MUSIQANA – Ein bisschen Aleppo in Berlin

Tarab – musikalische Ekstase. Eher ein Konzept als ein Genre, bei dem emotionale und poetische Texte auf abwechslungsreiche Musikgestaltung treffen: Mal langsam und dunkel, dann schnell mit einer ganz anderen Harmonie. Die Zuhörer von MUSIQANA werden mitgenommen auf eine gefühlvolle Reise, und die erzählt von Glück und Leiden, von Hoffnung und Liebe.

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Alaa, Abdallah und Adel (von links nach rechts). © MUSIQANA / Foto: konzertfotos.berlin

Musik im Exil

Die Künstler hinter MUSIQANA haben einiges zu erzählen. Und Abdallah, Alaa, Adel, Serdar und Amjad wollen erzählen – über ihre Kultur, über ihre Heimat Syrien und über ihre Musik. So kam es auch zu dem Namen MUSIQANA, was so viel bedeutet wie unsere Musik.
Die Band will den Berlinern zeigen, wie man in Syrien feiert. Obwohl das auch schwer fallen kann: Ihre Release-Party im Dezember hätte fast nicht stattgefunden. Es fühlte sich für die professionellen Musiker nicht richtig an, zu feiern und zu tanzen, während die humanitäre Krise in Aleppo immer drastischere Ausmaße annimmt.

“Every day there is tragedy, and every day we play music” sagt Adel.

Doch sie möchten denen etwas zurückgeben, die ihnen in Zeiten des Krieges eine Zuflucht boten, ein neues Zuhause gaben. So standen sie das allererste Mal zusammen in Berlin auf der Bühne, nachdem die Band im Januar 2016 von Abdallah und Alaa gemeinsam mit Rachel Clarke gegründet wurde. Rachel lernte Abdallah bei einem Konzert in Brandenburg kennen und lud ihn nach Berlin zu einem Benefizkonzert ein. Dort lernte der Sänger den Oud-Spieler Alaa kennen – die anderen kamen später dazu.

Von dem einsamen Reisenden

Die Tarab-Musik, die vor allem im Mittleren Osten sehr populär ist, wird umgesetzt durch einen spannenden Mix an Instrumenten: Gesang, Oud, Violine, Percussion, Gitarre und Bass.
In dem Lied Ya Nsafer Wahdak erzählt die erzählende Person von einem einsamen Reisenden, der nur kurz an ihr vorbeizieht. Das lyrische Ich wartet geduldig mit dem ganzen Herzen, viel Hoffnung und Tränen in den Augen auf eine Rückkehr. Doch die Angst ist groß, dass der vorbeiziehende Reisende sofort vergisst und die Begegnung ohne Bedeutung für den Verlassenden bleibt. Das Lied ist eine alte, sehr bekannte Melodie eines ägyptischen Sängers aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, was schon in vielen Versuchen gecovert wurde – diese Version ist besonders einfühlsam.

MUSIQANA hat ein selbst produziertes Album herausgebracht. Es heißt ‚El Helwa Di‘, das schöne Wesen. Die Musiker wollen die Klänge ihrer Heimat in den Westen bringen, gemeinsam musizieren und erzählen. Sie wollen sich in ihrem Beruf ausleben und als die gesehen werden, die sie sind:

Musiker.

Nicht Geflüchtete.

Abdallah, der Sänger, war mit seiner Tarab-Musik in ganz Syrien unterwegs und hatte zahlreiche Auftritte, bis er das Land verlassen musste. Die Mitglieder von MUSIQANA wollen nicht ihre Identität verlieren, und das werden sie hoffentlich auch nicht. Und diese musikalische und kulturelle Identität, die ist auch für das Publikum wichtig: Nicht bei der Willkommenskultur stehen bleiben, sondern Schätze und Traditionen der neuen Nachbarn kennenlernen und mit ihnen in Kontakt kommen.

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Das erste Konzert im Delphi Berlin. © MUSIQANA, Foto: adilevy.com

Das Konzert in der Kunstfabrik

Deswegen freut es die Band, wenn interessierte Zuhörer in ihrem Publikum sitzen. Menschen jeder Herkunft sind bei den Konzerten zum Zuhören, Mittanzen und Mitklatschen herzlich willkommen. Immer mehr Konzerte haben sie seit ihrem Debut gegeben, unter anderem auch im Grünen Salon der Volksbühne Berlin.
Und das nächste Konzert lässt nicht lange auf sich warten – am 21. Februar spielt MUSIQANA in einem der schönsten Jazzclubs Berlins: Der Kunstfabrik Schlot. Um 21.00 Uhr öffnen sich die Tore und die fünf führen euch musikalisch in eine andere Welt. Der Eintritt ist auf Spendenbasis, also warum nicht einen winterlich-tristen Dienstag mit wärmender Musik füllen? Auch ich versuche dort zu sein – und werde mich noch einmal mit der Band treffen um mit ihnen über ihre Geschichte und ihre Musik sprechen. Seid gespannt und freut euch schon mal auf das Konzert und einen Folgeartikel!

Sophia
Die Räubertochter

Sophia taumelt zwischen Konzerten, Flohmärkten und Versuchspersonenstunden hin und her und versucht das Leben im Zaum zu halten – oder vielleicht ist es auch andersherum. Wenn sie nicht in Psychologie-Vorlesungen sitzt, treibt sie meist Unfug mit Texten, Musik oder FreundInnen und will Sachen machen. Die überzeugte Vegetarierin und selbsterklärte Ästhetikerin ist auf der Suche nach dem Besonderen im Leben und versucht uns mit Ideen, Tipps und Inspiration bei Laune zu halten.

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