbarung. Wir brauchen keine Versprechen mehr über das Seelenheil und ein Leben nach dem Tod, die neue Michael Kors-Tasche tut es ja auch. Die Welt ist eine große überirdische Mall, und wie von Zauberhand und nur mit ihrem Zeigefinger bekommen wir alles, was unser kleines Herz begehrt.

Seien wir ehrlich, der Konsum bestimmt unser Leben. Rund 6000 Werbebotschaften, so sagen die Experten, prasseln täglich auf jeden von uns ein. Das Glück ist nicht von Dauer, und damit es anhält, müssen wir tief in die neue Kors-Tasche greifen.  Sechs bis acht Prozent der Deutschen sind kaufsüchtig. Aber wer unter uns frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Tina
Zauberfee im Wörterland

Tina hat viel gesehen von der Welt, und sie hat nicht nur ein Zuhause. Am liebsten isst sie Süßes, deswegen sind ihre Zähne so schlecht, aber Lachen tut sie trotzdem gerne, denn „wir haben doch verdammt nochmal ein Schweineglück, hier und jetzt zu leben“. Und Tina liebt Wörter, viele Wörter, besonders Schwarz auf Weiß. Oder auf Gelb, wie bei Zitronenzauber.

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