Video-on-Demand-Angebote im Zitronenzauber-Test: Netflix, Amazon und Co.

Vor gar nicht so langer Zeit musste die Autorin dieses Textes in die Videothek gehen, um den ersehnten Feierabend ausklingen zu lassen (oder zu anderen, illegalen Hilfsmitteln greifen, deren schlichtes Andenken so unerhört ist, dass sie hier gar nicht erst zur Sprache kommen sollen). Aber in den letzten Jahren hat sich unser Nutzungsverhalten bei Filmen und Serien grundlegend geändert. Wir sind zu faul geworden, uns von der geliebten Couch hinunter zu bewegen. Das Internet hat im Vergleich mit der Videothek keine Öffnungszeiten und ist sogar noch günstiger. Netflix, Amazon Instant Video oder Maxdome fließen in immer mehr deutsche Haushalte und machen so nicht nur dem „Videodrom“ von der Ecke, sondern auch dem klassischen Fernsehen immer mehr Konkurrenz.

So jung dieser Markt ist, so unübersichtlich ist er momentan auch noch. Das ist toll für den Wettbewerb, macht aber die Entscheidung nicht unbedingt einfacher, wenn man dann doch nicht die Kohle für „alle“ hat. Welcher Anbieter hat das größte Angebot?, fragen wir uns also. Wer hat die beste Qualität? Und den besten Preis sowieso?

Zitronenzauber hat die bekanntesten und größten Dienste verglichen und beantwortet eure drängendsten Fragen.

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Kampf der Bezahlmodelle: Flat oder Pay-per-View?

Der Nutzer soll es nicht zu einfach haben, denken sich die Anbieter und lassen ihn zuerst zwischen zwei verschiedenen Bezahlmodellen der Video-on-Demand-Dienste entscheiden. Den weitaus größten Teil am Markt machen die Flatrate-Varianten aus, bei denen man einen festen monatlichen Grundpreis blecht und dann so viel konsumieren kann, wie man möchte. Netflix, Amazon Instant Video, Maxdome, Watchever und Snap by Sky sind solche Dienste. Sie werden den Mammutteil unseres Testes ausmachen.

Andere Angebote lassen hingegen das alte Videotheken-Gefühl aufleben, indem sie uns pro Einzeltitel bezahlen lassen. Pay-per-View heißt dieses Modell. Die bekanntesten Vertreter dieser Sparte sind iTunes, Videoload und Google Play. Die Filmauswahl ist meist größer, die Preise dafür aber etwas sportlicher. Anbieter wie Amazon, Maxdome oder Snap sind Hybride in dieser komplizierten Welt und bieten neben dem Flatrate-Angebot auch die Möglichkeit an, gewisse Filme einzeln auszuleihen.

Netflix — der große Bruder in Amerika ist immer noch besser

Seit September 2014 gibt es die deutsche Dependance des internationalen Marktführers Netflix nun schon. Die Konkurrenz hatte die Luft angehalten vor dem Angebot und auch der Preispolitik des riesigen Marktbewerbers: 7,99€ kostet ein Monat des Konsums in SD-Qualität, für 9,99€ bekommt man HD und die Möglichkeit, das Ganze auf zwei Geräten gleichzeitig schauen zu können. Das Familienangebot für vier Geräte und „Ultra-HD“ für ausgewählte Filme kostet 11,99€.

Doch damit ist Netflix nicht mal kampfpreisig. Gerade einmal um die 1.800 Titel führt Netflix in seiner deutschen Bibliothek (das ist weniger als in der Karibik! Selbst in Guadeloupe gibt es über 5.000 Titel!). Netflix scheint auf die teuren und aufwendig produzierten Eigenproduktionen wie Narcos, House of Cards oder Orange is the New Black zu setzen, die sowohl Kritiker als auch Zuschauer wohlgestimmt hinterließen. Und auch Sitcoms wie Fuller House oder The Ranch befinden sich mittlerweile im Portfolio.

