#FOMO oder #JOMO? Warum du eigentlich nie etwas verpasst.

FOMO, „Fear of missing out“, ist die erste Social Media Krankheit und mittlerweile leider so verbreitet, dass sie einen Eintrag im Oxford Dictionary bekam. Wir stehen ständig unter Strom und stressen uns selbst. Es spricht zwar jeder von Entschleunigung, verschiebt den guten Vorsatz aber regelmäßig auf unbestimmte Zeit – man könnte ja etwas verpassen. 

Das Gefühl, etwas zu versäumen, seine Freizeitgestaltung falsch gewählt zu haben oder sich „am Arsch der Welt“ zu befinden, existiert nicht erst, seit es Smartphones und Facebook gibt. Wenn der halbe Freundeskreis auf eine Party gegangen ist, erlag man schon immer mal ganz gerne dem Gruppenzwang und blieb dann auch, wenn es langweilig war. Es könnte ja noch was Tolles passieren. Wenn ein Blockbuster mit ein paar Superlativen versehen wurde, war das Kinoticket lieber gestern als heute gekauft.

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Was die sozialen Medien mit sich gebracht haben, ist die ständige Option, FOMO zu kurieren. Und es dadurch langfristig zu verschlimmern. Es ist so wie ständig verfügbares Nasenspray bei Atemschwierigkeiten, was dazu führt, dass man alle halbe Stunde dazu greift, um weiterhin gut atmen zu können. Oder wie der Hauptprotagonist aus Fight Club vermutlich sagen würde: „Sie ist wie ein Kratzer am Gaumen, der abheilen würde, wenn man aufhören könnte, mit der Zunge daran herum zu fummeln. Aber man kann nicht.“

Soziale Medien sind wie Öl im Feuer

„Dieses mulmige Gefühl, was uns beschleicht, wenn wir das Handy nicht in der Hand haben und bei einer Facebook-Pushnachricht schlagartig ins Gegenteil umschlägt, gleicht einem ‚Standby-Modus abwartender Aufgeregtheit'“, wie es Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft, adequat auf den Punkt bringt. Das Resultat ist oft zielloses Herumscrollen durch Urlaubsbilder und Statusmeldungen, das die Unzufriedenheit eher schürt als lindert.

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Ist JOMO das neue FOMO?

Ein solch allgegenwärtiger Hype erzeugt bei Individualisten fast zwangsweise eine gewisse Anti-Haltung, weshalb zunehmend die „Joy of Missing“ out propagiert wird, in der Kurzform JOMO. Das bedeutet nicht, dass man sein Leben von nun an meditierenderweise als Eremit im Himalaya fristet oder alle Yolo-Prahlhänse bei Facebook löscht. Man übt einfach mal wieder, sich selbst zu genügen und sich unabhängig zu machen. Irgendetwas wird man immer verpassen, auch und gerade wenn man ständig das Smartphome vor der Nase hat oder permanent von einer Party zur nächsten hetzt. Und wem auf der Welt hat man schon etwas zu beweisen? Meistens kommt das Glück  auf wundersame Weise zugeflogen, wenn man sich entspannt, statt es zu jagen.

Wer ist besonders von FOMO betroffen?

Besonders ausgeprägt ist Fomo bei der Generation Y, den „Digital Natives“, also denjenigen, die ein Leben ohne Internet nie kennengelernt haben. Unsere Kinder sind mit der permanenten Verfügbarkeit und dem damit einhergehenden Erwartungsdruck an sich und andere aufgewachsen. Der Medienratgeber SCHAU HIN – eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Sender Das Erste und ZDF, sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM – hat sich in einem unterhaltsamen und informativen Videobeitrag speziell mit dieser Problematik beschäftigt:

Was bedeutet FOMO?

  • FOMO bedeuter „Fear of missing out“ und ist ein weitverbreitetes Phänomen des Zeitalters sozialer Medien
  • Wir haben durch ständige Informationen zu tollen Erlebnissen anderer schnell das Gefühl, etwas zu verpassen
  • Dadurch entstehen Selbstzweifel durch Unsicherheit, seine Freizeit nicht richtig zu koordinieren oder am falschen Ort zu sein

Welche Symptome deuten auf FOMO hin?

Anzeichen für FOMO können sein:

  • Traurigkeit: Frust und niedergeschlagene, neidische Stimmung, wenn andere etwas Tolles erleben -> suchtartige Angst wird gesteigert
  • Zwang: Unfähigkeit, dem ständigen Überprüfen banaler Postings zu widerstehen
  • Unsicherheit: Zweifel daran, ob die eigenen Entscheidungen bezüglich Freizeitgestaltung richtig sind
  • Druck: Bedürfnis, auch etwas zu posten, wenn man andere bei ihren Hobbies sieht; im Extremfall frei erfundene Inhalte
  • Stress: Ständige Unruhe auf der Jagd nach tollen Erlebnissen, um konkurrenzfähig zu bleiben

 

Daniel
Der Professor

Daniel leidet unter chronischem Fernweh, weil er seiner Reiseleidenschaft aus finanziellen Gründen viel zu selten nachkommen kann. Seinen überdurchschnittlich gesunden Lebensstil versucht er an Wochenenden durch die ein oder andere Party zu kompensieren. Er ist, seit er denken kann, Vegetarier und kann mehr über Antioxidantien und Aminosäuren erzählen, als über das aktuelle Weltgeschehen.

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