Produkttest: Flutees – Schutzhülsen für Ohrstecker

Endlich Hilfe für Nickelallergiker - oder doch nicht?
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So schön und doch so hässlich: Elektrolytisch raffiniertes 99,9%iges Nickel als Knolle. Foto: www.pse-mendelejew.de

Nickelallergien und -unverträglichkeiten sind in den letzten Jahren wieder vermehrt auf dem Vormarsch. Das liegt zum einen daran, dass die Bezeichnung „nickelfrei“ gar nicht bedeutet, dass das Material komplett nickelfrei ist – nein, lediglich die wöchentliche Nickelfreisetzungsrate von maximal 0,5 µg Nickel pro Quadratzentimeter darf nicht mehr überschritten werden.
Da kann man sich als Allergiker schon mal so richtig verarscht (entschuldigt die Wortwahl) fühlen, Allergie ist Allergie, und wenn mir der metallene Jeansknopf fiesen Ausschlag am Bauch verschafft, und die Ösen meines BHs nickelverschuldeten Juckreiz über meinen Rücken laufen lassen, kann mich das Pseudoschutzgesetz mit seinen Grenzwerten ehrlich gesagt mal kreuzweise.
Ich, als Verbraucher, komme mir dabei ordentlich verschaukelt vor. Ob Ohrringe oder Brille, Reißverschluss oder Gürtelschnalle – überall dürfen laut Gesetz geringe Mengen Nickel enthalten sein.

Man ist also noch lange nicht auf der sicheren Seite, wenn man statt billigem Modeschmuck beim Discounter, Echtgold und Silber beim Juwelier ersteht – auch hier können geringe Teile Nickel enthalten sein. Zu allem Übel kommen heutzutage viele Produkte aus Asien, der Türkei oder anderen Ländern, die leider ganz andere Grenzwerte für Nickel haben – da wird nicht unbedingt ausgerechnet für den deutschen Markt ein Extrawürstchen gebraten, um die Werte einzuhalten, sondern auf lasche Kontrollen gehofft.

 

Nickelallergie

12% aller Deutschen leiden unter einer Nickelallergie. Tendenz steigend.

Doch das vorhandene Nickel in vielen Metallen macht nicht nur Allergikern zu schaffen. Es macht auch Menschen zu Nickelallergikern, die bis dahin noch gar keine waren. Mich zum Beispiel. Durch die vielen Jahre, die ich mich durch das Tragen von Uhren und Schmuck, Knöpfen und Ösen mit geringem Nickelanteil schleichend und unbewusst sensibilisiert habe, plagt mich nun seit mehreren Monaten eine fiese Nickelallergie, die sich innerhalb von Minuten bemerkbar macht, und mich wohl auch bis an mein Lebensende begleiten wird.

So eine Allergie schränkt einen in wirklich vielen Bereichen ein, und besonders tragisch-traurig finde ich, dass ich ein Schmuckkästchen voller geliebter Ohrringe habe, von denen ich sicher 90% nicht mehr tragen kann, weil bereits nach wenigen Minuten das Ohrloch anfängt zu brennen, zu jucken, zu nässen und anzuschwellen.

Und dann bin ich plötzlich hierüber gestolpert. Gestolpert im digitalen Sinne, ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich gesucht habe – aber gefunden habe ich:

Flutees

Flutees-Übersicht
Foto: Flutees

Das Kondom für deine Ohrstecker

Flutees sind Schutzhülsen für Ohrstecker, die wie ein winziges Kondom über den Stecker gezogen werden, und somit den direkten Kontakt von Nickel und Haut verhindern. Diese Entdeckung war für mich eine Offenbarung! „Erfunden“ wurden die Flutees von einer Leidensgenossin, die trotz Nickelunverträglichkeit nicht auf ihren Ohrschmuck verzichten wollte. Die Idee finde ich gleichermaßen grandios und so nahe liegend, dass ich mich frage, warum vorher noch niemand drauf gekommen ist. Was bei „normalen“ Kondomen super funktioniert, klappt nach dem gleichen Prinzip auch bei den Flutees: Der Ohrstecker streift sich die Schutzhülse über, dringt in das Ohrloch ein, hat dabei jede Menge Ohrring-Spaß. (Ok, den hat vermutlich mehr die Trägerin beim Tragen des modischen Geschmeides, als der Ohrstecker selbst.) Und Dank der schützenden Kunststoffschicht, und dem ausbleibenden direkten Kontakt, kommt es weder zum Austausch von Bakterien oder Krankheitserregern, noch zu unschönen Verfärbungen auf der Haut, und erst recht nicht zu Irritationen, allergischen Reaktionen, Jucken und Nässen.

Klingt zu schön um wahr zu sein?

Ist es auch. Leider.

Ich habe mir also in meiner Euphorie direkt eine 5er Packung Flutees (also 10 Stück, 5 Paare) bestellt und dafür ganze 15 € plus 5 € Versand auf den Tisch geblättert. Das ist schon eine stolze Summe, erst recht wenn man bedenkt, dass die Schutzhülsen, aus hygienischen Gründen, nur einmal getragen und dann entsorgt werden sollen. Sehr schade, da ich schon sehr gerne wieder täglich Ohrstecker tragen würde, aber 4 € pro Tag für die kleinen Flutees auszugeben, muss man sich auch erst mal leisten können. Naja, egal, zumindest zu besonderen Anlässen würde ich nun also wieder beschwerdefrei meine geliebten Ohrstecker tragen können!

