Gütesiegel: Welchen Siegeln kann ich vertrauen?

Bio, Öko, aus kontrolliertem Anbau, Fairtrade und so weiter und sofort… Gütesiegel gibt es wie Hipster in Berlin. Jedes Produkt will uns suggerieren, dass es besonders umweltschonend oder ökologisch ist, und es schmückt sich daher mit einem oder gleich mehreren Gütesiegeln. Aber stimmt das alles wirklich oder sollen wir nur hinters Licht geführt werden? 

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Bild: dieoption.at

Welche Gütesiegel taugen etwas?

Ob und welche Gütesiegel etwas taugen, sagen wir euch natürlich. Denn nicht alle Bezeichnungen sind geschützt und können daher von jedem Hersteller benutzt werden. Und zur Gewinnmaximierung wird dies natürlich gnadenlos ausgenutzt.

Bio-Siegel

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Bild: de.wikipedia.org
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Bild: bmel.de

Als „Bio“ oder „Öko“ darf nur etwas bezeichnet werden, dass auch tatsächlich biologisch oder ökologisch hergestellt oder angebaut wird. Für diese Produkte gibt es das Bio-Siegel der Europäischen Union, das bereits seit 2010 vorgeschrieben ist. Das deutsche Bio-Siegel (welches uns bekannter ist – das erste Bild) darf nur zusätzlich verwendet werden. So tragen deutsche Bio-Produkte meistens beide Siegel und denen darf man auch vertrauen.

„Aus kontrolliertem Anbau“

Zusatzbezeichnungen wie

  • „aus kontrolliertem Anbau“
  • „umweltschonend“
  • „unbehandelt“
  • „aus integrierter Landwirtschaft“
  • „von staatlich anerkannten Bauernhöfen“
  • „aus Vertragsanbau“
  • „unter unabhängiger Kontrolle“
  • „aus alternativer Haltung“
  • „aus umweltschonendem Anbau“
  • „ungespritzt“

sind irreführend und sagen nichts aus. Diese Begriffe sind nicht geschützt, und jeder Hersteller kann sie einfach auf sein Produkt schreiben, ohne das es der Wahrheit entsprechen muss oder geprüft wird.

Es gibt desweiteren private Bio-Verbände, die noch über den gesetzlichen Standard hinaus gehen, also noch biologischer handeln. Die wichtigsten davon sind Bioland, Naturland und Demeter.

Bild: galileo.tv

Textil-Siegel

Bei Kleidung gibt es leider kein staatliches Gütesiegel, welches nachhaltige Produkte kennzeichnet. Dafür gibt es weltweit circa 120 privatwirtschaftliche Güte-Siegel von denen aber nur ganz wenige empfehlenswert sind. Die Textil-Expertin von Greenpeace hält sogar das oft verwendete Siegel „Oekotex 100“ für eine Mogelpackung, da es lediglich besagt, dass in einem fertig verarbeiteten Kleidungsstück keine Gift-Rückstände mehr auffindbar sind. Ob allerdings in der Produktion giftige Chemikalien verwendet wurden, spielt dabei keine Rolle.

Textil-Siegel, die etwas taugen:

  • bluesign
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Bild: camp4.de
  • Fair Wear Foundation
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Bild: ecotextile.com
  • Global Organic Textile Standard
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Bild: farmhub.textileexchange.org

Fairtrade

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Bild: swr.de

Das Fairtrade-Siegel ist, wie das Fair Wear Foundation-Siegel, ein verlässliches Siegel, das sich für soziale Standards bei der Herstellung und auch für faire Löhne einsetzt.

Naturkosmetik

Leider gibt es auch in der Naturkosmetik kein einheitliches staatliches Gütesiegel, sondern ebenfalls nur privatwirtschaftliche Siegel. Und auch hier wird viel getrickst und geschummelt. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe kann da schon aufschlussreicher sein: Je weiter hinten ein Inhaltsstoff in der Liste aufgenommen ist, desto weniger Anteile davon sind im Produkt enthalten. Teilweise kommt es bei der Vergabe der Naturkosmetik-Siegel zu einem Interessenskonflikt, da die Organisation, die die Siegel vergibt, oftmals auch zu den Herstellern dieser Produkte gehört.

Naturkosmetik-Siegel, die etwas taugen:

  • BDIH
  • Natrue
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Bild: alnatura.de

Spielzeug

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Bild: schleswig-holstein.de

Auch Spielsachen bekommen Gütesiegel, um Vertrauen zu erzeugen. Ein Beispiel dafür ist das „CE-Zeichen“, das in Deutschland alle Spielzeuge haben müssen. Mit dem CE-Zeichen garantiert der Hersteller, dass er die EU-Vorgaben einhält. Der Haken an der Sache: Der Hersteller wird nicht kontrolliert und kann das Siegel einfach selbst aufkleben!!! Das CE-Zeichen ist also genauso viel wert, wie ein Zwinker-Smiley-Aufkleber auf der Verpackung – nämlich nichts. Das GS-Siegel (GS = geprüfte Sicherheit) ist da schon aussagekräftiger. Das GS-Siegel garantiert, dass der Hersteller das jeweilige Produkt einer freiwilligen Untersuchung zur Verfügung gestellt hat und es auf europäische Sicherheitsnormen und Strapazierfähigkeit getestet wurde. Die Untersuchung wird dabei von staatlichen Zertifizierungsstellen wie dem TÜV, dem LGA oder dem VDE vollzogen.

Fälschungen im Umlauf

Gerade bei Spielwaren wird das GS-Siegel gerne gefälscht. Alarmiert sollte man sein, wenn das GS-Siegel als Aufkleber außen auf der Verpackung ist und/oder gar Rechtschreibfehler enthält. Denn wenn ein Hersteller sein Produkt aufwendig testen lässt, arbeitet er in der Regel nicht mit Aufklebern, sondern lässt das GS-Siegel direkt auf die Verpackung drucken.

Staatliche Gütesiegel?!

Wir brauchen dringend klare und verlässliche Gütesiegel auf die sich der Verbraucher verlassen kann. Dabei sollten Kontrollen und Transparenz stark priorisiert werden. Auch ein übersichtliches und leicht verständliches Bewertungssystem wäre vorstellbar. Auf jeden Fall sollten die Verbraucher leichter entscheiden können, welchem Produkt und welchem Siegel sie vertrauen können, um wirklich nachhaltig und ökologisch agieren zu können.

Und bis dahin?

Bis sich die Regierung um ein besseres Bewertungssystem und die Vergabe einheitlicher Gütesiegel gekümmert hat, gibt es noch die Verbraucherinitiative. Auf der Seite label-online.de kann man knapp 600 Gütesiegel finden, die vom Verein der Verbraucherinitiative bewertet und erklärt werden.

Annika
Die Kleine

Mit einer Körpergröße von gerade einmal 156 cm gehört sie zu den kleinen Menschen unserer Bevölkerungsgruppe. Was ihr an Körpergröße fehlt, macht sie mit ihrer Vielseitigkeit wett. Die kunterbunte Mischung ihrer Interessen ist als Schreiberling eine große Bereicherung. Ob Punk Rock, Sinatra oder Die drei Fragezeichen, Horror- oder Liebesfilm, Steak oder Grünkern – sie kann allem etwas Positives abgewinnen. So richtig entscheiden will sie sich nicht, muss sie ja auch nicht.
Als Schauspielerin und Autorin konnte sie schon einiges von der Welt sehen, viele verschiedene Menschen kennen lernen und fremde Kulturen und Subkulturen erforschen. Kein Wunder also, dass sie jeden Kuchen probieren will!

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