Lauren Singer – Vier Jahre Müll in einem Einmachglas

Eigentlich ist Lauren Singer eine ganz normale junge Frau aus New York –  mit einer grundlegenden Besonderheit: Sie produziert fast keinen Müll. Den Beweis bietet ein kleines Einmachglas, in dem sie den kompletten Abfall der letzten vier Jahre aufbewahrt. Im Gegensatz zum Durchschnittsamerikaner, der täglich zwei Kilo Müll produziert, hat sie in der Zeit fast 3000 Kilo Müll eingespart.

„Ich kompostiere und recycle, aber selbst das sind bei mir nur absolute Notlösungen.“ Erklärt die 25-jährige, deren Blog Trash is for Tossers über die Möglichkeiten aufklärt, Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren. Dort findet man unter anderem auch eine Liste mit Läden, in denen man verpackungsfrei einkaufen kann, indem man die Lebensmittel in mitgebrachte Behälter füllt.

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Lauren Singer ©www.cnn.com

Tschüss Plastik

Während ihres Studiums der Umweltwissenschaften an der New York University nahm alles ihren Anfang. Schon damals entdeckte Lauren Singer ihre Leidenschaft für Nachhaltigkeit  und demonstrierte in ihrer Freizeit gegen Ölkonzerne. Ansonsten beschränkte sich ihr Engagement aber vorerst auf die Theorie im Vorlesungssaal. „Eines Tages ging ich nach dem Unterricht nach Hause, öffnete den Kühlschrank, um mein Abendessen zuzubereiten und merkte, dass jedes einzelne Lebensmittel, was ich darin fand, in Plastik verpackt war.“

Ein Glas voller Müll

Es war ein absoluter Schlüsselmoment für Lauren Singer, die sich daraufhin zunächst zu einem plastikfreien Leben entschloss und wenig später anfing, komplett auf Müll zu verzichten. Wenn man bedenkt, dass fast alles in unserem Leben in Plastik verpackt ist – vom Käse über Plastiktüten bis zur Zahnbürste – klingt das nach einem Ding der Unmöglichkeit. Allerdings ist Singer der Meinung, dass es ihr jeder leicht gleichtun kann. „Ich bin unglaublich faul – ich würde nicht einmal im Traum an ein müllfreies Leben denken, wenn man dazu Zeit investieren müsste oder Arbeit entstehen würde. Ganz im Gegensatz dazu, was Leute denken oder vielleicht vermuten, ist es tatsächlich sehr einfach.“

Leichter als gedacht

Es sind letztendlich nur kleine Veränderungen, die nötig sind. Lauren Singer schlägt beispielsweise vor, den Strohhalm wegzulassen, wenn man sich einen Drink in einer Bar bestellt oder einen Stoffbeutel mit zum Einkaufen zu nehmen. Zahnpasta stellt sie selber her, weil es einfach keine ohne Plastikverpackung gibt: „Jeder hält es für aufwendig, eigene Zahnpasta herzustellen, allerdings finde ich es viel schwerer, rauszugehen und mir welche zu kaufen. Ich müsste mich anziehen, zum Laden laufen, die Zahnpasta kaufen und zurücklaufen, woraufhin ich 8 Dollar und 30 Minuten meines Tages verschwendet hätte. Wenn ich sie selber herstelle, brauche ich 3 Zutaten, kann es nackt in meiner Küche tun, es dauert 30 Sekunden und kostet mich nicht mehr als 50 Cent.“

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©www.cnn.com

Was ist eigentlich in dem Glas, Lauren Singer?

Auch wenn Lauren mit ihrer Vermeidungs- und Selbstherstellungstaktik sehr erfolgreich ist und mittlerweile eine wahre Expertin des müllfreien Lebens geworden ist, scheint es nicht möglich zu sein, wirklich zu 100 Prozent auf Müll zu verzichten: Immerhin reicht es für den Inhalt eines Einmachglases. Kleine Aufkleber auf Obst und Gemüse können beispielsweise nicht recycelt werden und obwohl sie nur in Secondhandläden einkauft, enthalten die Klamotten oft noch Plastikschildchen, die sofort ins Glas geworfen werden, um die kleine, aber stolze Müllsammlung zu bereichern.
„Hierbei handelt es sich um Müll, den man nicht wiederverwerten kann. Ich mag es, ihn aufzuheben, um zu sehen, welche Probleme schwer auszumerzen sind.“ Lauren Singer hat die Hoffnung, das Problem der Mülldeponien zu lösen, indem sie Menschen dazu inspiriert, ihr Konsumverhalten zu ändern und somit weniger Müll zu produzieren.

Wie schafft man das nur?

Der einfachste Weg zu einem müllfreien Leben ist, einfach damit anzufangen. Ob es Mehrwegflaschen sind oder der samstägliche Besuch des Wochenmarktes, man muss den ersten Schritt machen, möge er auch noch so klein sein. Hilfreich ist es auch, den Müll zu untersuchen und zu kontrollieren, ob man viel Essen wegschmeißt. Wenn dem so sei, gibt Lauren den Tipp, kleinere Einkäufe zu tätigen und immer nur so viel zu kaufen, wie man braucht. Zur Vollendung bringt man die neue Lebenseinstellung, indem man nachhaltigere Produkte benutzt wie eine Bambuszahnbürste, traditionelle Seife am Stück statt Flüssigseife in Plastikspendern, oder Essig statt kommerziellen Reinigern. Am Ende ist das ganze sogar billiger.

Daniel
Der Professor

Daniel leidet unter chronischem Fernweh, weil er seiner Reiseleidenschaft aus finanziellen Gründen viel zu selten nachkommen kann. Seinen überdurchschnittlich gesunden Lebensstil versucht er an Wochenenden durch die ein oder andere Party zu kompensieren. Er ist, seit er denken kann, Vegetarier und kann mehr über Antioxidantien und Aminosäuren erzählen, als über das aktuelle Weltgeschehen.

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