Mundraub – Obst zum Selbstpflücken

Die Stadt hat mehr an Natur zu bieten als man denken mag. Auf der Website Mundraub können Community-Mitglieder auf einer interaktiven Karte eintragen, wo genau sich Obst- oder Nussbäume zum Selbsternten befinden.

Mundraub Karte
© Mundraub.org

Wer kennt das nicht? Der Wandertag steht bevor und der Rucksack ist voll gepackt mit Proviant. Stullen, Süßigkeiten, Obst und Gemüse. Doch eigentlich geht es raus in die Natur. Zum Ursprung unserer Nahrung. Heutzutage ist sich dessen kaum noch jemand bewusst. Bärlauch mag der ein oder andere noch am Geruch erkennen. Die Natur hat aber noch sehr viel mehr zu bieten. Frisches Obst, Nüsse und jede Menge Kräuter.

Legales Diebesgut

Diese Erfahrung hat auch Kai Gildhorn mit seinen Freunden gemacht. Bei einem Paddelausflug sind ihnen frische Äpfel wortwörtlich in den Schoß gefallen. Dass sie in ihren Taschen abgepackte Äpfel aus dem Supermarkt dabeihatten, fanden sie so paradox, dass sie beschlossen, auf einer virtuellen Karte die Orte einzutragen, an denen sich Früchte, Nüsse und Kräuter zum Selbstpflücken befinden. Die Mundraub-Idee war geboren. Seit 2009 ist diese Karte nun im Internet für jeden zugänglich und um Tausende Einträge gewachsen. Es hat sich mittlerweile eine Community mit über 25.000 Mitgliedern aus der ganzen Welt gebildet. Vor allem in Deutschland ist das Interesse groß.

Auch das Team rund um Kai Gildhorn hat sich erweitert. Neben dem Umweltingenieur sind vor allem IT-Fachleute am Werk. Damit die Basis, die interaktive Mundraub-Karte, einwandfrei funktioniert. Aber auch Menschen, die sich mit der Umwelt und ihren Schätzen auskennen, gehören zum Team. Madeleine Zahn zum Beispiel. Sie ist schon lange mit dabei. Zusammen mit Andie Arndt hat sie die Mundraub-Touren ins Leben gerufen. Bei diesen geführten Fahrradtouren quer durch Berlin zeigt sie Interessierten, wo die Natur Essbares für sie bereithält. Die Touren finden regelmäßig statt und haben je nach Saison einen anderen Schwerpunkt. Vom Kleinkind bis zum Senioren kann jeder mitradeln. „Wir möchten das saisonale und regionale Bewusstsein der Menschen stärken. Die Stadt ist so voller Leben, man muss nur wissen, wo man suchen muss“, erzählt Andie Arndt. „Früher wurden Obstbäume angepflanzt, um die Bevölkerung und Soldaten zu ernähren. Heute verwahrlosen sie unbeachtet.“

Mundraub birnen
© Mundraub.org

Mundraub ja, aber nicht klauen

Private Bäume und Sträucher dürfen natürlich nicht geerntet werden. Das ist die oberste Mundraub-Regel. Die Befürchtung von Kritikern, blindwütige Selbstpflücker würden jeden Obstbaum plündern, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil. „Verletzungen unserer Mundraub-Regeln kommen nur sehr selten vor. Und das bei einer so großen Community wie unserer“, erzählt Andie Arndt stolz. Im Zweifelsfall sollte der Nutzer sich vor dem Eintragen einer Pflanze bei den zuständigen Behörden informieren. Dafür genügt oft schon ein kurzer Anruf.

Neben den Mundraub-Touren finden im Herbst außerdem Ernte-Camps statt. Konstantin Schroth organisiert und leitet diese Camps. Er ist ebenfalls einer derjenigen, der sich mit Obstbäumen richtig gut auskennt und sich aktiv um den Erhalt der Baumbestände kümmert.

Für die Bundesgartenschau im letzten Jahr haben freiwillige Erntehelfer auf ungenutzen Streuobstwiesen im Havelland jede Menge Äpfel gesammelt, um daraus den BUGALOO-Saft herzustellen. Dies war dann auch der Beginn von „mundraub macht mobil“, ein Projekt im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 sowie einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Mundraub war dabei einer der Partner. Zusammen mit ihren Nutzern wollte die Stadt der Zukunft zu einem nachhaltigen Lebensmittelpunkt entwickeln.

Nachhaltigkeit und eine umweltschonende Lebensweise sind dem Team sehr wichtig. Und da ihre Community überaus aktiv ist, wollen die Mundräuber sie stärker in ihre Projekte miteinbeziehen. Geplant sind zum Beispiel von Mitgliedern geführte Mundraub-Touren. Ganz im Sinne ihrer Vision: „Essbare Landschaften gemeinsam erlebbar machen und gestalten.“
Mithilfe der interaktiven Karte lassen sich Entdeckungen teilen. Hat man einen Obst- oder Nussbaum, einen Obststrauch oder Kräuter gefunden, trägt man diese mit dem entsprechenden Symbol auf der Karte ein. Wer möchte, kann noch ein Bild hinzufügen, damit die Pflanze auch für ungeschulte Blicke leicht zu finden ist. Andere Mitglieder können den Eintrag nun kommentieren und so auf dem aktuellen Stand halten. Die Karte und weitere Infos gibt es hier.

© Mundraub.org
© Mundraub.org
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