Essen auf Rädern: Ikea springt auf den Streetfood Truck auf

Top oder Flop?

Streetfood

Foodlover’s Paradise

Street Food Märkte boomen. Wie bunte Pilze schießen sie aus den asphaltierten Groß- und Kleinstadtböden.
Nicht mehr nur hippe Foodmetropolen wie Berlin und Hamburg verwöhnen ihre Besucher an den Wochenenden mit kulinarischen Raffinessen, serviert aus dem Seitenfenster eines umgebauten VW-Busses, nein, auch von Heilbronn bis Rostock schlemmt man sich auf Festivals des feinen Fressis durch saftige Pulled Pork Sandwiches, vegane Bibimbaps, brasilianische Pfannkuchen und glasiertes Blutwurstrisotto mit Grünkohlcroutons, spült das ganze mit ordentlich Craft Beer und einem artyfarty Lavendel-Gin-Trunk runter und gönnt sich zum Dessert noch ein Bacon-Maple-Sirup-Eis. Yum.

Was möchte die Autorin damit sagen? Fressneid generieren, Magensäfte anregen, damit angeben, was für ein kosmopolitischer Gourmethipster sie gar ist?

Weder noch. Im Gegenteil: Streetfood ist längst im Mainstream angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen es auf Straßenfesten außer Bratwurst und Pommes keine kulinarischen Verlockungen gab. Streetfood ist so verdammt cool, dass es fast schon wieder uncool ist. Was für ein Dilemma.

Die Ikea Streetfood Tour

Bestes Beispiel: Ikea. Jaja, der Möbelschwede, den wir sonst vor allem dank Billy kennen. Aber eben auch wegen Köttbullar. Also dachte sich wohl jemand in der Marketingabteilung im fernen Schwedenien: Mensch, Street Food Festivals so weit das Auge reicht, zahlungskräftige Zielgruppe. Da müssen wir mitmischen!

Ihr merkt schon, ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll… Fakt ist aber, dass Ikea vom 17. Mai bis zum 5. Juni zwei um- und ausgebaute Doppeldecker-Busse mit Showküche und Bistro auf Tour quer durch Deutschland schickt, um insgesamt 25 Städte im Rahmen verschiedener (Street Food) Veranstaltungen mit schwedischen Hot Dogs zu beglücken – die Ikea Streetfood Tour! Auf der zugehörigen Facebookseite erschließt sich zumindest mir nicht, was genau denn da kredenzt werden soll. Ist aber vielleicht auch Teil des Konzepts, um die hungrigen Mäulchen in Scharen anzulocken. Ganze 103 Leute haben bisher zugesagt, scheint also aufzugehen, das Konzept. Nicht.

IKEA_Schwedenbistro auf Achse
Zwar nicht der versprochenen Streetfood Bus, dafür aber das offizielle Pressebild von Ikea zur angekündigten Deutschland Tour. Foto: ikea

Seien wir ehrlich: Jeder von uns war schon mal bei Ikea einkaufen, der eine öfters, der andere nur sporadisch. Und vermutlich jeder hat sich nach erfolgreichem Shoppen den Frust darüber, schon wieder unnötigerweise eine Packung Teelichter und eine Grünpflanze aus der SB-Abteilung erstanden zu haben, einen Hot Dog samt Knusperzwiebeln und Schwabbelgürkchen gegönnt. Und seien wir noch ehrlicher: In solchen Momenten der konsumverschuldeten Erschöpfung schmeckt nichts besser als ein labberiger Ikea – Hot Dog!

Die Mainstreamisierung des Streetfoodlandes

Das Konzept von Streetfood Märkten hingegen ist ein anderes. Da geht es nicht darum, einen möglichst günstigen Snack fürn Euro zu bekommen.

Vielmehr bieten Streetfood Märkte den Besuchern die Chance, viele verschiedene, neue Speisen aus aller Herren Länder kennenzulernen und zu probieren, meist mit einem Fokus auf regionalen Zutaten. Die lukullische Horizonterweiterung, die so ein Streetfood Markt, sofern er denn wohl kuratiert ist, mit sich bringt, macht höchst glücklich. Wie eine Weltreise, kulinarisch gesehen, von Vietnam nach Peru bis ins tiefste Bayern, zwischendurch zum Bloody Mary die erste Auster des Lebens schlürfen, ein wenig Schnacken hier, ein paar Hintergrundinfos zu Speis und Trank dort.
Und jeder kommt auf seine Kosten: Veganer und Fleischliebhaber, Glutenintolerante, Burgerjunkies, Ich-hab-schon-gegessen-und-will-nur-noch-was-trinken-Freunde, Nimmersatts, Zu-spät-kommer und Früher-gehen-müsser. Gerade die bekommt man ja sonst selten unter einen Food-Hut.

Streetfood Truck
Gleichzeitig bieten Streetfood Märkte jungen Gastronomen die perfekte Möglichkeit, den eigenen Marktwert auszutesten, zu experimentieren, Marktforschung direkt am Kunden zu betreiben und sich eine treue Fangemeinde aufzubauen. Nicht wenige Streetfoodköche der ersten Stunde haben sich dank harter Arbeit und leckerer Kost einen tadellosen Ruf und mittlerweile einen eigenen Laden erarbeitet.
„Support your local dealer“, heißt es immer wieder, und richtig so, nehmt nicht immer nur den Mund voll, sondern lebt es auch: Unterstützt die Manufaktur an der Ecke, kauft bei lokalen Kleinunternehmern, die mit dem Gewinn ihre Miete zahlen, die Sportschuhe ihrer Kinder kaufen, die Stromrechnung und den Wochenendausflug zum Wannsee finanzieren.

Und was hat das jetzt mit Ikea zu tun?

Genau das frage ich mich auch…

 

Sibylle
Rotkäppchen

Hat einen Faible für schöne, unnütze Dinge – und ist somit bei Zitronenzauber zuständig für Deko und Interior, Lifestyle und ästhetisches Allerlei. Ihre andere große Leidenschaft: Essen. Also Essen essen. Und Essen machen. Und drüber schreiben. Yum. Geht immer: Bier, Käse und Schokolade. Flamingos. Überhaupt alles was Rot ist. Reisen. Riesenräder. Geht gar nicht: Bananen. Winter und kalt. Bananen. Und Bananen.

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