Brandaktuell: Mind Control von Stephen King

In der letzten Zeit hat Stephen King wegen des kindermordenden Clowns Pennywise in seinem Roman „Es“ von sich reden gemacht, jetzt legt der Star-Autor einen neuen Thriller vor, und auch da ist er sehr nah an der Realität:

Stephen King Mind ControlEin junger Mann fährt mit Absicht in eine Schlange von Leute, die für einen Job anstehen. Per Internet verhöhnt er die Fahnder, bis ihm eine Detektivin auf die Schliche kommt und ihn mit einem Totschläger so zurichtet, dass er sein nächstes Attentat, eine Explosion bei einem Popkonzert, nicht mehr verüben kann. Das klingt stark nach den Terroranschlägen von Paris 2015 und Nizza 2016. Der Roman wurde auch in den USA erst 2016 publiziert. Hat sich King an den Attentaten in Frankreich orientiert oder hat er beim Entstehen seines Romans vorgegriffen auf das, was erst kommen würde – das wäre bei diesem Großmeister des Psychogrusels nicht einmal überraschend.

Bei Stephen King wird der Attentäter

vor seinem 2. Terrorakt scheinbar unschädlich gemacht, überlebt aber, wenn auch eher vegetativ. Er kann sich nur schlecht bewegen, kann kaum reden und wirkt vollkommen teilnahmslos. Erst als es zu ein paar merkwürdigen Selbstmorden kommt, werden die Ermittler, die ihn seinerzeit verfolgten, wieder aufmerksam auf ihn. Und tatsächlich, er hat seinen behandelnden Psychiater so umgedreht, dass er ihn nicht nur fernsteuern kann, sondern seinen Verstand regelrecht besetzt. „Mind Control“ ist der stimmige Titel des Buchs, also eine Art Bewusstseinsbeherrschung, totale Fremdbestimmung mit fatalen Folgen.

Stephen King macht aus dem Plot kein süßes Geheimnis, das er erst am Ende lüftet. Vielmehr lässt er uns schon ziemlich früh erkennen, worum es geht. Die Spannung des Romans entsteht ganz anders: Einerseits in einer Parallelmontage zwischen Täter und Verfolger, so dass wir am Ende einen großen Showdown erleben. Zum andern aber nehmen wir Anteil an seinen Helden und Antihelden. Stephen King erzählt die Situationen, die Menschen, die Stimmungen so einfühlsam und nah, dass wir gar nicht erst nach hinten blättern wollen, um zu wissen, wie es ausgeht. Die Spannung hält sich Seite für Seite, weil King gewissermaßen ein König des fesselnden Erzählens ist. Gut gemachtes Buch, wer Spannung will, wird hier bestens bedient.

 

Stephen King, Mind Control,

Roman, aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt,

Verlag Heyne

Janina
eine Wortsammlerin

Janina ist gelernte Buchhändlerin und hat in München Theaterwissenschaften studiert. Sie betritt einen Bücherladen oft, ohne genau zu wissen, wonach sie greifen wird. Mal ist es das Cover, manchmal der Titel eines Buchs, der sie aufmerksam macht. Ist das Buch so gut geschrieben wie der Umschlag schön gestaltet ist? Erschließt ihr das Buch eine Welt, die sie noch nicht kennt, oder zeigt ihr Dinge, die sie längst von allein hätte sehen müssen? Diese Fragen stellt sich Janina nicht vorher, sondern beim Lesen. Janina mag die Abwechslung in Thema, Setting oder Stil, nur eines muss das Buch: Die Situationen, die Personen, die Handlung sollen auf jeder Seite etwas an sich haben, das es wert ist, dafür Zeit aufzubringen.

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