Ein paar Tage später waren sie dann da, in einem kleinen Karton, einzeln und steril verpackt. Die Flutees sind an einem Plastikstück befestigt und kommen mit eigenem Verschluss, der die Ohrmutter des Ohrsteckers ersetzen soll. Der Plan ist also, die Ohrstecker in die Flutees zu schieben, so lange diese noch am Plastikstumpf hängen, aus hygienischen Gründen, und dann den zugehörigen Verschluss abzubrechen. Nunja, Verschluss Nummer 1 hatte sich wohl schon in der Packung selbst abgebrochen, jedenfalls flog er mir beim Öffnen entgegen, und da er winzig und durchsichtig ist, wart er bis heute nicht mehr gesehen. Das Friemeln der Ohrstecker in die Flutees verlief dagegen reibungslos. Der große Moment war gekommen, aufgeregt wie ein Erstklässler vorm ersten Schultag schob ich den umhüllten Ohrstecker sachte in mein Ohrloch… nicht. Noch ein Versuch, noch einer – hoffnungslos. Ungefähr so, als würde ich versuchen, eine Karotte in mein Ohrloch zu stecken. Da war nichts zu machen, das Plastikteilchen verweigerte sich.

Zwar wird in den FAQs darauf hingewiesen, dass es durchaus sein kann, dass die Flutees in Einzelfällen nicht passen, da die Ohrlöcher zu eng sind. Taktisch klug gelöst, dieses Sätzchen, zieht es doch einer potentiellen Beschwerde den Boden unter den Füßen weg. Nun ist es aber so, dass ich bisher nicht das Gefühl hatte, dass meine Ohrlöcher zu eng sind. Ich hab sie seit dem Kindergartenalter und trug jahrelang begeistert Ohrringe jeder Art und Größe. Vergleiche im Freundes- und Bekanntenkreis zeigen, dass ich völlig normale, durchschnittliche Ohrlöcher habe. Nicht zu klein, und auch nicht zu groß. Offensichtlich reicht das für den Flutees-Einsatz aber nicht. Auch meine Freundin scheiterte beim Selbstversuch. Entweder haben wir also beide diese angeblich äußerst selten vorkommenden, verengten Ohrlöcher. Oder die Flutees sind einfach zu dick.

Ein wirklich teurer Spaß also, diese Flutees, und eine herbe Enttäuschung, hatte ich mich doch so auf meine Ohrringe gefreut.

Mein Fazit ist also: Finger weg von Flutees! Außer, du hast wirklich richtig ausgeleierte Ohrläppchen, durch deren Löcher man durchgucken kann. Dann könntest du vermutlich Erfolg haben.

Von den fünf Packungen habe ich übrigens immer noch zwei originalverpackt hier rumliegen. Wer also selber mal testen möchte, ohne teuer bei Flutees bestellen zu müssen, der schreibe eine Mail mit dem Betreff „Flutees“ an info@zitronenzauber.de und bekommt von mir ein Päckchen zum Testen zugeschickt. Über einen Erfahrungsbericht freue ich mich natürlich sehr, vielleicht klappt’s ja bei dir und wir erfahren endlich, ob die Flutees denn, wie versprochen, wirklich vor Allergien schützen.

Christina
Jungs- und Hundemama

Von Böblingen nach Berlin – und ab sofort unsere Fachfrau für Beauty, Gesundheit, Körper und Seele. Pfefferminzverrückt. Yogatante. Mit chronischem Putzfimmel. Wohnt entgegen aller Klischees nicht im Prenzlauer Berg. Steckt das Geld für die überteuerte Miete lieber in einen Babysitter und macht regelmäßig die Berliner Clubs unsicher. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Eine Antwort zu "Produkttest: Flutees – Schutzhülsen für Ohrstecker"

  1. Ich leide auch seit Jahren unter einer Nickelallergie und habe meine Ohrlöcher auch seit dem Kindergartenalter. Habe, trotz deiner schlechten Erfahrung, auch die Flutees getestet, weil es ja eigentlich eine geniale Lösung ist. Und pass auf, war gespannt: es ging bei mir super , leicht und habe sie sogar über Nacht einfach drin gelassen. Bei meiner Tochter(12) ging es auch etwas schwieriger, haben es einfach nächsten Tag noch mal probiert und es hat geklappt. Ich benutze die Flutees auch nur für besondere Anlässe mit besonderen Ohrringen. Unter der Woche habe ich meine “ Standarts“ drin( 3 rechts, 2 links) wo ich weiß da reagiere ich nicht allergisch drauf. Von da her komme ich mit der 5-er Packung lange hin. Ich habe mich schlau gemacht warum die Flutees „teurer“ sind. Es ist ein Medizinprodukt und und daher ist die Produktion auch sehr teuer. Also mir sind sie es wert. Aber jeder hat eine andere Hautbeschaffenheit und Dehnfähigkeit daher kann es ja logischerweise nicht immer passen. Und ich habe ganz normale Ohrlöcher, keine ausgelabberten und meine Tochter auch, da sie die Ohrlöcher erst mit 6 jahren gestochen bekommem hat. Also ich kann sie nur positiv weiterempfehlen es einfach zu probieren. Für den einen ist es genial für den anderen eben nix!!!! Muss jeder seine Erfahrungen machen!! Ich finde es eine super Lösung für Kontaktallergiker!!!u

    1. Liebe Bea!
      Oh, wow, herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und den detaillierten Erfahrungsbericht! Als „Leidensgenossin“ freue ich mich von Herzen über deine positiven Erlebnisse mit den Flutees. Super dass du sie so einfach einsetzen kannst, gut verträgst, und auch deine Tochter mit ihrem zarten Alter bereits davon profitiert. Wie du schon sagst, es hat eben doch jeder einen anderen Körper, eine ganz eigene Hautbeschaffenheit und anderes Gewebe – da habt ihr beiden eindeutig Glück im Nickelallergie-Unglück gehabt!
      Viele Grüße aus Berlin, Sibylle

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