Tiefkühlpizza? Trotzdem Delikatesse!

Irgendwo im Nirgendwo von Reinickendorf im Norden von Berlin, in einem Industriegebiet, produziert die Familie Giannini Tiefkühlpizza – und beweist, dass gute Pizza auch tiefgekühlt möglich ist.

die Familie Giannini
Die Gianninis

Pizza für 1 Euro?

Auf dem Weg zum Eingang der Manufaktur kommt einem der Duft von frischem Hefeteig in die Nase. Direkt am Eingang steht eine Tafel, die auf den Werksverkauf hinweist. Zwei Pizzen mit Tomatensauce für einen Euro liegen in der Tiefkühltruhe. Ein Euro? „Der Boden ist etwas zu dunkel geraten“, Vincent Giannini, Geschäftsführer von GiaPizza und Sohn von Margareta und Andrea, zeigt ein paar dunkle Streifen. Für den Gastronomen, der die Pizza im Ofen aufbackt, birgt das ein Risiko. Für zu Hause, für den heimischen Backofen, der vielleicht gerade mal 300 Grad erreicht, ist das kein Problem.

Es geht in ein Vorzimmer, es kommt die Haube auf den Kopf, die Schuhe bekommen auch welche, der Kittel schützt vor eventuellen Verunreinigungen und los geht es. Der erste Blick? Verwirrend. Denn die Produktion funktioniert wie ein Kreislauf. Also sind Anfang und Ende dicht nebeneinander. Doch schnell geht es um die Ecke, zur Backstube. Ermanno Giannitti erzählt, dass er gerade mal seit acht Wochen dabei ist. Vorher hat er im Adlon gearbeitet. Jetzt hat ihn die Leidenschaft gepackt, und er will im Familienbetrieb mit dabei sein. Apropos Leidenschaft: die scheint genetisch vererbt zu sein. Denn alle Gianninis arbeiten mit hohen Ansprüchen, mit Qualitätsbewusstsein und Temperament in der Pizza-Manufaktur, die es mittlerweile seit neun Jahren gibt.

Vier Mehlsorten stapeln sich vor dem Raum mit den Teigmaschinen und der Gärkammer. Mehl und Bio-Mehl aus Italien, aus Modena, konventionelles Weizenmehl aus der Region und Hartweizengrieß. 250 Kilogramm Teig wird in den Rührmaschinen hergestellt. Und er hat Zeit zu gehen. Mit Fingerzeig auf eine Tür erklärt Vincent, dass dort „der Sauerteig für die Pizza von übermorgen entsteht.“

der Teig kommt raus
Genaueres will er dann aber auch nicht weiter verraten. Nur so viel, dass im weiteren Prozess der Teig nicht strapaziert werden darf, wenn er zu runden Teiglingen geformt wird. Die kommen in Plastikwannen, werden übereinander gestapelt und wieder 24 Stunden zum Gehen in Ruhe gelassen. Dann werden die Teigkugeln zu Fladen ausgerollt. Das ist ein ausgeklügeltes System, das die Gianninis mit italienischen Ingenieuren gemeinsam entwickelt haben. Keine Fotos! „Wir passen die Maschinen unserem Produkt an und nicht umgekehrt“, Vincent Giannini sieht darin ganz deutlich den Qualitätsunterschied zu der Produktionsweise der Mitbewerber. Auch, dass bevor die Tomatensauce (aus Umbrien) mit einer Art überdimensionalem Stempel auf den Pizzaboden kommt, noch zwei Bäcker Hand anlegen und noch einmal jedes Teigstück zurecht rücken. Jede Pizza ist ein Unikat.

pizza mit Soße kommt aus dem Ofen

Tiefkühlpizza nicht nur für Großhändler

Der mit Tomatensauce belegte Boden geht in den Ofen bzw. fährt auf einem Laufband aus Schamottsteinen durch die 500 Grad heiße Ofenstraße. Danach sind es zahlreiche Frauen, die an diesem Tag Salami und Käse auf die vorgebackenen Böden verteilen. „Heute produzieren wir Bio-Pizza für die Marken Biopolar und Heisszeit“, erklärt Ermanno Giannini. „Außerdem sind wir dabei, Faltschachteln unter der Marke Giapizza für den konventionellen Einzelhandel zu gestalten, damit auch Privatpersonen unsere Pizza deutschlandweit erwerben können. Das startet ab September in ausgewählten Märkten.“

Es wird auf Anfrage produziert. Bis zu 10.000 Produkte gehen raus – neben Pizza hat sich die Manufaktur zusätzlich auf Focaccia und andere italienische Brotsorten, Rondino, Piadina, spezialisiert.

pizza mit belag

Doch davor gehen die fertig belegten Pizzen in den Schockfroster, danach kommt die Bio-Pizza, nachdem sie in Folie eingeschweißt wurde, in den Pappkarton. Während die konventionell hergestellten Pizzen ohne zusätzliche Verpackung die Produktion verlässt. So erkennt der Kunde auch schon, wie die Pizza tatsächlich aussieht. Und wie sie schmeckt? Die Gianninis backen mal schnell eine Pizza Margherita Buffala und eine mit Sucuk und Foccacine auf. In aller Offenheit: Eine bessere Pizza aus der Tiefkühlabteilung gibt es kaum. Denn wie Vincent Giannini betont, sämtliche Zutaten entsprechen höchsten Qualitätsansprüchen. „Pizza ist für uns eine Delikatesse.“

GiaPizza
Holzhauser Straße 142a, Tel. 030 81 70 87 08

Foto: Die Gianninis: Cousin Lorenzo, der älteste Sohn Vincent, die Eltern Margareta und Andrea, sowie Ermanno, der jüngere Spross

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