Zitronenmelisse

Kräuter bereichern unser Leben ungemein. Ob in der Küche oder im Garten, ohne Kräuter würde uns etwas fehlen. Petersilie und Schnittlauch kennt jeder, klar. Doch es gibt hunderte verschiedener Arten an Kräutern und Heilpflanzen, und die möchte ich euch vorstellen. Heute bei uns zu Gast:
Melissa Officinalis, auch bekannt als Zitronenmelisse.

zitronenmelisse

Von Salamandern und Melissen

Die Zitronenmelisse ist mein liebstes Lieblingskraut. Denke ich an Zitronenmelisse, werde ich immer ganz nostalgisch. Meine Großeltern hatten früher einen großen Garten, voller Obstbäume und Gemüsebeete, Rosenranken und Johannisbeersträuchern. Gleich neben den Zucchinis war ein Platz für frische Kräuter reserviert. Zwischen duftendem Dill und krauser Petersilie beherbergte es einen bunten Feuersalamander, der mittags zwischen den Pflanzen hervor kletterte, um sich auf den warmen Steinen in der Sonne zu räkeln. Sein Lieblingsplatz war direkt neben der Zitronenmelisse. Meiner somit auch. Denn wenn man vier Jahre alt ist, gibt es nichts Fabulöseres und Spannenderes auf der Welt, als einen bunt getupften Lurch! Bekanntermaßen sind Salamander dann aber doch eher scheue Tiere, und meine Begeisterung für das kleine Kerlchen war um einiges größer als sein Interesse an mir. Weswegen ich die meiste Zeit hibbelig wartend an der Zitronenmelisse stand, fleißig Blätter von selbiger abknubbelte, und fasziniert war von der Tatsache, dass ein grünes Blatt so toll und fruchtig riechen kann wie eine gelbe Zitrone. Und meine kleinen Fingerchen nach gründlicher Knubbelei natürlich auch!
Zitronenmelisse ist für mich also nicht einfach nur Zitronenmelisse, sondern irgendwie auch der Duft meiner Kindheit, der Geruch von Sommer, Sonne, Ferien, Freiheit und Glück.

Fensterbrett, Balkon oder Garten?

Jahre später, nach dem Abi und dem Umzug, weg von der kleinen Stadt mit dem großen Garten, hin in die große Stadt, ohne Garten, aber immerhin mit kleinem Balkon, wurde dieser dann natürlich, neben einigen anderen Kräutern, Unkräutern und blühendem Grünzeug, mit Zitronenmelisse bestückt. Die Melisse eignet sich nämlich nicht nur für das Beet, auch Großstädter ohne eigenen Garten können sich ein Exemplar ziehen, wahlweise als „fertige“ Pflanze im Topf vom Gärtner, oder direkt aus den Samen.

Das zitronige Kraut, das ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum kommt, mittlerweile aber auf der ganzen Welt zu Hause ist, ist ein dankbarer Balkonbewohner, sehr pflegeleicht und stellt keine besonders großen Ansprüche.
Die Zitronenmelisse selbst ist zwar winterfest, die Samen sollten allerdings erst im April oder Mai, wenn auch nachts kein Frost mehr zu erwarten ist, ausgesät werden. Sie werden nicht mit Erde bedeckt, sondern nur leicht angedrückt – es sind Lichtkeimer. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Pflanzen bereits ab Februar auf der Fensterbank ziehen, und dann ab April ins Freie umsetzen.

Wer weder über Balkon noch Garten verfügt, kann seine Zitronenmelisse natürlich auch in der Wohnung kultivieren. Das Pflänzchen der Wahl sollte möglichst von einer guten Gärtnerei kommen, denn die Topfkräuter aus dem Supermarkt sind meist für den direkten Verbrauch bestimmt, haben nicht genügend Pflege – und vor allem Liebe – abbekommen, und gehen oft bereits in den ersten zwei Wochen ein. Nach ein paar Tagen des Eingewöhnens darf die Melisse umgetopft werden und ein sonniges Plätzchen am Fenster beziehen.

Während die Melisse im Garten sandig-lehmigen Boden und einen sonnigen bis halbschattigen Standort bevorzugt, sollte man darauf achten, dass sie auf dem Balkon keiner direkten Sonne ausgesetzt ist und windgeschützt steht. Die Pflanze neigt dazu, sich recht breit zu machen, und ihre Blätter und Zweige dicklich in alle Richtungen auszustrecken. Diese Tatsache sollte man beim Pflanzen beachten, und ihr im Kräuterbeet gute 40 cm Abstand bis zum nächsten Nachbarn gönnen. Auf dem Balkon empfiehlt sich ein großer Kübel, der normale Blumenkasten könnte nämlich relativ bald zu klein werden.

