Naturkosmetik: Natürliche Öle und ihre kosmetische Wirkung

Reichhaltiges Sesamöl sanft in die trockene Gesichtshaut einmassieren, statt das Hähnchen damit zu marinieren? Und duftendes Kokosöl in die spröden Haarspitzen geben anstatt in die Bratpfanne? Ja! Unbedingt!

 

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Gepresst aus den Samen, Kernen und Nüssen von Pflanzen ist natürliches Öl dem Eigenfett unserer Haut sehr ähnlich und liefert die besten Nährstoffe, die sich unser Körper, von der Haarspitze bis zu den Zehen, nur wünschen kann. In der Naturkosmetik spielen sie deswegen eine wichtige Rolle. Öle sind wahre Allrountalente – wo und wie sie zum Einsatz kommen, möchte ich dir heute zeigen.

Naturkosmetik gegenüber konventioneller Kosmetik

Die überteuerten Mittelchen und Cremes, Emulsionen und Tonics, aus den kosmetischen Labors und der Werbung, wecken oftmals hohe Erwartungen und versprechen straffe Haut, verschwundene Fältchen und das Ende der gemeinen T-Zonen-Mitesser. Die Enttäuschung und Ernüchterung nach einigen Tagen bis Wochen des Probierens und Schmierens, Cremens und Tupfens ist oft mindestens genauso groß wie das Loch im Geldbeutel, das die kleinen, hübschen Tiegelchen und Tuben mit beschränkter Wirkung, hinterlassen. Der Badezimmerschrank wird dafür immer voller, auf dem Regal überm Waschbecken drängeln sich kleine Dosen und Fläschchen eng wie die Pendler in Tokios U-Bahn zur Rush Hour – und die trockene Haut auf den Wangen ist immer noch da.

Ich kann mir schon vorstellen, was du jetzt denkst: Öl? Dieses fettige Zeug, ins Gesicht? Damit man danach glänzt wie eine Speckschwarte im Sonnenschein? Verstopft das nicht die Poren? Bekomme ich davon nicht erst recht Pickel? Und meine Haare sollen dank Öl glatt und geschmeidig werden und wirklich nicht aussehen wie Spaghetti nach einem Bad in Olivenöl?

Keine Bange, es gilt nur ein paar kleine Details zu beachten, und natürlich das richtige Öl für die besonderen Bedürfnisse deiner Haut auszuwählen, und du kannst diverse Töpfchen und Tuben in deinem Bad durch ein bis zwei gute, hochwertige Öle ersetzen. Das schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern dient auch deiner Gesundheit.

Öl ist ein Naturprodukt, frei von chemischen Stoffen wie Silikonen und Aluminium. Naturkosmetische Pflanzenöle sind kalt gepresst, schonend raffiniert und kommen aus kontrolliert biologischem Anbau. Das günstigere, aus Erdöl gewonnene Paraffin, das in vielen herkömmlichen Körperölen vorkommt, ist komplett anders aufgebaut als unser hauteigenes Fett und kann der Haut schaden. Achte deshalb beim Kauf darauf, zertifiziertes Naturöl zu erstehen, dann kannst du dir ganz sicher sein, dass nicht doch noch ein billigeres Öl hineingepanscht wurde, oder etwa Kinderarbeit zur Entstehung deines Öles beigetragen hat. Kauf dein Öl also sicherheitshalber im Reformhaus, dem Bioladen oder der Apotheke. Das Arganöl, dass du als Mitbringsel vom letzten Kurzurlaub in Marrakesch noch im Bad stehen hast, mag günstig gewesen sein, aber wenn du nicht weißt, ob wirklich drin ist, was drauf steht, tust du deiner Haut nicht unbedingt einen Gefallen.

Ein weiterer, sehr wichtiger Kritikpunkt für den erfolgreichen Öleinsatz ist die Anwendung. Trage Öl immer auf die feuchte Haut auf! Das Öl verbindet sich mit der Feuchtigkeit zu einer Emulsion und kann so am besten in deine Haut einziehen. In der obersten Hautschicht füllt es kleine Fältchen und Unebenheiten aus, lässt die Haut straffer und frischer erscheinen und stärkt den hauteigenen Hydro-Lipid-Mantel, die natürliche Schutzschicht unserer Haut. Nur wenn das Öl auf zu trockene Haut aufgetragen wird, passiert genau das, was wir nicht wollen: das Öl kann nicht einziehen, Feuchtigkeit fehlt, die Haut ist zu schnell gesättigt und wird entweder fettig, oder stumpf und trocken. Das Öl sollte also am besten direkt nach dem Waschen auf die noch feuchte Haut gegeben und gründlich einmassiert werden, oder, bei sehr trockener Haut, etwas Unterstützung bekommen, zum Beispiel in Form von einigen Tropfen Aloe Vera Gel.

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Öl ist nicht gleich Öl

Kommen wir nun zur Auswahl des richtigen Öles. In der Naturkosmetik wird zwischen trocknenden und nicht-trocknenden Ölen unterschieden. Trocknende Öle mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren ziehen schnell in die Haut ein, nicht-trocknende Öle hingegen sind reichhaltiger und haben mehr gesättigte Fettsäuren. Sie ziehen zwar auch gut ein, hinterlassen aber einen feinen Film auf der Haut, so beispielsweise Avocado- oder Macadamiaöl. Das ist super, wenn du deinem Liebsten eine entspannte Rückenmassage verpassen möchtest, weil dann alles richtig schön flutscht, oder du den Rest des Abends zuhause mit Schokolade und Netflix verbringst; allerdings eher kontraproduktiv, wenn du das Öl im Gesicht aufträgst und danach noch dein Tinderdate treffen möchtest (der oben erwähnte Speckschwartenglanzeffekt).

