Chemikalien in Kleidung – Die kuschlige Gefahr

Kleidung ist für die meisten von uns etwas Selbstverständliches. Unsere Kleiderschränke quellen über, und trotzdem nimmt man sich eben mal im Vorbeigehen noch einen neuen Pulli mit, wenn man sich mit den anderen Hungrigen nach der Arbeit noch schnell ins Einkaufsgetümmel wirft. Was sie sich da aber genau kaufen, wissen die wenigsten. Mittlerweile besteht die Kleidung, die wir kaufen, nämlich aus vielen verschiedenen Kunststoffen, Fasern und Stoffarten. Diese werden wiederum auf unterschiedliche Art und Weise gewonnen und verarbeitet. Und genau da liegt das Problem: Im Laufe der Produktion gelangen nämlich unzählige und zum Teil schädliche Chemikalien in Kleidung.

Warum denn überhaupt Kunststoffe?

Chemikalien in Kleidung

Beim Thema Chemikalien in Kleidung kommt häufig die Frage auf, warum man denn überhaupt Kleidung aus Kunststoffen herstellt, anstatt Naturfasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen, Seide, Schaf-, Alpaka-, oder Mohairwolle dafür zu verwenden. Pflanzen und Tiere liefern doch wohl genug Materialien für den ein oder anderen Pulli.

Theoretisch würde das vielleicht gehen, aber tatsächlich müssen Klamotten unterschiedlichen Zwecken dienen und daher ganz bestimmte Eigenschaften haben. Wenn Socken zum Beispiel aus purer Baumwolle wären, wären sie vor allem an Zehen und Fersen schnell völlig durchlöchert. An diesen beanspruchten Stellen muss eine Socke dehnbar sein, damit sie lange hält und nicht gleich weggeworfen wird. Und da kommt Polyamid ins Spiel: Diese Kunstfaser macht Socken nämlich stabiler und dehnbarer.

Auch Funktionskleidung kommt nicht ohne Kunstfasern aus. Wenn es wasser- und winddicht sein soll, Schmutz abweisen und schnell trocknen soll, können Naturfasern nicht mithalten.

Chemikalien in Kleidung – Wie kommen die denn dahin?

Bei Kunstfasern muss man zwar ein wenig vorsichtig sein, wenn man anfällig ist für Ekzeme und Hautreizungen und/oder stärker schwitzt, aber Kunstfasern an sich enthalten noch keine gefährlichen Chemikalien. Diese kommen erst in den späteren Produktionsprozessen dazu, wenn die einzelnen Kleidungsstücke veredelt werden, wie es so schön heißt.

Zum Veredeln zählen zum Beispiel das Bleichen, Färben, Aufhellen, sowie Verfahren, um Kleidung knitterfrei, wasserabweisend, UV-undurchlässig oder glänzend zu machen. Zur Auswahl stehen dabei über 7000 verschiedene Chemikalien!

Woran erkennt man Chemikalien in Kleidung?

Chemikalien in Kleidung

Enthaltene Chemikalien in Kleidung werden nicht separat aufgeführt, man kann ihren Einsatz aber am Etikett in Pulli, Hose & Co. sehen. Wenn dort zum Beispiel “vor dem ersten Tragen waschen”, “separat waschen” oder “färbt ab” vermerkt sind, kann man davon ausgehen, dass hier Chemikalien verwendet wurden. Auch der Geruch neuer Kleidung kann ein Indiz für Chemikalien sein: Wenn dein neues Hemd sehr stark und stechend riecht, wurden hier höchstwahrscheinlich welche verwendet.

Was kann man gegen Chemikalien in der Kleidung tun?

Chemikalien in Kleidung können sehr drastische Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Gesundheit haben. So können sie zum Beispiel unser Immun- und Hormonsystem angreifen, sowie allergische Reaktionen und Hautreizungen auslösen. Manche können sogar krebserregend sein.

Um zu verhindern, dass die verwendeten Chemikalien in Kleidung an und in die Haut gelangen, sollte man neue Kleidung unbedingt erst waschen, bevor man sie anzieht, wenn nötig auch mehrmals. Um Chemikalien von vornherein zu vermeiden, kann man auch ökologische Kleidung kaufen, hier werden nämlich keine Chemikalien verwendet. Auch Secondhand-Klamotten sind eine gute Möglichkeit, Chemikalien in Kleidung zu umgehen, da gebrauchte Sachen in den allermeisten Fällen schon mehrmals gewaschen wurden.

Adieu, Kunstfasern!

Chemikalien in Kleidung
Foto: Whale and Dolphin Conservation

Auch wenn Chemikalien in Kleidung nicht unbedingt etwas mit den Textilien selbst zu tun haben, sollten wir Kunstfasern trotzdem meiden, wenn möglich. Für die Herstellung vieler rein synthetischer Fasern wie Polyacryl, Polyamid, Elastan und Polyester braucht man nämlich Erdöl. Darum ist die Produktion dieser Stoffe sehr schlecht für unsere natürlichen Ressourcen.

Außerdem reiben sich beim Waschen kleinste Faserpartikel von den Kleidungsstücken ab und gelangen über das Abwasser in unsere Gewässer und Meere. Dieses Mikroplastik im Meer wird dort zusammen mit dem ohnehin schon vorhandenen Plastikmüll von den Meeresbewohnern aufgenommen – die oftmals sehr grausam daran verenden – und letztendlich dann auch wiederum von uns Menschen. Darum sollten wir Plastik in Kleidung, wie auch in allen anderen Bereichen unseres Lebens vermeiden, wo wir nur können.

Chemikalien in Kleidung – in Kürze:

  • Kunstfasern machen unsere Kleidung u. a. dehnbar, wasserfest, schmutzabweisend und haltbar
  • Für ihre Herstellung benötigt man Erdöl, was schädlich für unsere Umwelt ist
  • Kunstfasern können Ekzeme und Hautreizungen hervorrufen
  • Kunstfasern enthalten nicht grundsätzlich Chemikalien, auch Naturfasern können Chemikalien enthalten
  • 7000 verschiedene Chemikalien können zum „Veredeln“ unserer Kleidung verwendet werden
  • Vermerke im Etikett (“vor dem ersten Tragen waschen”, “separat waschen” oder “färbt ab”) und Gerüche deuten auf Chemikalien hin
  • Ökologische Kleidung enthält keine Chemie

 

Birgit
Ute Unentschieden

Ist notorisch unentschlossen. Die Frage, ob man heute lieber den blauen oder grauen Pulli anziehen soll, kann einen aber auch aus der Bahn werfen. Deswegen geht Einkaufen auch gar nicht, da stehen zu viele Entscheidungen an. Außer wenn es um Bücher geht. Und Essen für den Sonntagsbrunch. Und Tee. Der hilft auch immer, wenn die Vergesslichkeit mal wieder zuschlägt: Wo ist eigentlich mein Schlüssel? Ach, das war heute?! Puh, erstmal durchatmen und zur Ruhe kommen mit dem Lieblingstee im passenden Kännchen. Versteht sich von selbst. Und Schokolade. Viel. Schokolade.

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