Wenn Piloten fliegen lernen, Vol. V: Chef’s Table

Ein Pilot ist die erste Folge einer Fernsehserie. Er soll den Mund wässrig machen und alle wichtigen Themen bespielen. Er ist die Serie im Miniformat.

Il maestro lavoratore
Il maestro lavoratore © Netflix

Chef’s Table (Netflix)

Über großartiges Essen Filme zu machen, ist eine der schwersten Sachen der Welt. Ist es doch schon schwer genug, einen Roman in einen Film zu verwandeln, so kommt es widersinnig vor, das mit einem Gericht zu versuchen. Beides sind Kunstformen, doch sind sie so unterschiedlich, dass es unmöglich scheint, eine angemessene Form zu finden, sie zu verheiraten.

David Gelb, der Creator von Chef’s Table, versucht sich zum wiederholten Male in dieser Disziplin. Hat er schon eine preisgekrönte Dokumentation über den Tokioter Sushimeister Jiro gedreht, so besucht er in dieser Netflix-Doku-Serie sechs verschiedene, herausragende Köche überall auf der Welt, und schaut sich ihre einzigartigen Herangehensweisen beim Zubereiten von Speisen an.

Ups, ich habe die Zitronentarte fallen gelassen

Im Piloten der Serie besucht er den 3-Sterne-Koch Massimo Bottura in Modena, der kulinarischen Hauptstadt Italiens. Massimo ist ein Italiener, wie er im Buche steht: Ein bisschen chauvinistisch, ziemlich charmant und total auf das Essen seiner Mamma fixiert. So führt er sein Restaurant „Osteria Francescana“ auch unter der Devise, dass sich seine Gäste an die kleinen Geschichten, die zum Essen in ihrer Kindheit gehören, erinnern. Aber er kopiert die Rezepte nicht eins zu eins: Auf unkonventionelle Weise interpretiert er sie neu. Als seinem Sous-Chef einmal die Zitronentarte herunterfiel, gerade als er sie servieren wollte, kreierte er ad hoc das Gericht „Ups, ich habe die Zitronentarte fallen gelassen“, zerbrach auch auf den anderen Tellern die Tartes und kleckerte die Zitronenmascarpone daneben, als sollte es so sein. Auch die anderen Gerichte lassen Massimos punkigen Charakter erkennen: Sie heißen „Tortellini wandern in die Brühe“, „Der knusprige Teil der Lasagne“ oder „Eine Kartoffel wartet darauf, zum Trüffel zu werden“.

Huch
Huch © Netflix

Fazit

David Gelb hat ein sehr interessantes Format geschaffen, eines, das sich auf jeden Fall gut gucken lässt. Es ist spannend zu sehen, wie ein Sternekoch wie Massimo zu seinen Ideen kommt, und es macht Sinn, seine Gerichte in satten Farben, Full HD und mit Vivaldi unterlegt zu betrachten. Doch irgendwie bleibt ein schaler Geschmack im Mund. Sind es die etwas romantisierten Geschichten über Massimos Weg zum kultigen Sternechef, sind es die auf Dauer etwas nervig eintönigen Lobgesänge auf den Koch, oder wirklich der Fakt, dass man Essen einfach essen muss? Wir wissen es nicht, und schieben uns erstmal eine TK-Pizza in den Ofen. Guten.

 

2,5 von 5 abgepackten Hühnchensandwiches, obwohl man eigentlich Käse bestellt hatte.

Jonas
Schnittlauchzüchter a.D.

Man muss Jonas nur ein Stichwort geben und gleich faselt er los, von Gott und unserem schönen blauen Globus und Geburtenraten und Gelenkwellenmittellagern, bis er bei unseren Ureltern Adam und Eva angekommen ist. Und keiner ist klüger als zuvor. Aber ihm machts Spaß, also lasst ihn doch, verdammt noch eins!

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