„Hallo, ist Luisa hier?“ – Hilfe für Mädchen und Frauen in Not.

Ich bin auf einem Konzert, in einem Club oder in einer Bar und unterhalte mich gut. Alle haben Spaß, die Stimmung ist losgelöst und die Menschen um mich herum sind in Feierstimmung. Aber plötzlich wird mein Gegenüber unangenehm – er bedrängt mich, stellt unangebrachte Fragen oder fasst mich ungewollt an.

Ein anderer Abend: Ich habe ein Date, was mit ein paar Bieren und nettem Smalltalk beginnt, aber plötzlich zu einem Zwang wird – der Mann denkt, er dürfe sich alles erlauben, nur weil mir das Getränk ausgegeben wurde…ist-luisa-hier-1

Ein ungutes Gefühl

Es ist kein schönes, aber ein sehr wichtiges Thema: Sexualisierte Aggression, ob psychisch, oder als körperliche Gewalt. Die oben beschriebenen Situationen sind zwar fiktiv, mir in dieser Art aber, wie auch rund 40% der in Deutschland lebenden Frauen über 16, bereits passiert. Ganze 13%  der Frauen in Deutschland mussten bereits strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erleben. Krasse Zahlen, die zeigen, wie Sexismus und Gewalt noch immer unsere Gesellschaft prägen.
Und in dieser (13 Jahre alten) Studie wird noch nicht einmal die Häufigkeit abgebildet, in denen sich Frauen gezwungen fühlen, etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht möchten und später bereuen. Abende, an denen man aus Angst vor einem Typen angespannt mit Schlüsseln zwischen den Fingern nach Hause läuft – weil der Kerl aus der Bar einfach nicht locker lässt. Nächte, in denen man sich beschissen fühlt, weil irgendein Mensch denkt, Entscheidungsgewalt über die Frau und ihren Körper zu haben. Parties, nach denen man an einem fremden Ort aufwacht und sich an nichts erinnern kann – außer, dass das zweite Getränk plötzlich alle Schalter ausgeknipst hat.
Denn das sind alles Realitäten in vielen Leben junger und nicht-so-junger Frauen, die gerne am Nachtleben teilhaben und dabei eigentlich Spaß haben sollten.

Umso mehr ein Grund dafür, endlich etwas für die Sicherheit, besonders von Mädchen und Frauen, zu tun!

Wenn der Moment gekommen ist, in dem die eigene Intuition dir sagt: Hmhhh, jetzt wird es etwas komisch. Ich würde gerne zu meinen Freunden/nach Hause/alleine sein/meinen Gegenüber loswerden. In dieser Sekunde sollte es dir möglich sein, aus der Situation zu fliehen.
Aber viele der Betroffene fühlen sich hilflos, haben Angst vor den Reaktionen anderer oder befürchten weitere Übergriffe. Sie sind zu gelähmt, um sich selbst ein Konzept zu überlegen, wie sie sich in diesem Moment helfen können – nachvollziehbar. In totalem Stress und voller Angst ist es schwer, sich eine gute Strategie zu überlegen.
Deswegen ist es am besten, eine kurze, prägnante Lösungsstrategie zu haben. Und eine solche macht jetzt gerade in den USA die Runde und wird so langsam auch in Deutschland bekannt:

Ist Luisa hier?

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© Facebook: Frauen-Notruf Münster

Eine einfache Frage – mit, hoffentlich bald, hilfreicher Antwort. Denn die Frage nach Luisa funktioniert als Codewort, als ein versteckter Hilfeschrei – so wissen die Barleute direkt, dass du in der Klemme steckst, und stehen an deiner Seite. Du kannst dich ganz unverfänglich (sogar neben deinem Bedränger) nach Luisa erkundigen und dann auf die Unterstützung vom Personal zählen, welches sich dann darum kümmert, dass du, zum Beispiel durch den Hinterausgang mit einem Taxi, sicher nach Hause kommst.

Zur Zeit nehmen nur 30 Kneipen in Münster an der Aktion teil, die entsprechende Poster auf der Damentoilette aufgehängt und ihr Personal vorbereitet haben. Aber dieser Anfang ist schonmal toll und die Aktion wird sich hoffentlich wie ein Lauffeuer verbreiten.

