Mobiles Lernen – geht das wirklich?

Mobiles Lernen klingt erstmal super, und außerdem so zeitgemäß!

Spätestens seit der massiven Verbreitung des Smartphones, das uns das Leben so sehr erleichtert, ist Mobile Learning der Geheimtipp unter den digitalen Lernplattformen und scheint den Usern von heute wie auf den so mobilen Leib geschnitten. Aber wie funktioniert mobiles Lernen eigentlich genau? Und wie wird daraus ein Erfolgsrezept?

Handy mit NuggetsNa, eben ungefähr so wie in der Küche: Man nehme ein großes Stück und zerteile es in mundfreundliche Häppchen, man gebe bunte Zutaten und ordentlich Gewürze dazu, und da Essen allein keinen Spaß macht, lade man sich ein paar Freunde ein, mit denen man den Geschmack der einzelnen Bestandteile kommentieren und die Essensmenge, die jeder verputzt hat, diskutieren kann.

 

Fastfood fürs Gehirn

Wichtig beim mobilen Lernen sind also die kleinen Portionen, auch Nuggets genannt, und das hat mit der Natur dieses Mediums zu tun: während der Mittagspause, an der Bushaltestelle, in der Warteschlange. Da man unterwegs bekanntlich oft unterbrochen wird, sollte die Lernsoftware besonders benutzerfreundlich sein und einen schnellen Wiedereinstieg ermöglichen. Nicht alle Inhalte eignen sich fürs Lernen auf dem Sprung, und um den User bei der Stange zu halten, ist der Motivationserhalt ein wichtiges Thema. Denn Mobile Learning ist immer selbstinitiiert, selbstbestimmt und selbstgesteuert. Klingt nach Egotrip? Dann passt es in die heutige Zeit, aber dazu komme ich später.

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Bevor wir beurteilen können, ob wir wirklich lernen, müssen wir erst einmal definieren, was  „Lernen“ überhaupt bedeutet? Verkürzt kann Lernen wohl als das absichtliche oder beiläufige Aneignen von Fähigkeiten bezeichnet werden, und es ist eine Grundvoraussetzung für den Menschen, sich in seiner Umwelt zurecht zu finden. Wann aber haben wir etwas tatsächlich „gelernt“? Reicht es aus, uns Inhalte einmal anzueignen, um sie gelernt zu haben?

Für eine Antwort müssen wir uns ein bisschen mit Gedächtnisforschung beschäftigen, und mit der Frage, wie Informationen vom Kurzzeitgedächtnis (oder auch Arbeitsgedächtnis genannt) ins Langzeitgedächtnis gelangen. Denn nur was im Langzeitgedächtnis ankommt, ist auf lange Sicht immer wieder abrufbar und daher wirklich gelernt. Das Arbeitsgedächtnis nimmt alle Wahrnehmungen oder Reize auf und speichert sie für einige Minuten in kleinen Informationseinheiten (chunks). Ist der Speicher voll, werden ältere chunks entweder gelöscht oder wandern ins Langzeitgedächtnis. Aber wie schaffen sie letzteres?

Eine wichtige Bedingung ist die Wiederholung des Stoffs, aber das allein reicht nicht aus. Die Informationshäppchen müssen auch aufbereitet oder bearbeitet werden, bevor sie Zugang zum Langzeitgedächtnis bekommen, und je mehr unserer Sinne angesprochen werden, desto größer sind die Chancen. Beispiel: Eine Englischvokabel findet ihren Weg in unseren langfristigen Wortschatz sicherlich besser, wenn wir sie in periodischen Abständen geschrieben sehen, hören, eingebunden in einem Songtext lernen, und wohlmöglich noch ein lustiges Video mit einer Eselsbrücke dazu bekommen.

