Wenn Piloten Fliegen lernen, Vol. IX: Baskets

Ein Pilot ist die erste Folge einer Fernsehserie. Er soll den Mund wässrig machen und alle wichtigen Themen bespielen. Er ist die Serie im Miniformat.

Versicherungsangestellte Martha Brooks mit Chip Baskets, Clown und Rollerfahrer (Copyright FX)

Baskets (FX)

Wenn ich Zach Galafianakis sehe, denke ich: Der witzige Dicke. Wie häufig haben wir diese Rolle schon gesehen, er selbst hat sie in Hangover gespielt, genauso wie fast alles, auf das Axel Stein oder Seth Rogen besetzt werden, oder auf weiblicher Seite, Melissa McCarthy. Und genau wegen dieser Präkonzeption, genau wegen diesem eingefahrenen Rollenmuster, auf das Schauspieler mit ein paar Kilo mehr häufig eingeschossen werden, rührt es mich umso mehr, jemanden wie Zach Galafianakis in einer Rolle wie in Baskets zu sehen. Er ist nicht nur der Clown, sondern der traurige Clown. Der traurige Clown, der eigentlich kein Clown sein sollte, und der statt in der Stadt seiner Träume (Paris) im hintersten Dorfamerika (Bakersfield, CA) lebt. Galafianakis spielt aber nicht nur ebendiesen gescheiterten Clown (und Namensgeber der Serie) Chip Baskets, sondern auch seinen Zwillingsbruder Dale, den erfolgshungrigen, aber auch zutiefst einsamen Direktor des »Baskets Career College«, dessen begeistertster Kunde er, Dale, selbst ist.
Furios, dass solche Rollen in jemandem wie Galafianakis stecken, der, wie man erstaunt feststellen muss, jahrelang vollkommen unter Wert besetzt wurde. Und der trotzdem noch unglaublich witzig ist.

40$ für HBO

Chip Baskets muss, um in Bakersfield zu überleben, einen Job als Pausenbespaßung im lokalen Rodeo annehmen. Aber nicht nur, um sich selbst durchzubringen, sondern auch um seiner wunderschönen französischen Frau Pénélopé (Sabina Sciubba) – die ihn nur geheiratet hat, um an die Green Card ran- und aus Paris rauszukommen – 40 Dollar für das HBO geben zu können, das sie in ihrem Apartment braucht.
Und um seiner Mutter Mrs. Baskets (Louie Anderson), dem unglaublichsten, großartigsten Charakter im Fernsehen der letzten paar Jahre (man muss es gesehen haben, um es wirklich wertschätzen zu können), zu beweisen, dass er nicht eine komplette Enttäuschung ist. Auf dem Weg zu ihr fährt er seinen französischen Roller zu Schrott, an dem er mit Emotionalität hängt, weswegen die Versicherungsangestelle Martha Brooks seinen Fall aufnimmt, ihn von nun an in einer Geste guten Willens überall hinfährt und seine Verbündete wider Willen wird. Chip Baskets wird seinen Traum nie aufgeben, das ist klar, selbst wenn die Welt ihm Steine in den Weg legt (oder aggressive Bullen, so gesehen) oder ihn zurück nach Bakersfield beordert. Er wird sich eine gewisse Unschuld bewahren, und das ist es, was wir an ihm so lieben.

Mrs. Baskets, beste Mutter dieses Planeten (Copyright: FX)
Mrs. Baskets, beste Mutter dieses Planeten (Copyright: FX)

Fazit

Ich muss sagen, ich habe die erste Staffel schon gebingewatcht, bevor ich diese Rezension geschrieben habe, kenne daher die ganze Reise unseres lieben Chip. Denn einmal angefangen konnte ich nicht wieder aufhören. Es ist die Kombination aus tiefer emotionaler Bindung zur Geschichte und den wunderbaren Charakteren, die ich alle einzeln liebe und die mich so gefesselt haben. Leider läuft die Serie bis jetzt nur in Amerika auf FX, aber bis sie in Deutschland ausgestrahlt wird, weiß jeder, wie man sie sich auch sonst anschauen kann. Tut es. Ihr tut Gutes.

5 von 5 witzig gemeinten aber so unlustigen Ansagen aus dem Cockpit, dass sie schon fast irgendwie rührend sind.

Jonas
Schnittlauchzüchter a.D.

Man muss Jonas nur ein Stichwort geben und gleich faselt er los, von Gott und unserem schönen blauen Globus und Geburtenraten und Gelenkwellenmittellagern, bis er bei unseren Ureltern Adam und Eva angekommen ist. Und keiner ist klüger als zuvor. Aber ihm machts Spaß, also lasst ihn doch, verdammt noch eins!

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