Angel Shots und Angela

Im britischen Lincolnshire fragen die Damen nach Angela, wenn sie auf einem, sich ins unangenehme entwickelnden Date oder in einer unsicheren Situation sind. Angefangen hat die Idee in den USA mit Shots – betroffene Frauen in Florida konnten an der Bar verschiedene Kurze bestellen, die eine unterschiedliche Bedeutung hatten. Bei einem Angel Shot neat begleitet das Thekenpersonal die Betroffene zu ihrem Auto, mit Eis wird der Kundin ein Taxi gerufen und mit Limette wird die Polizei benachrichtigt.
Ich sehe das als ein tolles Konzept, das in Zukunft weltweit bedrängten Frauen und Männern helfen könnte.

Die Kritik?
Natürlich gibt es immer etwas zu nörgeln. Das Problem mit dem diskreten Abgang der Bedrängten ist, dass sich hier die Verantwortung zur Verhinderung, zum Beispiel einer Vergewaltigung, auf das Opfer überträgt.
Einige Menschen fordern statt Diskretion einen Aufschrei/eine Reaktion bei einer solchen „Bestellung“. Der Täter sollte angesprochen, zur Rede gestellt, aus der Räumlichkeit verwiesen werden. Nur so kann die Etablierung der Rape Culture beendet werden, denn so lange es Victim Blaming – also die alleinige Verantwortung für die Straftat bei den Opfern – gibt, wird das Problem nicht grundsätzlich an den Wurzeln gepackt. Dass das die falsche Einstellung ist, ist ja klar…ist-luisa-hier-2

Eine gute Idee…

… die sicherlich einige Menschen retten kann. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich weiterentwickelt und in Deutschland umgesetzt wird. Schön wäre es, wenn es ähnliches auch für Männer geben würde.
Für einige wirken diese Hilfsmaßnahmen etwas extrem, doch das werden nicht diejenigen sein, die schon in einer solchen Situation waren. Denn (ehemalige) Betroffene können sich als einzige vorstellen, wie unangenehm sich so eine recht banale Situation, wie ein seltsam laufendes Date, entwickeln kann. Und wenn die Freunde dann nicht da sind und helfen können, gibt es einen Ausweg: die Bar.

Du brauchst Hilfe?

Erfährst du Gewalt durch einen (Ex-)Partner, leidest unter psychischer Gewalt oder Stalking? Fühlst du dich durch körperliche oder strukturelle Gewalt bedroht? Jede dritte Frau in Deutschland wurde mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Hilfe und Beratung findest du beim bff: Frauen gegen Gewalt e.V.

Anonym und kostenfrei kannst du beim bundesweiten Hilfetelefon rund um die Uhr unter der Nummer 08000 116 016 anrufen. Bei Bedarf auch in einer von 17 Sprachen oder via Internetseite mit Gebärdensprache. Das Hilfetelefon ist ein Beratungsangebot für Frauen aller Nationalitäten, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Hier können sich auch Angehörige, Freundinnen und Freunde, sowie Fachkräfte melden.

Sophia
Die Räubertochter

Sophia taumelt zwischen Konzerten, Flohmärkten und Versuchspersonenstunden hin und her und versucht das Leben im Zaum zu halten – oder vielleicht ist es auch andersherum. Wenn sie nicht in Psychologie-Vorlesungen sitzt, treibt sie meist Unfug mit Texten, Musik oder FreundInnen und will Sachen machen. Die überzeugte Vegetarierin und selbsterklärte Ästhetikerin ist auf der Suche nach dem Besonderen im Leben und versucht uns mit Ideen, Tipps und Inspiration bei Laune zu halten.

Eine Antwort zu "„Hallo, ist Luisa hier?“ – Hilfe für Mädchen und Frauen in Not."

  1. Einige Menschen fordern statt Diskretion einen Aufschrei/eine Reaktion bei einer solchen „Bestellung“. Der Täter sollte angesprochen, zur Rede gestellt, aus der Räumlichkeit verwiesen werden.
    Und der Angreifer wartet dann vor der Tür auf das Opfer?

  2. Ja deswegen müssen die Bedrägten zum Auto gebracht werden,wie im Beispiel in der USA in Florida!!!Außer dem kann man auch laut werden und sagen,lass das bitte jetzt sofort,und man geht zum Manager und bittet um Hilfe!Der Typ soll ruhig wissen,so geht’s gar nicht!Wenn er nicht versteht wird er verwiesen,dass ist doch klar,wer braucht Miesepeter in einem Restaurant oder Nightclub!!Das hier geht oder läuft bei uns nicht,ist ne Klare Aussage,dass andere nicht weiter belästigt werden.Falls man den Miesepeter nicht aufmerksam macht denkt er ich bin ja sicher hier.

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