Künstlerisches Upcycling: Rebecca Szeto

Die Renaissance der Pinsel

Rebecca Szeto ist eine US-amerikanische Künstlerin mit chinesischen Wurzeln, die in San Francisco lebt und arbeitet. Seit ihrem Abschluss in Kunst an der Berkeley Universität im Jahre 1992 hat sie Projekte auf der ganzen Welt realisiert, sie publiziert, wird mit Awards überhäuft, und kann auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Europa zurück blicken.

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Rebecca Szeto, Menina IV, 2013

Rebecca Szeto: Die Lady hat’s drauf.

Die Schwerpunkte ihres Schaffens liegen einerseits in der Arbeit mit Holz – filigrane Schnitzereien gehören ebenso zu ihrem Œuvre wie großformatige Skulpturen – andererseits fließen Skizzen und Malerei mit ein und lassen charakteristische Installationen entstehen, die zunehmend auch Einflüsse interaktiver Medien aufweisen.
Dabei bevorzugt sie nicht etwa edle Tropenhölzer oder Carrara- Marmor, nein, Rebecca Szeto praktiziert seit über zwei Jahrzehnten, was wir, seit ein paar Jahren, als modische Begleiterscheinung der aktuellen Nachhaltigkeitswelle wahrnehmen: Upcycling. Tote Bienen und kratzige Stahlwolle, bröckelnder Rost und durchgelutschte Kaugummis – was bei anderen Menschen Nichtbeachtung bis Ekel hervorruft, verursacht bei Rebecca Szeto kreatives Herzklopfen und kribbelnde Inspirationsschübe.

Ihre Werke spielen mit unserer Vorstellung von Schönheit und Wertigkeit. Sie dekonstruiert die einzelnen Komponenten und fügt sie zu einem neuen Subjekt zusammen – Roland Barthes und sein Strukturalismus, der einen logischen Vorrang des Ganzen gegenüber den involvierten Teilen propagiert, hätten ihre helle Freude an Szetos Werk gehabt.

Vielleicht liegt die Popularität ihrer Kunstwerke genau darin begründet: Die Kalifornierin schafft es, in ihren Arbeiten die klassische Kunstgeschichte mit den kulturphilosophischen Theorien des 19. Jahrhundert zu vereinen, und verpackt das Ganze, für uns Konsumenten, im appetitlichen und zeitgemäßen Mäntelchen der ökologischen Achtsamkeit der Gegenwart.

Well done, Frollein Szeto, well done.

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Rebecca Szeto, Not To Be Reproduced (Ode To Magritte), 2014

Die Kunst des Upcyclings

Ausrangierte Gebrauchsgegenstände, Alltägliches und Banales, gerne auch Massenware und Müll verschmelzen zu neuen Kunstwerken. Während bei Szetos Ausgangsmaterialien unwillkürlich Assoziationen zu Beuys und seinen Fettklumpen und Filzfetzen geweckt werden, sei versichert, dass diese Künstlerin eine Meisterin der Metamorphose, und das Endergebnis, dementsprechend, mehr als ansehnlich ist.

Die Ästhetik ihrer Werke ist atemberaubend und bricht mit dem ursprünglichen Wesen der verwendeten Materialien. Ekeln muss sich hier also niemand, viel mehr werden wir verzaubert von der ungeahnten Schönheit ausgedienter Dinge, die Rebecca Szeto uns offenbart.

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Rebecca Szeto, Dona Hongari (after Velazquez), 2011

Von Kunstpinseln und Pinselkunst

Anmutig und würdevoll, stark und elegant muten sie an, die Damen, die aus alten, fransigen, farbbeklecksten Pinseln entstehen und zu Paintbrush Portraits werden.
Leise und verspielt kommen sie daher, die Miniaturporträts bekannter und weniger bekannter Heldinnen der Kunst- und Weltgeschichte. Ob Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrgehänge oder Queen Mary Tudor (DIE Bloody Mary) – die alten Pinsel erleben, dank feinster Schnitzarbeit und gekonnter Porträtmalerei, eine Renaissance im wahrsten Sinne des Wortes.
Während die Künstlerin die Pinselstiele gekonnt bearbeitet und detailreiche Porträts aus dem Holz hervor zaubert, fungieren die von Patina überzogenen Borsten zugleich als Torso und festliche Robe der Porträtierten.
Szetos Liebe zur Kunstgeschichte wird nicht nur durch die Wahl ihrer Protagonistinnen deutlich, auch die Idee, den Pinsel gleichzeitig als Subjekt und Objekt fungieren zu lassen, ist grandios.

Seit 1999 begeistert Rebecca Szeto bereits mit dieser fortlaufenden Serie, und bis jetzt ist, zu unser aller Glück, kein Ende in Sicht!

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Inspiriert von Jan Vermeers ‚Mädchen mit dem Perlenohrgehänge‘: Rebecca Szeto, The World Is Your Oyster, 2013
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Rebecca Szeto, Untitled (Blue), 2013
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Rebecca Szeto, Honor, 2013
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Rebecca Szeto, Violet Jessep, 2015: (1887 – 1971) The Unsinkable Woman. She survived childhood TB and three sinking boats: Olympic (1911), Titanic (1912) and Britannic (1916). She was a stewardess on the first two ships and a nurse for the red cross during WWI on the latter. When asked how she survived the Titanic, she replied her thick head of hair kept her from hitting the propeller when she was submerged.
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Rebecca Szeto, Reflections On Beauty, 2013
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Rebecca Szeto, Daughter Of Fortune (Ode to Allende redux), 2010-2013
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Rebecca Szeto, Concubine, 2010-2012
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Rebecca Szeto, Rescue Annie, 2015: (Late 1800s) The Body of a 16 year old Parisian girl was pulled from the Seine River near Louvre. It was apparently a suicide, as her body showed no signs of violence, but her beauty and her enigmatic smile led a Paris morgue technican to order a plaster death mask for her face. Albert Camus once remarked that her expression was akin to Da Vinci’s Mona Lisa. In 1958 the anonymous girl’s features were used to model the first aid mannequin Rescue Annie. Though her identity remains a mystery, her face it’s said, has become “the most kissed face of all time”
Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

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