Medizinisches Marihuana

Einsatzmöglichkeiten, Kosten, Gefahren & Rechtslage

medizinisches-marihuanaMedizinisches Marihuana – ein allzeit umstrittenes Thema. Der Beitrag ist kein Lobeslied auf Cannabis, sondern beleuchtet lediglich Fakten. Bei welchen Krankheiten hilft Marihuana, wie viel kostet es in der Apotheke, wann zahlt die Krankenkasse und wie sieht die Rechtslage aus? Wir klären auf.

In unserer Infografik über Marihuana in der Medizin findest du alle Informationen auf einen Blick.

Bei welchen Krankheiten wird medizinisches Marihuana eingesetzt?

Mit den unterschiedlichen Wirkstoffen der Hanfpflanze, den sogenannten Cannabinoiden, werden die Beschwerden verschiedener Krankheiten behandelt. So mindern sie beispielsweise das Fortschreiten von Arteriosklerose oder den Augeninnendruck bei Glaukom.

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Cannabinoide wie CBGA, CBCA und CBC bieten aufgrund ihrer entzündungshemmenden und schmerzreduzierenden Wirkung ein großes Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Wirkstoffe wie Δ9-THC, CBD und THCV kommen durch ihre krampfhemmende Wirkung unter anderem Epilepsie-, Tourette- und Multipler Sklerose-Patienten zu Gute, indem sie Anfälle, Muskelspasmen und Tics reduzieren. Cannabinoide haben nicht nur schwächere Nebenwirkungen als herkömmliche Arzneimittel, sie reduzieren sogar Nebenwirkungen wie beispielsweise durch Medikamente induzierte Dyskinesien bei Parkinson.

Studien zeigen außerdem das arzneiliche Potential von Cannabis bei unterschiedlichen psychiatrischen Symptomen sowie bestimmten Krebsformen.

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Medizinisches Marihuana auf Rezept

Aktuell bekommen in Deutschland etwa 5.000 Patienten Cannabinoide in Form von Sprays oder Tropfen. Nur rund 500 Schwerkranke besitzen eine Sondergenehmigung der Bundesopiumstelle, mit der sie in der Apotheke auch Cannabisblüten oder -extrakt erhalten. Cannabis auf Rezept erhalten Patienten nur dann, wenn sie als austherapiert gelten. Das heißt, sie brauchen einen Nachweis ihres Arztes, der bestätigt, dass keinerlei Arzneimittel wirken. Die Kosten für die Medikamente tragen die Patienten selbst – und diese sind aufgrund des Imports aus den Niederlanden nicht gerade niedrig.

Kostenbelastung für Patienten

Während ein Gramm Cannabis in den niederländischen Apotheken mit sechs Euro zu Buche schlägt, liegt die Kostenbelastung der deutschen Patienten bei 16 Euro pro Gramm. Die Kosten für Kapseln mit THC liegen je nach Bedarf bei 700 bis 1400 Euro im Monat. Vergleichsweise günstig sind die Tropfen mit dem gleichen Wirkstoff. Für Dronabinol-Tropfen zahlen Patienten monatlich um die 200 bis 500 Euro.medizinalhanf-auf-rezept Chronisch Kranke, die nicht in der Lage sind einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, bauen Marihuana aufgrund der aktuellen Rechtslage und den enormen Kosten teilweise selbst an. Der Eigenanbau stellt nicht nur deshalb ein Problem dar, weil er illegal ist, sondern bringt durch die mangelnde Kontrolle gewisse Risiken mit sich. Es fehlt an der Kontrolle der Qualität, der Einstellung der Dosierung sowie der ärztlichen Kontrolle der Therapie. Mögliche Nebenwirkungen, Risiken und Gefahren müssen medizinisch überwacht werden. Ab dem Frühjahr 2017 sollen Patienten mit Medizinalhanf auf Rezept versorgt werden.

Die aktuelle Rechtslage in Deutschland

Ein Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums, der die strengen Auflagen für medizinisches Marihuana lockern soll, liegt bereits vor. Durch staatlich kontrollierten Anbau von Marihuana soll die hohe Kostenbelastung aufgrund der Einfuhr aus den Niederlanden der Vergangenheit angehören. Der Plan sieht vor, dass eine Cannabisagentur jegliches legal in Deutschland geerntetes Marihuana und Haschisch aufkauft, um die Qualität sicherzustellen. Des Weiteren würde die Verantwortung über die Verfügbarkeit sowie die Verteilung des pflanzlichen Rohstoffes bei der Agentur liegen.medizinalhanf

Der Bundesgesundheitsminister, Hermann Gröhe, möchte die bestmögliche Versorgung schwer kranker Patienten sicher stellen und mit einer Begleitforschung den medizinischen Nutzen genauer untersuchen. Um ab dem Frühjahr 2017 Arzneimittel mit Cannabinoiden als Wirkstoff auf Rezept zu erhalten, soll die Teilnahme an der begleitenden Studie verpflichtend sein. Dies kritisiert der Deutsche Hanf Verband als inakzeptabel und fordert neben einer freiwilligen Teilnahme auch die Zulassung durch Eigenanbau von Patienten. Der Verbandsgeschäftsführer Georg Wurth begründet dies damit, dass der Eigenanbau den Krankenkassen nicht nur viel Geld sparen, sondern zudem lange Wartezeiten für Schwerkranke vermeiden würde.

Laut Experten sollen mit der Gesetzesänderung künftig 800.000 Patienten mit medizinischem Marihuana versorgt werden. Nachdem es bereits heute, bei weit weniger Patienten, zu Lieferengpässen kommt, sei die ausreichende Versorgung anzuzweifeln.

Risiken und Nebenwirkungen

Auch Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, befürwortet den Gesetzesentwurf. Sie räumt ein, dass der „Einsatz von Cannabis als Medizin in engen Grenzen sinnvoll ist und näher erforscht werden muss“, betont aber auch, dass „es keine harmlose Substanz“ sei. Die umfangreiche ärztliche Kontrolle von Patienten, die mit Medizinalhanf behandelt werden, ist unumgänglich.

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Die Behandlung mit Cannabis kann beispielsweise zu Trägheit, Einschränkungen der Denk- und Merkfähigkeit oder gar Psychosen führen. Vor allem bei jungen Menschen ist Vorsicht geboten. Da die Gehirnentwicklung bis in die späte Pubertät reicht, kann der Konsum von Marihuana zu irreversiblen Schäden führen. Das Risiko an einer Psychose oder Schizophrenie zu erkranken, ist bei Jugendlichen viermal so hoch wie bei einem Erwachsenen.

Angesichts der möglichen Verunreinigung ist der Konsum von illegal verkauftem Marihuana noch weitaus riskanter. Aufgrund der Kriminalisierung des Cannabis-Handels wechselt Marihuana auf dem Schwarzmarkt unkontrolliert den Besitzer. Was die Menschen tatsächlich konsumieren, hängt von dem „Wohlwollen“ des Dealers und der Quelle ab. Bei dem legalen Handel von Cannabis wäre aufgrund strikter Kontrollen zumindest die Qualität sichergestellt.

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Claudi
Vielfraß

Essen, Reisen und Sport. Gutes und Gesundes. Regelmäßiges Reisen, möglichst ohne Tourist zu sein. Thaiboxen statt Yoga. Bewusster Konsum. Selbst hämmern und sägen. Und backen. Brutal ehrlich und ein fürchterlicher Klugsche*sser.

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