Dafür sind die zitronigen Lippenblütler ausgesprochen genügsam. In der Zeit nach dem Einpflanzen, vor allem bei Jungpflanzen, sollte der Boden immer feucht sein, Staunässe gilt es zu vermeiden. Ist die Pflanze erst einmal angewachsen, macht ihr Trockenheit nichts mehr aus. Sie kann auch längere Zeit auf Wasser verzichten und kommt gänzlich ohne Dünger aus.

Geerntet werden kann dann jederzeit und das ganze Jahr über, optimalerweise allerdings noch vor der Blüte, dann ist sie aromatischer. Wobei man die gute Melisse auch ein wenig austricksen kann, in dem man die Blütenknospen, sobald man sie entdeckt, entfernt. Oder aber man schneidet, ebenfalls kurz vor der Blüte, ganze Stängel ab. Meist treibt die Melisse noch einmal aus, und das bis zu vier Mal im Jahr – üppige Ernten sind garantiert! Richtig zurück geschnitten wird die Zitronenmelisse dann am Ende der Saison, ungefähr handbreit, damit sie eine wohlverdiente Pause einlegen kann. Und falls sie mit der Zeit unansehnlich wird, weil zu wenig geerntet wurde, oder ihr zu viel Sonne die zarten Blätter verbrannt hat, kommt ebenfalls die Schere zum Einsatz, damit die Pflanze nochmals neu austreiben kann.

Die kulinarische Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse findet bei uns vor allem als Würz- und Heilpflanze Verwendung. Im Jahre 1988 war sie sogar Arzneipflanze des Jahres. Melissentee hat wohl jeder schon einmal getrunken, der schmeckt nämlich nicht nur lecker, sondern ist auch gut für die Verdauung. Aber auch als Eistee im Sommer, in Soßen oder Salaten, oder als Kräuterlikör oder Sirup macht sich die Melisse gut.
Meine Balkonmelisse damals, also meine erste, die hat mich ein wenig überrumpelt. Da wusste ich nämlich noch nicht, wie explosionsartig sich der kleine Strauch bei optimalen Bedingungen, auch auf winzigen Balkonen, ausbreiten kann, und stand dann, mehr oder weniger von heute auf morgen, auf einem zugewucherten Balkon und vor einem Jahresvorrat erntefrischer Zitronenmelisse.

Eine Möglichkeit, Kräuter zu konservieren, ist das Trocknen. Bei der Zitronenmelisse, die ja sonst so genügsam ist, ist das leider recht kompliziert, da sie relativ schnell ihre ätherischen Öle und somit Geschmack und Wirkung verliert, wenn nicht alle Faktoren stimmen. Wer unbedingt will, kann’s natürlich probieren, ich rate aber davon ab, es wäre einfach zu schade um die köstlichen Blätter.

Daher ist eine wunderbare, einfache und schnelle Möglichkeit, auch größere Mengen Melisse zu verarbeiten und haltbar zu machen, das Pesto. Schmeckt lecker (und wirklich viiiel besser als Basilikumpesto, so richtig schön zitronig-frisch!) und hält sich, dank Olivenöl, quasi ewig. Im Prinzip ist das Grundrezept dasselbe wie für ein klassisches Pesto alla Genovese, nur eben mit Zitronenmelisse statt Basilikum.


Pesto alla citronella

pesto

Zutaten

1 Bund
Zitronenmelisse
2 EL
geriebener Parmesan
2 EL
Pinienkerne
100 ml
Olivenöl
1
Knoblauchzehe
Salz
Pfeffer
Zucker

Zubereitung

Die Pinienkerne ohne Fett in einer beschichteten Pfanne anrösten. Knoblauch schälen, Zitronenmelisse waschen, und zusammen mit dem Parmesan, dem Olivenöl und den Pinienkernen in den Mixer geben und pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Das Pesto in ausgekochte Gläser füllen und vor dem Verschließen mit einer Schickt Olivenöl bedecken.

Das Pesto schmeckt ganz klassisch zu Pasta, aber auch als Dip zu Gemüse und Brot oder zu orientalischen Gerichten. Mein Zitronenmelissen-Pesto-Leibgericht ist übrigens eine ordentliche Portion Pesto, zusammen mit einem guten Brot, Kopfsalat und geräucherter Makrele.
Habt ihr auch Lieblingsrezepte mit Melisse? Schreibt mir oder teilt sie in den Kommentaren mit uns – denn die nächste Melissen-Super-Ernte kommt bestimmt!

Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.