Emotionale Intelligenz – Sind Frauen klüger als Männer?

Wir sitzen in einer großen Runde, und eigentlich sollte es ein harmonischer Abend werden. Aber dann fangen Tobi und Annette an zu streiten. Zuerst sind es zynisch-freundliche Spitzen: Es geht um sein Unvermögen, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, und um ihren technischen Unverstand. Aber als diese Un-Eigenschaften mit Intelligenz in Verbindung gebracht werden, wird der Ton plötzlich rauer.  Bald ist unsere Küche ein Schlachtfeld, Männer gegen Frauen, alle fühlen sich vom gegnerischen Geschlecht missverstanden und verletzt, und am Ende leckt jede Partei frustriert ihre eigenen Wunden.

Mann und Frau

Die Intelligenzforschung – eine Familiengeschichte

Die Intelligenzforschung ist eine alte Greisin von über hundert, seit 1912 ist sie mit dem Intelligenzquotienten, kurz IQ genannt, verheiratet. Beide halten sich seit vielen Jahren fest bei den Händen, aber ihre Beziehung wird mit der Zeit zusehends komplizierter. Noch im hohen Alter gebärt sie immer neue Kinder, und es fällt ihm schwer, sich dieser anzunehmen. Sind es wirklich alles seine?
Besonders mit einer seiner jüngsten Töchter hat der IQ so seine Schwierigkeiten: Emotionale Intelligenz heißt sie, kurz EQ. Sie trägt seinen Nachnamen, aber sie ist so ganz anders, und es fällt dem Papa nicht leicht, sie zu verstehen. Einerseits ist sie aufmüpfig und auch ein wenig manipulativ, andererseits hat sie viel Herz, was den meisten seiner anderen Kinder fehlt. Die stehen nämlich artig in Reih und Glied. Ein Ja ist ein Ja, ein Nein ist ein Nein. Man weiß, was man von ihnen zu erwarten hat und erwarten kann. Trotzdem bekommt gerade EQ oft ihren Willen.

Kampf der Geschlechter?

Das Forschungsfeld um die Intelligenz war eigentlich schon immer umstritten, und ein Versuch, die Intelligenz der Geschlechter zu vergleichen, trägt normalerweise noch weniger zu einer stereotypen-freien Diskussion bei. Jahrzehntelange Forschung zeigen unmissverständlich, dass Männer und Frauen in der allgemeinen Intelligenz (IQ) gleichauf liegen, aber anscheinend ist das nicht der Fall, wenn es um die emotionale Intelligenz geht. Es gibt subtile und weniger subtile Unterschiede bei Männern und Frauen, und die zu verstehen lohnt sich für jeden von uns:

Geschlechterkampf

Was ist emotionale Intelligenz?

Daniel Goleman, der bekannte Psychologe und Wissenschaftsjournalist, bringt es auf die folgenden vier Kompetenzen:

  • Eigene Emotionen wahrnehmen und verstehen… können Männer und Frauen wohl gleich gut, obwohl viele glauben, Männer hätten hier die schlechteren Karten. Das ist aber nicht der Fall – Genauso wie sie die nasse Wäsche in der Maschine nicht gesehen haben, so täuschen (manche) Männer gerne eine gewisse Emotionsarmut vor, in der Hoffnung auf Vermeidung jeglicher Verantwortung für ihr Handeln. Aber wir wissen es besser.
  • Eigene Emotionen kontrollieren… können die Männer angeblich ein klein wenig besser als wir. Das hat sicherlich mit der Erziehung zu tun. Von Männern wird erwartet, ja, auch heute noch, dass sie emotional „stark“ sind und ihre Gefühle besser im Griff haben. Deshalb liegen sie hier ein winziges bisschen vorn, die Armen.
  • Emotionen anderer Menschen einschätzen… ist eine stark weiblich geprägte Domäne, wir üben sie schließlich von Kindesbeinen an. Es erfordert die Fähigkeit, Körpersprache und andere unausgesprochene Signale zu deuten, und ob richtig oder falsch, von uns Frauen wird sogar erwartet, dass wir uns um andere Menschen kümmern. Wir tun es meist auch gern…
  • Andere Menschen bei der Bewältigung ihrer Emotionen einfühlsam unterstützen… ist die Masterdisziplin der emotionalen Intelligenz, denn wir leben schließlich in Rudeln. Hier müssen alle drei vorigen Kompetenzen zusammenspielen, um erfolgreiches Beziehungsmanagement betreiben zu können. Und auch hier liegen Frauen weit vorne. Wir lieben es, unsere eigenen Gefühlszustände und die der anderen ausgiebig zu studieren und zu erörtern, denn wofür hat man schließlich Freundinnen?

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EQ statt IQ

Viele Menschen sind intelligent, aber wer Erfolg haben will im Leben, muss das emotionale Alphabet beherrschen. Und wer glücklich werden will schon lange. Was hilft der ganze Grips, wenn man ein emotionaler Trottel ist? Während noch im 19. Jahrhundert Frauen von der Medizin nachgesagt wurde, sie hätten eine natürliche Veranlagung zu hysterischen Anfällen, weiß man heute, dass Frauen die kollektive Intelligenz durch ihre Fähigkeiten in einem Team erhöhen. Trotzdem ist der Begriff der „emotionalen Frau“ weiterhin negativ behaftet. Sie hat sich eben nicht immer im Griff. Glücklicherweise?

Tina
Zauberfee im Wörterland

Tina hat viel gesehen von der Welt, und sie hat nicht nur ein Zuhause. Am liebsten isst sie Süßes, deswegen sind ihre Zähne so schlecht, aber Lachen tut sie trotzdem gerne, denn „wir haben doch verdammt nochmal ein Schweineglück, hier und jetzt zu leben“. Und Tina liebt Wörter, viele Wörter, besonders Schwarz auf Weiß. Oder auf Gelb, wie bei Zitronenzauber.

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