Internationaler Frauentag – damals und heute

Am 19. März 1911 fand zum ersten Mal der internationale Frauentag in Deutschland, Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Mehrere Millionen Frauen gingen an diesem Tag auf die Straßen, um für Wahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen, ausreichenden Mutter- und Kinderschutz, den Mindestlohn sowie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit zu demonstrieren.
Wichtige Initiatorin des Frauentags in Deutschland war die sozialistische Frauenrechtlerin und Herausgeberin der feministischen Zeitschrift „Die Gleichheit“ Clara Zetkin. Geschlechtsunabhängige Stimm- und Wahlrechte seien ihrer Überzeugung nach „keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“.

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Clara Zetkin – Feministin und Initiatorin des Frauentags in Deutschland

Brot und Rosen

Dass wir den internationalen Frauentag jährlich am 8. März feiern, wurde erst 1921 offiziell festgelegt. Dieses Datum geht auf die ersten Streiks von Textilarbeiterinnen Mitte des 19. Jahrhunderts in New York zurück. „Bread and Roses“ war die Parole der amerikanischen Demonstrantinnen am internationalen Frauentag 1912 und gilt seitdem auch heute noch als Symbol für die geforderte Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Im weiteren Verlauf der Geschichte des Feminismus, vor allem in den 60er und 70er Jahren, standen außerdem Themen wie legale Abtreibung, Gewalt gegen Frauen sowie politische und ökonomische Gleichberechtigung im Vordergrund. Heute, mehr als 100 Jahre nach dem ersten internationalen Frauentag, lautet das Motto der Vereinten Nationen „Planet 50-50 by 2030: Step it up for gender equality“. Wir haben es also noch nicht geschafft, doch wir sind auf dem richtigen Weg. Einem Weg, der vor allem angesichts der weltpolitischen Veränderungen und Entgleisungen der letzten Monate nur noch mehr an Bedeutung gewonnen hat.

Der internationale Frauentag heute

2030 soll es nicht nur in Europa soweit sein, sondern auf der ganzen Welt. Das klingt schön, sehr schön, doch leider auch zu schön, um wahr zu werden. Denn wenn wir ehrlich sind: Das, was bisher von den ursprünglichen Forderungen von vor über 100 Jahren umgesetzt wurde ist zwar viel, aber bei weitem nicht alles, und dieses „aber“ scheint vor allem angesichts der aktuellen täglichen Schlagzeilen und Debatten so unüberwindbar, wie schon lange nicht mehr.

Frauentag-Gender-Pay-Gap

Der Gender Pay Gap beträgt hierzulande immer noch 21% und liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16%. Während 75% der privatwirtschaftlichen Führungspositionen von Männern bekleidet werden, sind Frauen wesentlich häufiger als ihre männlichen Kollegen in prekären Arbeitsstellen beschäftigt. Die Durchsetzung einer Frauenquote von 30% in Aufsichtsräten, die seit Anfang 2016 über 100 deutsche Großkonzerne per Gesetz betrifft, gestaltet sich mehr als mühsam.

Laut einer aktuellen Studie des OECD sind die deutschen Frauen im europäischen Vergleich immer noch Schlusslicht, was den Beitrag zum Haushaltseinkommen betrifft. Gerade einmal 23% steuert die Durchschnittsfrau dazu bei – kein Wunder, schaut man sich die in der Realität immer noch kaum praktikable „Vereinbarkeit“ von Beruf und Familie an.

Mit fifty-fifty hat das bislang also herzlich wenig zu tun.

Brauchen wir einen Frauentag überhaupt?

Zu all den aus feministischer Sicht frustrierenden, den Arbeitsmarkt betreffenden Fakten und Zahlen gesellen sich weitere gesellschaftliche Problemfelder, wie Sexismus, Gewalt gegen Frauen, Stimmen gegen Abtreibung etc. – die Liste ist lang, zu lang, um hier gebührend abgehandelt zu werden. Letztlich stellt sich die Frage, ob wir überhaupt einen Frauentag brauchen, wenn die vielen emanzipatorischen Bemühungen offensichtlich zu wenige Früchte tragen. Die Antwort darauf fällt mir nicht schwer: Auf jeden Fall brauchen wir einen Frauentag! Und zwar mehr denn je!

Infografik zum Frauentag

Alle Fakten rund um den internationalen Frauentag haben wir für euch nochmal in einer übersichtlichen Infografik zusammengefasst – zum Downloaden, Abspeichern, Ausdrucken und Teilen.

Infografik-zum-Weltfrauentag

Moni
Unicorn of Love

Einhorn auf Fahrrad in Berlin gesichtet! Vorsicht, denn es blickt sehr verträumt drein, hört Musik und übersieht gerne mal die Straßenbahn. Man munkelt jedoch, dass es mit schokolierten Erdbeeren zu besänftigen sei!

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