Hier merken wir, wie Netflix ein Kind des amerikanischen Fernsehmarktes ist, wo der Zuschauer wesentlich offener ist, für Qualität (wie HBO und die ganzen Kabelsender) extra in die Tasche zu greifen. So ist Netflix in Amerika schon seit 2007 eine starke Marke und aus dem Kulturbereich nicht mehr wegzudenken („Netflix and Chill“ ist mittlerweile zum Synonym für einen Booty Call, die Einladung zu unverbindlichem Sex geworden). Aber gerade deswegen ist das Angebot im Mutterland wesentlich umfangreicher als hierzulande. Circa 7.500 Titel führt das amerikanische Netflix, das sich mittlerweile leider auch nicht mehr halblegal via VPN in Deutschland erreichen lässt. Und die Zukunft sieht, was das angeht, aufgrund des komplizierten Lizensierungsmarktes in Deutschland nicht wirklich rosig aus.

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Amazon Instant Video — Vollgas innerhalb nur eines Jahres!

Es hat Einiges an Zeit gedauert, aber seit Amazon Instant Video sich Lovefilm einverleibt hat und Teil von Amazon Prime geworden ist, ist der Dienst innerhalb von nur einem Jahr zum unangefochtenen Marktführer auf dem Video-on-Demand-Markt geworden. Der Preis von nur 49€ im Jahr mag dazu beigetragen haben — zudem bucht man Amazon Prime mit Vorteilen für Nutzer des Shoppingportals inklusive dazu. Das macht Amazon Instant Video zum Zitronenzauber-Preis-Leistungs-Sieger.

Doch was bietet Amazon Instant Video wirklich? Wie Netflix wird eine Anzahl von Titeln in UHD-Qualität angeboten, die meisten im deutschen Raum. Dennoch ist die Auswahl gering, gerade wenn man bedenkt, dass die meisten UHD-Titel Amazon-Eigenproduktionen sind. Filme wie Da Vinci Code oder Serien wie Breaking Bad müssen extra eingekauft oder geliehen werden. Mit ca. 3.200 Titeln steht man vom Umfang her hinter Maxdome an zweiter Stelle. Und für die lange Bus- oder Bahnfahrt können Titel für den Offlinegebrauch temporär heruntergeladen werden. Nervig hingegen stößt auf, dass nur ein Teil der Titel in Originalsprache zu haben ist, ein No-Go für ernstzunehmende Cineasten.

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Sky Online — ehemals Snap by Sky

Als Netflix sich zum deutschen Markt aufmachte, wachte Sky auf und senkte den Preis für seinen Video-Streaming-Dienst drastisch auf 3,99€ im Monat. So war Snap by Sky preislich der absolute Vorreiter auf dem deutschen Markt. Leider konnte der Dienst auch nur ca. 1200 Titel auf der Agenda verbuchen und war nicht wirklich erfolgreich.

Seit ein paar Monaten hat Sky den Dienst Snap eingestellt und beschränkt sein Online-Angebot auf Sky Online. Fast jeder Titel ist hier sowohl in der Originalsprache als auch auf deutsch erhältlich — ein Angebot, ohne das ein Filmliebhaber dem Dienst den Rücken kehren müsste. Das günstigste Paket nennt sich Sky Online Entertainment, beinhaltet Serien sowie Sportnachrichten und Dokus, und ist ab 9,99€ zu haben. Ein Paket, in dem auch (sehr aktuelle) Filme enthalten sind, kostet dagegen happige 14,99€ im Monat.

Wer hier noch sein Sportentertainment dazu buchen will, kann das für 14,99€ als Tagesticket tun. Ob dieses Preismodell aber viele Nutzer überzeugen wird, sich dem Fernsehriesen hinzugeben, bleibt abzuwarten.

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Maxdome — maximale Auswahl zum durchschnittlichen Preis

Maxdome kostet 7,99€ im Monat und liegt damit ungefähr auf der Höhe von Netflix, im Mittelfeld der hier verglichenen Dienste. Aber mit einem Angebot von über 5.700 Filmen und Serien ist Maxdome derjenige mit dem größten Repertoire im Testfeld. Zusätzlich zur Flatrate bietet das Unternehmen der ProSieben-Sat.1-Gruppe an, Filme oder Serien einzeln zu leihen oder zu kaufen. Der Preis für den Kauf eines einzelnen Titels liegt hier aber gerne mal beim Preis eines gesamten Monatsabos, die Leihe ist mit bis zu 4,99€ ebenfalls ziemlich teuer.

Als weiteres Gadget bietet Maxdome das Paket Maxdome Live an, wo man auf aktuelle Fernsehunterhaltung der Muttersender zurückgreifen kann. Den wirklichen Vorteil sehen wir hier aber nicht. Nur Box-Fans oder Anhänger von UFC oder Wrestling haben hier einen wirklichen Mehrwert, da einzelne Events abgerufen werden können. Die Auswahl ist hier aber eindeutig ausbaufähig.

