Elena Ferrante: Die Saga geht weiter!

Nur ein paar Monate nach den Enthüllungen über die rätselhafte Erfolgsautorin Elena Ferrante, kommt am 10. Januar der 2. Band der aufregenden Bestseller-Saga um zwei Freundinnen und ihre unterschiedlichen Lebenswege in die deutschsprachigen Buchläden: Die Geschichte dreier Familien im tiefsten Neapel, eine Mädchen-Freundschaft, die in Eifersucht und uneingestandenem Neid, in Verrat und Versöhnung mündet. Wir haben es schon vorab für euch gelesen.

 

Elena Ferrante, Die Geschichte eines neuen Namens

Roman. Aus dem Italienischen von Karin Krieger

Gebunden, 624 Seiten, 25 Euro

Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-42574-9

 

Mit sechzehn Jahren fühlen sich Elena und Lila wie in einer Sackgasse. Beide werden schnell erwachsen, junge Frauen mit unterschiedlichem Lebensweg. Elena erzählt uns von ihrer Freundin Lila, die zu jung heiratet, um wenigstens einen einzigen ihrer sowieso schon nicht extravaganten Lebensträume jemals verwirklichen zu können. Lila, kaum dass ihre Hochzeit gefeiert ist, fühlt sich mit dem neuen Namen, als sei sie nicht mehr dieselbe. Es kommt aber schlimmer: Ihr Bruder und ihr Bräutigam lassen es ihr gegenüber schon am Hochzeitstag an Loyalität fehlen.

Elena dämmert schon während der Trauung von Lila, dass es ihr selbst weder zu Hause noch sonst irgendwo gut gehen wird. Sie schwankt zwischen Antonio, einem einfachen Jungen, sowie dem Sohn eines Dichters. Antonio ist eifersüchtig, und um ihn zu beruhigen, geht Elena mit ihm regelmäßig an einen verlassenen Winkel ihres Viertels, um ihn sexuell zufriedenzustellen. Auf diese Art erleben wir schon bei Seite 30 eine ausgedehnt erotische Szene, beschrieben aus der Sicht einer Frau.

Elena Ferrante Band 2 – Eifersucht, Liebe und Täuschung vor der Kulisse des Meeres

Tatsächlich geht es um die Rivalität zweier Freundinnen, von denen sich die eine – die intelligentere und stärkere Lila – aus den Niederungen einer misslungenen Ehe mit Hilfe eines an den Hals ihres Mannes gesetzten Messers befreit, während die andere vor Faszination für ihre Freundin gar nicht imstande ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Zu Beginn erzählt Elena von den Tagebüchern ihrer Kindheits- und Jugendfreundin, die diese ihr zur Aufbewahrung anvertraut. Elena muss schwören, dass sie nicht hineinsehen wird, und nicht einmal eine halbe Stunde nach dem Abschied liest sie schon darin. Es ist das Elend von Lilas Ehe, das hier vor uns in der Reflexion Elenas ausgebreitet wird.

Lila, ein Ausnahmekind mit hoher Intelligenz, Erfindungsgabe und Fleiß, merkt bald, dass andere sie ausnutzen: Ihre Ideen bereichern die väterliche Schusterwerkstatt, die sich zu einem eigenen angesagten Label für Schuh-Mode entwickelt. Eine Zeit lang lässt sie es sich gefallen, dann begehrt sie auf, befreit sich von ihrem Gatten und setzt sich ab, um in das harte Leben einer Fabrikarbeiterin zu verschwinden.

Elena hingegen erweist sich zunächst als die Brave bei der Wahl zwischen Anpassung und Unterwerfung auf der einen Seite, sowie dem Entschluss, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie wird zu einer Muster-Studentin, aber jetzt soll sie der Familie helfen, Lila wiederzufinden. Doch die bleibt vorerst verschwunden.

Das Schicksal der Frauen

Elena Ferrante lässt uns mit ihrer Heldin diesen so schnell vergehenden Zeitraum der Jugend zweier Mädchen durchstreifen, erzählt, wie sie sich verlieren und wiederfinden vor dem Hintergrund eines Neapel und eines Italien, in denen  sich zusammenbraut, was die heutige Krise des Landes ausmacht – zwei Frauengestalten, die sich ineinander spiegeln und oft nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander sein können. Es ist die Fortsetzung der Kinderfreundschaft, die beide Frauen fürs Leben prägt und uns in Erinnerungen unserer eigenen so überaus wichtigen Mädchenbande schwelgen lässt.

Elena Ferrante macht von sich reden. Im vergangenen Sommer ging es nicht nur um den ersten Band dieser GeschichteMeine geniale Freundin, sondern vor allem auch darum, wer sich hinter dem Namen Ferrante verbirgt.

 

Bei Elena Ferrante geht  es immer um die Emanzipation der Frau, der Frauen, hinaus aus den Klammern der Familie in ein selbstbestimmtes Leben – hier in der zweiten Folge ihrer Reihe von vier Romanen, die uns in das Italien der vergangenen Jahrzehnte versetzen und diese Geschichte einer Frauenfreundschaft bis in unsere Zeit fortspinnen. Ein so packendes wie unterhaltsames, zuweilen etwas sentimentales Epos aus einer Welt, die unsere Großeltern bei ihren Italien-Reisen einmal erlebt haben. Für uns ein dramatisches Abenteuer um Liebe und Verrat, um Konkurrenz und Täuschung.

 

Janina
die Wortsammlerin

Janina ist gelernte Buchhändlerin und hat in München Theaterwissenschaften studiert. Sie betritt einen Bücherladen oft, ohne genau zu wissen, wonach sie greifen wird. Mal ist es das Cover, manchmal der Titel eines Buchs, der sie aufmerksam macht. Ist das Buch so gut geschrieben wie der Umschlag schön gestaltet ist? Erschließt ihr das Buch eine Welt, die sie noch nicht kennt, oder zeigt ihr Dinge, die sie längst von allein hätte sehen müssen? Diese Fragen stellt sich Janina nicht vorher, sondern beim Lesen. Janina mag die Abwechslung in Thema, Setting oder Stil, nur eines muss das Buch: Die Situationen, die Personen, die Handlung sollen auf jeder Seite etwas an sich haben, das es wert ist, dafür Zeit aufzubringen.

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