Outlander – und der Winter ist gegessen!

Stell dir Folgendes vor: Du bist auf einem kleinen Urlaub in Stonehenge, als du zufällig ein hübsches Blümchen unter den Felsen wachsen siehst. Du willst es dir näher ansehen, aber da fängt es auch schon an, seltsam in deinem Kopf zu summen… und das nächste, was du weißt, ist, dass du zurückgeworfen bist in der Zeit. Und ich meine damit: sehr weit zurück.

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Ungefähr das ist es, was Claire Randall passiert, der Erzählerin von Diana Gabaldons Outlander. Denn die Erforschung des Steinkreises von Craigh na Dun (Stonehenges fiktive kleine Schwester) endet für die Krankenschwester, die gerade den Zweiten Weltkrieg überstanden hat und mit ihrem Mann Frank die zweiten Flitterwochen verlebt, zweihundert Jahre in der Vergangenheit: gerade noch 1945, jetzt 1743.

Aber das findet Claire natürlich nicht sofort heraus. Und nachdem sie es doch tut, begegnet sie zudem auch noch unzähligen Abenteuern, der großen Liebe und einer Menge Leute, die nicht verstehen, warum ständiges Händewaschen so wichtig ist…

 

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Diana Herself

1991 eröffnet der erste Outlander-Band die massive Schmöker-Reihe von Autorin Gabaldon, welche seitdem als Clan-Oberhaupt über eine riesige Fangemeinde wacht und von ihren Jüngern nur majestätisch Herself („Sie selbst“) betitelt wird. Allein auf ihrer Facebook-Seite hat Diana Gabaldon über 600.000 Follower, und Outlander Fanpages und Blogs gibt es wie Sand in der Bucht bei Claigan.

Acht Bände umfasst das Hauptwerk bis jetzt, der neunte Band ist in Arbeit und wird NICHT 2017 erscheinen. Zehn soll es insgesamt geben. Und der Hype um die berühmteste Highland-Saga der Geschichte reißt nicht ab, denn das größte Mysterium ist noch immer nicht gelüftet.

 

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Wer nun glaubt, Outlander wäre ein kitschiger Historienroman mit triefender Romantik und wenig intellektuellem Anspruch, der hat natürlich irgendwie Recht. Aber auch nur irgendwie. Denn im Gegensatz zu den trashig trivialen Heftchenromanen mit gleicher Thematik ist Outlander hervorragend recherchiert und geschrieben, und seine Figuren sind fein ausgearbeitete, vielschichtige Persönlichkeiten. Und im Gegensatz zur gängigen Schund-Literatur erfahren wir in diesen Büchern jede Menge Dinge, die wir noch nicht wussten: Wie es sich wirklich lebte im 18. Jahrhundert, in Schottland, Frankreich und der neuen Welt, über den Jakobitenaufstand und das Ende der Schottischen Highland-Kultur, über die Amerikanische Revolution, und sogar ein paar Brocken Gälisch schnappen wir auf.

 

 

(Gerade was die Sprache angeht, hatten es die Schotten nicht immer leicht, und das nicht nur in einem vollautomatischen Fahrstuhl mit Spracherkennung.)

 


Aber ich schweife ab…

Outlander on screen

Letztendlich ist es wohl die Verfilmung, die den erneuten Boost zu verantworten hat. Im Rahmen der Comic-Con in San Diego feierte die TV-Serie am 25. Juli 2014 mit der ersten Folge Sassenach ihre Weltpremiere, seitdem läuft sie auf dem amerikanischen Privatsender STARZ und natürlich auch bei uns: eine Staffel = ein Buch. Zwei gab es bis jetzt, und die dritte Staffel ist in Arbeit, worauf Millionen von Fans auch in Deutschland sehnsüchtig warten.

Droughtlander (drought = Dürre) wird diese Wartezeit genannt, die die meisten Outlander-Hörigen in ihrer Not damit verbringen, das Netz nach den neuesten Fotos der aktuellen Dreharbeiten zu durchforsten, unzählige Zusammenschnitte auf YouTube zu schauen, Outlander Kalender oder Kochbücher zu kaufen (denn alles andere haben sie schon), oder einfach die etwa 10 000 Seiten schwere Saga zum fünften Mal zu lesen.

Die TV-Serie ist nämlich ausnehmend gut gemacht. Neben atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der Schottischen Highlands und den hinreißenden handgefertigten Kostümen der unglaublich talentierten Terry Dresbach gibt es auch atemberaubende Aufnahmen von den beiden attraktiven Hauptdarstellern ganz ohne hinreißende Kostüme. Und die können sich sehen lassen, genauso wie die sehr glaubhaft knisternde Anziehungskraft zwischen Ihnen, sowohl on- als auch off-screen.

outlander sam und cait

Die Outlander Fanbase

ist groß, weiblich und fanatisch. Gerade erst hat sie den CatterMatt Award 2016 für die beste Fanbase des Jahres gewonnen, und ich muss zugeben: Ich gehöre dazu.

Mein Name ist Tina, und ich bin süchtig.

Süchtig nach der sturen Claire mit dem Wahnsinnsglück, ihrem schottischen Ehemann Jamie Fraser, der so perfekt ist, dass einem ganz warm wird: stark und humorvoll, starrköpfig und sensibel, waghalsig und verantwortungsbewusst, und dabei noch unglaublich gutaussehend. The King of Men, ein Frauenversteher, ein unermüdlicher Ritter.

Unermüdlich wie seine Schöpferin, die vor rund 28 Jahren als dreifache Mutter mit zwei Full-Time-Jobs wohl nicht ausgelastet war, und eben mal versuchen wollte, einen Roman zu schreiben. Seitdem ist viel Wasser in den Moray Firth bei Inverness geflossen, und neben der Arbeit an Spin-Off-Serien über diverse Nebencharaktere, einem Musical, einer wissenschaftlichen Arbeit über das Schreiben von Sex-Szenen und einem TV Script pro Staffel reist Gabaldon jetzt durch die Lande, spricht auf Konferenzen oder signiert Bücher im Poisoned Pen (wo man die signierten Bücher auch von Deutschland aus bestellen kann!). Und nebenher muss der neunte Band ja auch noch fertig werden.

Wann hat diese Frau Zeit zu schlafen?!?

 

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Outlander ist das Snickers in der Literatur. Es hat alles drin – heiße Romantik, spannende Abenteuer, jede Menge Humor, Gewalt und freakige Zeitreisen – und kann daher jedes literarische Hungergefühl stillen. Die Frage nach dem Genre kann man nicht wirklich beantworten. Ehrlich. Aber egal ob Historienschinken, Science-Fiction-Romanze oder historischer Liebesroman, wenn du etwas Winterzeit totschlagen willst oder musst, dann sei dir der Outlander wärmstens ans Herz gelegt. Aber Vorsicht: Er könnte dich für die nächsten zweihundert Jahre aus dem Verkehr ziehen…

Tina
Zauberfee im Wörterland

Tina hat viel gesehen von der Welt, und sie hat nicht nur ein Zuhause. Am liebsten isst sie Süßes, deswegen sind ihre Zähne so schlecht, aber Lachen tut sie trotzdem gerne, denn „wir haben doch verdammt nochmal ein Schweineglück, hier und jetzt zu leben“. Und Tina liebt Wörter, viele Wörter, besonders Schwarz auf Weiß. Oder auf Gelb, wie bei Zitronenzauber.

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