Haut

Gehörst du zu den Glücklichen mit ganz „normaler“ Haut, oder hast du Mischhaut, dann achte auf einen Anteil von ungefähr 20 bis 50 Prozent ungesättigter Fettsäuren bei der Auswahl deines Öles. Diese versorgen deine Haut mit der nötigen Menge schützendem Fett. Sesamöl oder Aprikosenkernöl gehören in diese Gruppe.

Trockene und strapazierte Haut freut sich vor allem über ein nicht trocknendes Öl mit unter 20 Prozent ungesättigter Fettsäuren. Olivenöl, Erdnussöl, Mandel- und Kokosöl gehören zu diesen nicht trocknenden Ölen. Sie sind außerdem länger haltbar als andere Öle, da sie weniger empfindlich auf Sauerstoff reagieren und somit nicht so schnell ranzig werden.

Sensible Haut dagegen bevorzugt feine, leichte Öle wie Jojobaöl oder Kameliensamenöl, aber auch Arganöl, Ringelblumenöl, Wildrosenöl und Hanföl.

Um die fiese Talgproduktion bei unreiner Haut einzudämmen, empfiehlt sich ein leichtes Pflanzenöl wie Aloe Vera Öl, Teebaumöl, Sanddornöl, Pfefferminzöl, Rosmarinöl oder Lavendelöl. Durch die zusätzliche Portion Fett, die das Öl der Haut beschert, wird die körpereigene Fettproduktion gedrosselt, und das Hautbild verbessert sich merklich.

Fettige Haut ohne lästige Pickel bekommst du mit Hanföl, Wildrosenöl, Salbeiöl, Jojobaöl und Nachtkerzenöl in den Griff.

Natürlich kannst du auch verschiedene Öle mit einander mischen – probier einfach aus, was deine Haut am liebsten hat!

Haare

Auch deine Haare kannst du mit dem richtigen Tropfen Öl zur rechten Zeit glücklich und vor allem geschmeidig machen. Strapaziertes Haar pflegst du mit einer Ölkur. Hierfür massierst du natives Kokosöl in deine Haare ein – vom Ansatz bis zu den Spitzen. Lass das Öl mindestens eine halbe Stunde, besser sogar über Nacht (in ein Handtuch gewickelt oder mit dicker Wollmütze drauf)  einwirken und spüle es danach gründlich mit mildem, silikonfreien Shampoo aus. Das Öl kräftigt und glättet die Haare, stimuliert die Folikel und reguliert die Talgproduktion. Für den täglichen Einsatz verwende ein paar Tropfen Kokos- oder Arganöl, die du in den trockenen Spitzen verteilst.

Nägel

Trockene Hände, strapazierte Fingerspitzen, brüchige Nägel und rissige Nagelhaut bekommst du ganz leicht mit der richtigen Pflege in den Griff. Gib warmes Oliven- oder Macadamiaöl mit einem Spritzer Zitrone in ein Schälchen und bade deine Fingerspitzen darin. Massiere danach das Öl in deine Hände, die Nägel und die Nagelhaut ein, und gönn deinen Händen nun, eingehüllt in Baumwollhandschuhe, eine kleine Auszeit vom Alltag. Das wird sie wieder zart und geschmeidig machen!

Peeling

Aus deinem Lieblingsöl kannst du dir auch im Handumdrehen ein super Peeling zaubern – vermische einfach einige Tropfen mit braunem Zucker oder feinem Meersalz, rubbel dich gründlich damit ein, und dusche die Reste mit warmem Wasser ab – von deiner teuren Bodylotion kannst du dich nach diesem kleinen Spa-Programm endgültig verabschieden!

Hochwertige Öle sind ein wenig empfindlicher in der Lagerung als die weiße Creme in der blauen Dose, dafür aber auch wertvoller. Lagere sie immer gut verschlossen und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt an einem kühlen Ort. Nach Anbruch sind mache Öle nur ein paar Monate, andere bis zu einem Jahr haltbar. Achte also auf das Haltbarkeitsdatum auf dem Etikett und notiere dir daneben, wann du das Öl geöffnet hast.

 

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Trotz all dieser wunderbaren öligen Neuigkeiten muss aber noch eines gesagt sein: Allergien gegen pflanzliche Öle sind sehr selten, aber möglich. Und auch sonst reagiert jeder Mensch, mit seinem eigenen, individuellen Stoffwechsel anders auf die einzelnen Öle. Was dem einen gegen Fältchen hilft, löst beim anderen vielleicht Pickel aus. Und auch Wunder vollbringt das Öl keine – sind die Krähenfüße erst einmal da, wird die Haut nicht mehr glatt wie ein Babypopo. C’est la vie. Und wenn du glaubst, an einer Allergie oder einer Hautkrankheit zu leiden, dann lass die Finger vom Öl, und ab zum Hautarzt mit dir!

Christina
Jungs- und Hundemama

Von Böblingen nach Berlin – und ab sofort unsere Fachfrau für Beauty, Gesundheit, Körper und Seele. Pfefferminzverrückt. Yogatante. Mit chronischem Putzfimmel. Wohnt entgegen aller Klischees nicht im Prenzlauer Berg. Steckt das Geld für die überteuerte Miete lieber in einen Babysitter und macht regelmäßig die Berliner Clubs unsicher. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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