Mobiles Lernen = Personalisiertes Lernen

In der digitalen Lernwelt werden Inhalte schon lange per Video übermittelt. Erfolgreiche Beispiele sind die Khan Academy, die 2004 mit Salman Khan’s leicht verständlicher Mathenachhilfe auf YouTube ihren Anfang nahm, oder Lynda, die seit 2002 Video-Kurse zu vielen verschiedenen Themen anbietet.  Der Erfolg dieser und anderer Plattformen beruht auf zweierlei Faktoren: Videos eignen sich gut zum Lernen, und jeder findet hier ohne Umschweife die Antwort auf seine ganz persönliche Wissenslücke.

Die Flexibilisierung unserer Lebenswelt muss zwangsläufig auch zu einer dynamischeren Art zu lernen führen. Die Schule als wichtigste Bildungsinstanz wird wohl nicht so schnell abgeschafft, aber informelles Lernen nimmt trotzdem immer weiter zu. Junge User, die mit buntem Medienmix und Reizüberflutung aufgewachsen sind, wollen nicht abstrakt und losgelöst vom Alltag lernen. Informationen werden nach ihrem Nutzen hinterfragt, Inhalte gezielt und individuell ausgewählt.

Jede Generation lernt anders

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Individualität ist wichtig, Gruppendynamik und Teamarbeit sind es aber auch. Daher muss ein gutes mobiles Lernprogramm dem Wunsch nach Vernetzung und Austausch mit anderen Nutzern, zum Beispiel über Social Media, entsprechen. Jedem sein Nugget, personalisiert und on demand.

Fassen wir also zusammen: Eine erfolgversprechende mobile Lernsoftware sollte den User ansprechen, ihm kleine und relevante Lerneinheiten im Lego-Prinzip bieten, seinen Wunsch nach multimedialer Dynamik und Interaktivität entsprechen und ihn bestenfalls derart motivieren, dass das Lernen fast unbewusst und auf natürliche Weise passiert. Denn Lernen kann ein schmerzhafter Prozess sein. Jeder möchte wissen und können, aber kaum einer möchte wirklich lernen.

Aber kann Mobiles Lernen auch wirklich effektiv sein? Der Erfolg hängt sicherlich auch davon ab, was wir lernen wollen oder müssen, aber handelt es sich bei diesem Konzept nicht doch nur um einen weiteren entbehrlichen Zeitvertreib für unsere multitask-geplagte Gesellschaft? Eine Studie über das kostenlose Spracherwerbsprogramm von DuoLingo zeigt große Unterschiede bei den Drop-Out-Quoten, denn selbstmotivierte User für Spanisch hören viel früher auf als solche, die Business Englisch lernen.

Wir probieren eben gerne Neues aus, sogar wenn es ein bisschen Geld kostet. So wie mit dem Abo fürs Fitnessstudio, das wir nach anfänglicher Euphorie eventuell dann doch nicht mehr besuchen. In unserer schnelllebigen und konkurrenzbetonten Welt müssen wir schließlich zeigen, dass wir etwas Sinnvolles mit unserer Zeit anfangen, und dazu gehört auch, dass wir nicht alles schaffen, was wir uns vornehmen. Mobile Learning als Lückenbüßer?

So schlimm ist es wohl nicht. Aber es kommt auf den Lernenden und das Thema an. Mobile Learning kann durchaus sinnvoll sein, besonders wenn wir es ergänzend zu anderen Lernformen benutzen, und natürlich wenn wir das Erlernte schnell in der Praxis anwenden. Wer also mit Babbel Business Englisch für den Job lernt oder vor seinem Paris-Besuch Französischvokabeln paukt, wird sicher einen Vorteil daraus ziehen.

Tina
Zauberfee im Wörterland

Tina hat viel gesehen von der Welt, und sie hat nicht nur ein Zuhause. Am liebsten isst sie Süßes, deswegen sind ihre Zähne so schlecht, aber Lachen tut sie trotzdem gerne, denn „wir haben doch verdammt nochmal ein Schweineglück, hier und jetzt zu leben“. Und Tina liebt Wörter, viele Wörter, besonders Schwarz auf Weiß. Oder auf Gelb, wie bei Zitronenzauber.

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