My Stuff – Was brauchst du wirklich?

"...zugleich lustig und ernst" Kuhlbrodt, taz.

Schau um dich herum – was von dem, was du siehst, brauchst du wirklich?
Die zweite Zitronenpresse, die so ein schönes Muster hat? Noch ein paar Gummistiefel, damit du eine Alternative hast, falls die andern mal nicht zum Outfit passen? Noch ein Teeservice?

Genau das hat sich der Finne Petri Luukkainen auch gedacht. In seinen Zwanzigern verlässt ihn seine Freundin, ein herber Schlag – doch Petri weiß, wie er sich tröstet: Konsum. Er kauft und kauft, er besitzt alles, was sein Geldbeutel hergibt. Das tröstet ihn zwar irgendwie, aber von Glück ist weit und breit keine Spur. Inmitten seiner eigenen Konsum-Überflutung hält er inne – so geht es nicht weiter.

Und mit dem Film beginnt er ein spannendes Experiment, welches sein Leben verändert…

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©mystuffmovie.de

Selbst-Experiment: Ballast loswerden

Petri Luukkainen macht also einen extremen Cut: er packt alles was er besitzt in eine private Lagerhalle. Nackt eilt er in seine völlig leere Wohnung, und los geht die hoffentlich erfolgreiche Reise aus seiner Existenzkrise. Die Regeln des Experimentes:

  • Sämtlicher Besitz ist in dem Lagerraum.
  • Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen.
  • Das Experiment dauert ein Jahr lang.
  • Er darf sich währenddessen kein einziges neues Ding kaufen.
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© mystuffmovie.de

Resetting…

Diese Dokumentation, die auch als Komödie gilt, besticht durch ihren Inhalt – inzwischen ist der private Besitz für uns alle ein relevantes Thema. Wir besitzen und kaufen, unsere Wohnungen stehen voller Dingen. Was davon wirklich wichtig ist, oder was davon nur Konsumgeilheit verkörpert, wer weiß das schon noch. Per Klick decken wir uns mit Dingen ein und zu, deren Besitz angeblich unser innigster Wunsch ist – zumindest in diesem Moment. Wenn die Dinge ausgepackt sind, werden sie jedoch oft nur ein paar Mal benutzt, und dann stehen sie in Regalen herum oder werden in Schubladen verstaut.

Besitz ist auch Verantwortung, und das heißt Sorge. Je mehr ich „habe“, desto mehr muss ich mich darum kümmern, dass es nicht verfällt, kaputt geht oder verloren geht. Jede*r von uns kennt das befreiende Gefühl, wenn man auf einem Ausflug einfach nur Geldbörse und Schlüssel dabei hat – keine Tasche voll mit Handy, Make-up, teuren Gegenständen. Man muss sich um nichts kümmern und keine Angst haben, etwas im Bus liegen zu lassen.

Bei Petri Luukkainnen wird das Extremszenario durchgespielt. Er wird inspiriert und zurück auf den Boden der Tatsachen geholt – auch von seiner Oma.

Ein sehr empfehlenswerter Film, denn nicht nur die Story sondern auch die Mache der Dokumentation überzeugen mich: ein guter Schnitt und ästhetische, klare Bilder erzählen mit einer ordentlichen Portion Humor vom Materialismus in unserer Welt. Der Film regt zum Nachdenken an und hat bereits hunderte Nachahmer inspiriert, es Petri gleichzutun.

Wer eine kleine Anleitung für Minimalismus sucht, kann auch gerne mal bei unserem 9 Tage Plan Minimalismus vorbeischauen – vielleicht schlummert in dir der nächste filmemachende Award-Gewinner 😉

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© mystuffmovie.de
Sophia
Die Räubertochter

Sophia taumelt zwischen Konzerten, Flohmärkten und Versuchspersonenstunden hin und her und versucht das Leben im Zaum zu halten – oder vielleicht ist es auch andersherum. Wenn sie nicht in Psychologie-Vorlesungen sitzt, treibt sie meist Unfug mit Texten, Musik oder FreundInnen und will Sachen machen. Die überzeugte Vegetarierin und selbsterklärte Ästhetikerin ist auf der Suche nach dem Besonderen im Leben und versucht uns mit Ideen, Tipps und Inspiration bei Laune zu halten.

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