And now the bells are ringing — Tinnitus

Ein Erfahrungsbericht zum internationalen Tag des Lärms

Gerade so nach Hause geschleppt von der Party. Der Alkohol zirkuliert immer noch in Massen, das Zimmer um einen herum genauso. Die Bässe hatten geballert heute. Der Schweiß, die Körper hatten vibriert, gezuckt, geschüttelt. Aber jetzt — fertig. Endlich im Bett angekommen. Schlafen. Wenn nur dieses Klingeln nicht wäre. Die Ohren scheppern immer noch nach, als wollten sie die klangliche Vergewaltigung von heute herausschütteln. Ein Fiepen, ein Brummen, ein Rauschen. Um-den-Schlaf-Bringer — dein Name ist Tinnitus.

utzn utzn utzn utzn brrmm brrrm klingeling düdelüdelü
Utzn Utzn Utzn Utzn Brrmm Brrrm Klingeling Düdelüdelü.

Und am nächsten Morgen: Ruhe. Man hat sich selbst wieder, der Schädel macht vielleicht noch Faxen, aber die Ohren klingen wieder richtig, ohne Klingeln diesmal. Den meisten Menschen geht es so. Die meisten Menschen kennen das Klingeln in den Ohren, das diese von sich geben, wenn sie überstrapaziert wurden. Und die meisten Menschen werden es wieder los. Ich habe seit acht Jahren einen Tinnitus, Tag und Nacht.

Klingeling, hier kommt der Ohrenklang

Ich musste damals mit einer starken Mittelohrentzündung ins Krankenhaus (solche Schmerzen hatte ich bis dahin nicht für möglich gehalten), mir wurden die Trommelfelle geöffnet und nach einer Woche erholten sich die Ohren langsam und ich konnte wieder besser hören. Aber das Klingeln blieb. Für eine Zeit lang versuchte ich jede mögliche Therapie, ging sogar zum Akupunkteur und Osteopathen. Ohne Erfolg. Ich fand mich damit ab, dass ich wohl den Rest meines Lebens mit diesem Ton (meiner ist ein hochfrequentes Rauschen) würde leben müssen.

Und der Tinnitus wurde zum Begleiter. Wie bei den meisten Tinnitus-Patienten übrigens. Man findet sich damit ab und lernt, ihn zu überhören. Wenn der Tinnitus nicht überpräsent ist, ist das das Einfachste. Denn Therapien gibt es keine — zumindest nichts, was verlässlich hilft.
Was auch daran liegt, dass der Tinnitus für die Wissenschaft ein Mysterium ist. Man weiß weder, wo er genau herkommt, noch was ihn auslöst oder wieder verstummen lässt. Bei chronisierten Patienten wie mir geht man davon aus, dass er (zumindest auch) psychisch bedingt ist.

Genau hinhören, was der Körper zu sagen hat
Genau hinhören, was der Körper zu sagen hat

The Sound of Silence

Und das kann ich bestätigen. Wenn ich viel Stress um die Ohren habe, wird der Tinnitus lauter, so wie andere Menschen Ausschlag oder Magen-Darm-Beschwerden bekommen. Er ist ein guter Wegweiser, eine Art Warnsignal des Körpers, mal wieder einen Gang runter zu schalten.

Das Einzige, was wirklich schade ist, ist, keine Stille mehr hören zu können. Das ist eine Qualität, die ich vermisse. Wir lernen die Stille erst zu schätzen, wenn um uns herum nur noch Lärm ist.

Ernst
Barbier, der Sachen stutzt

Ernst nimmt sich ernst und die Welt um ihn herum er(n)st recht. Er befasst sich gerne mit dem Badezimmer, wo er sich näher kommt und in dem er einen geraumen Teil seines Wachtages verbringt. Fasziniert ist er von Tensiden und ist über interessantes Infomaterial oder jegliche Art von Probeartikel zu dem Thema hoch erfreut.

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