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Watchever — ein Neustart als Reanimationsmaßnahme?

Seit Watchever eine deutschlandweite Marketing-Kampagne mit dem bekannten (aber verhassten, mal ganz ehrlich) Gesicht Til Schweiger gestartet hat, kennt fast jeder hierzulande den Streaming-Dienst aus Frankreich. Die Auswahl lässt nicht zu wünschen übrig, die Preispolitik hingegen schon. Mit einem Preis von 8,99€ im Monat befindet sich Watchever am unteren Ende der Tabelle. Der Marktanteil liegt mit 7% fast im vernachlässigbaren Bereich. Eigentlich sollte der Dienst des Entertainment-Riesen Vivendi schon lange veräußert werden, aber seit September letzten Jahres bäumt sich Watchever anscheinend noch einmal auf.

Das Angebot von 1.300 Filmen und Serien wurde durch Zukauf der Rechte der Dokukanäle BBC Earth, Docusphere und Spiegel TV erweitert. Im fiktionalen Bereich muss der Kunde abwarten, was sich in der nächsten Zeit tut. Auch wenn der Dienst sich mittlerweile durch ein aufgestocktes Kinderangebot mehr und mehr als Familiendienst positionieren will: Mit dem momentanen Angebot lockt Watchever niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Der einzige Punkt, der Watchever wirklich einzigartig macht, ist der Offline-Modus, der es dem Konsumenten erlaubt, Videos auch ohne Internetanbindung zu gucken.

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Welcher Video-on-Demand-Dienst streamt welche Filme und Serien?

Nachdem wir nun die harten Fakten zu den Big Five im deutschen VoD-Angebot abgecheckt haben, gehen wir in den Praxistest: Welche Filme und Serien, die wir schauen wollen, gibt es wirklich bei den Anbietern? Wir haben eine Auswahl von jeweils fünf Filmen und Serien getroffen und untersucht, welche davon bei den verschiedenen Plattformen zu finden sind:

  • Inception
  • Ziemlich beste Freunde
  • Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
  • Der Pate
  • Oben
  • House of Cards
  • Breaking Bad
  • Game of Thrones
  • Mad Men
  • Stromberg

Ganz klar: Da geht noch was

Der klare Sieger nach Punkten in unserem kleinen Praxistest ist Netflix. Von den 10 gesuchten Titeln waren ganze 8 abrufbar (kein Game of Thrones und Mad Men). Mit gemessenem Abstand finden sich danach Amazon Instant Video und Sky Online, die 5 Titel auf der Habenseite führen. Weiter unten finden sich Maxdome (4/10) und Watchever (3/10). Hier zeigt sich einmal mehr, dass Masse nicht unbedingt Klasse ist. Von den beeindruckenden 5.700 Titeln in der Maxdome-Bibliothek sind wohl nicht alle so interessant wie diejenigen bei Netflix.

Dazu müssen wir anmerken, dass wir für unseren Test nur Titel ausgewählt haben, die bei mindestens bei einem der Anbieter zu haben waren — aktuelle Filme und Serien werden häufig noch gar nicht angeboten. Sky Online scheint hier langsam eine Ausnahme zu werden. Auch die Stiftung Warentest untersuchte das Angebot und machte die Entdeckung, dass noch keines der Onlineangebote mit einer klassischen Videothek mithalten konnte.

Wer ganz besondere Titel im Blick hat, kann bei werstreamt.es schauen, wo es die zu gucken gibt.

Serien

Pay-per-View — die Mitbewerber

Auch das klassische Modell, in dem man pro Titel, den man kauft oder leiht, zu zahlen hat, wollen wir im großen Zitronenzauber-Test nicht aussparen. Webseiten wie Videoload, iTunes etc. bieten Filme zum Kauf an, was bedeutet, dass man den Film entweder unendlich oft online streamen oder auf die eigene Festplatte herunterladen kann. Beim Leihmodell steht der Titel für eine begrenzte Zeit online zur Verfügung.

Diese Dienste stellen sich eher gegen die klassischen Medien wie DVD, Blu-Ray und VHS. Hier muss nicht der Weg in den Laden angetreten, sondern kann direkt von der heimischen Couch aus in den Entertainmentgenuss eingetaucht werden. Um sich offensiv von den Flatrate-Modellen abzugrenzen, wirbt Videoload beispielsweise mit einer Blockbuster-Garantie, ein Versprechen, das bei einer Videothek mit 15.000 Titeln unschwer zu glauben ist. Auf Plattformen wie diesen wird ein Film nach dem Kinorun häufig schon vor DVD-Release veröffentlicht.

Videoload

  • sehr großes Angebot mit 15.000 Filmen und Serien
  • Vorreiter in Deutschland
  • günstige Mietpreise (ab 0,99€ pro Einzelabruf)
  • Seite gelegentlich unübersichtlich

iTunes

  • gute Auswahl (8.000 Filme und Serien)
  • für Apple-Jünger einfach zu bedienen…
  • …für alle anderen aber umständlich
  • angezogene Preise (Verleih: 0,99€ – 4,99€ / Kauf: 3,99 € – 16,99€)

Wuaki.tv

  • Titel manchmal in UHD-Qualität
  • einzelne Filme für umsonst
  • aktuelle Film- und Serienauswahl…
  • …dafür aber recht gering bemessen (ca. 1.000 Titel)
  • gehobene Preise (Verleih: 1,99€ – 3,99€ / Kauf: 7,99 € – 16,99€)

Viewster

  • zum Teil kostenlos dank Werbefinanzierung
  • Animefans kommen auf ihre Kosten
  • Anmeldung per Facebook
  • mediokrer Support
  • Sortiment klein (2.000) und wenig aktuell

Videobuster

  • 30 Tage kostenlose Probezeit
  • Webseite einfach und übersichtlich
  • Auswahl aktuell und groß
  • hauptsächlich werden DVDs und Blu-Rays verliehen…
  • …dementsprechend gering ist leider das Streaming-Angebot

Google Play

  • Filmauswahl groß und aktuell
  • manchmal kostenlose Angebote
  • gehobene Preise (Verleih: 0,99€ – 4,99€ / Kauf: 3,99 € – 16,99€)

Fazit

Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass das präsentierte Angebot der neuen Streaming-Videotheken noch deutlich Luft nach oben hat. Gerade die Abomodelle tun sich noch sehr schwer, besonders was Aktualität und Breite des Angebots angeht. Die Filmverleihfirmen scheinen hier zunächst über Pay-per-View Einnahmen generieren zu wollen.

Trotz dieser Einschränkungen schlägt sich Netflix unter den getesteten Angeboten am Besten. Sowohl die Breite des Angebots als auch die Qualität der Titel wussten zu überzeugen. Maxdome beispielsweise konnte trotz der großen Auswahl bei der qualitativen Untersuchung nicht mit der Konkurrenz mithalten.

Preis-Leistungssieger ist eindeutig Amazon Instant Video, das mit ca. 4€ im Monat ein solides Angebot an Filmen und Serien für den Flatrate-Gucker bereithält, sowie das Angebot durch eine Pay-per-View-Option komplettiert. Eine Einschränkung ist hier aber, dass viele Titel nicht im Originalton erhältlich sind.

Alternativen sind Angebote wie Mubi, wo es eine Auswahl von 30 hochqualitativen Filmen für ca. 5€ im Monat gibt, mit der Besonderheit, dass jeder Film nur 30 Tage lang erhältlich ist und danach von einem neuen Film ersetzt wird. Gerade Liebhaber des Kunstfilmes werden sich hier sehr wohl fühlen. realeyz.de ist ein Portal, auf dem für 5,50€ hauptsächlich deutsche Indiefilme angeboten werden. Die Auswahl hier ist ungewöhnlich und interessant, wenn auch nicht ganz so umfangreich.

Im Endeffekt ist es eine Geschmacksfrage, welchen Anbieter ihr bevorzugt. Jeder hat seine besonderen Vor- und Nachteile. Welchen Anbieter mögt ihr? Teilt es uns gerne in den Kommentaren mit.

Marina
Gute-Laune-Prophetin

Marina mag dich! Sie hat einen Master in Kommuniaktionswissenschaften an der Uni Göttingen abgelegt und dann nach Umwegen den Weg nach Berlin angetreten, wo sie endlich ihre Bestimmung fand: Online-Redakteurin bei Zitronenzauber! Sie hat die Feder gespitzt und macht sich für euch auf die Suche nach Wegen, euch euer Leben einfacher zu machen. Aufgepasst, hier kommt Marina!

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