Die Supermarkt-Falle

Eine Reise voller Verführungen und Gefahren

Ist dir das auch schon passiert? Du wolltest auf dem Heimweg nur noch schnell Eier und Mehl kaufen, und ehe du dich versiehst, verlässt du den Supermarkt mit 10 weiteren Produkten? Vielleicht hast du das Mehl auf deiner Expedition durch die Regale sogar vergessen? Mach dir keine Vorwürfe! Du bist wahrscheinlich wieder einmal Opfer perfider Verkaufstricks geworden, denen sich kaum einer von uns entziehen kann. Ganze Berufszweige beschäftigen sich nur mit der Frage nach unserem Verhalten als Käufer und Konsumenten, sowie den Kniffen, mit denen wir uns zu noch mehr Spontaneinkäufen bewegen lassen.

Apfel auf den Augen

Denn ja, etwa 70 Prozent unserer Käufe tätigen wir spontan, getrieben von der Lust an der Belohnung und dem Wunsch nach Wonne. Kaufen macht glücklich, und das gilt auch für Lebensmittel und Haushaltsreiniger.

Das Ambiente muss stimmen

Um uns richtig einzustimmen auf unser Großkauferlebnis, müssen wir uns wohlfühlen. Angenehmes Licht, behagliche 19 Grad, charmante Musik, ein Vertrauen einflößender Duft –  Kaiser’s und Konsorten tun wirklich alles dafür, dass es uns bei ihnen gut geht. Und das, obwohl wir viele ihrer Maßnahmen gar nicht bewusst wahrnehmen.

Nur ganz nebenbei verfolgen die Läden natürlich auch noch das Ziel, so viele Artikel wie möglich an uns loszuwerden. Damit dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt ist und bleibt, gibt es das P.O.S Marketing. P.O.S bedeutet point-of-sale, also übersetzt Verkaufsort, und der steht im Mittelpunkt der Forschungen. Bis ins kleinste Detail werden die einzelnen Kundenfallen konzipiert und eingebettet.

Wie zum Beispiel die Sache mit dem Geruch, mit dem sich das Duftmarketing beschäftigt – eine sehr effektive Disziplin. Denn der Vorteil des Duftes ist, dass er schneller wirkt als alle anderen Sinnesreize. Der Geruch bestimmt den ersten Eindruck, und auch das Erinnerungsvermögen an Düfte ist deutlich ausgeprägter als bei den anderen Wahrnehmungsarten. Die Kunst ist aber, einen Duft knapp an der Wahrnehmungsschwelle anzusiedeln, damit er uns beeinflusst, ohne dass wir es merken.

Ganz genau durchdacht

RegalkopfUnsere Reise beginnt, forsch betreten wir das Terrain. Aber schon die Pflanzen und Schnäppchen am Eingang sollen uns abbremsen, und unseren Vorsatz nach einem schnellen Durchmarsch zunichtemachen. Bald kommen wir zur gemütlich natürlichen und wohlmöglich verspiegelten (daher riesig wirkenden) Frischeinsel, wo die bunten Obst- und Gemüsesorten sowie der Duft nach frischen Backwaren uns in Kaufstimmung bringen. Wir fangen an, uns gegen den Uhrzeigersinn durch den Laden zu bewegen, denn Supermarkt-Gestalter wissen, dass das für die überwiegende Mehrheit von uns die natürliche Route ist. Wer sich jetzt auf seine Einkaufsliste besinnt und nach Grundnahrungsmitteln sucht, muss lange Laufwege in Kauf nehmen, denn die befinden sich meist gut versteckt in den Regalen. Was Supermärkte an uns verkaufen wollen, sind eben nicht Eier und Mehl, sondern Waren mit hoher Marge.

Überhaupt werden alle Produkte im Geschäft psychotaktisch optimal platziert: die teuren auf Sichthöhe und an den Enden der Regale, für günstigere Waren in der Regalmitte müssen wir die Reihen ablaufen, vorbei an vielen Angeboten. Und wir müssen uns strecken und bücken, wollen wir an die echten Schnäppchen gelangen, denn auf Augenhöhe befinden sich grundsätzlich die Produkte, die der Laden schwerer und lieber verkauft.  So liegt dann die Zahnpasta, die wir immer wieder benötigen, etwas höher oder tiefer, damit unser Blick erst auf die Zahnbürsten fällt, die wir bei Gelegenheit auch mal ersetzen könnten.

Das Auge kauft mit

Die Optik macht’s. Ob beim Wagen oder der Verpackung, auf die Größe kommt es eben doch an. In großen Einkaufswagen sehen zwei einzelne Produkte verloren aus, so dass wir ein weiteres Mal zuschlagen. Und wenn wir partout für ein Produkt nicht mehr bezahlen wollen, dann reduzieren Erzeuger zu Hauf einfach den Inhalt, wobei die Verpackungsgröße oft die gleiche bleibt. Denn was wir uns vielleicht doch gemerkt haben, ist der Preis, was den Hersteller zu anderen Maßnahmen treibt, wie etwa Aufschnitt-Packungen mit unverständlichen 80g Wurst drin oder hübschere Schälchen mit 200 Gramm Butter statt der klassischen 250 Gramm. Auf diese Art gelingt es nur den wenigsten von uns, die überteuerten Mogelpackungen zu entlarven.

Delirium

Und dabei sind wir doch eigentlich immer auf Schnäppchen-Jagd. Aufsteller mit speziellen Angeboten werden auf den stark frequentierten Laufwegen positioniert, und für sie ändern wir gerne unsere Route. Vermeintliche Preisangebote und Rabatte werden in Rot und Gelb markiert, denn beide Farben sind gut sichtbar und aktivieren unser Belohnungszentrum. Geschäfte deklarieren deshalb auch gerne nicht reduzierte Ware als Rabatt. Der Trick: Die angeblich rabattierte Ware wird an einem anderen Ort präsentiert als üblich, so dass der Kunde die Preise nicht vergleichen kann.

Die Kombi-Falle

Wenn wir im Supermarkt sind, dann stellen wir Gerichte zusammen. Daher ist es kein Wunder, dass Wein neben Käse und die teure Fertigsoße neben den Nudeln steht, wofür wir aus Faulheit oder unter Zeitdruck durchaus dankbar sind. Dass anderenorts ein gleichwertiges, billigeres Produkt steht, stört den pragmatischen Käufer in der Regel nicht, denn das Regal mit dem Tomatenmark ist zu weit weg, um im Moment der Kaufentscheidung einen direkten Vergleich mit anderen Produkten anstellen zu können. Auch Großverpackungen sind nicht unbedingt billiger, obwohl das sicher die meisten von uns denken. Wie ein Test der Verbraucherzentrale zeigte, ist oft sogar das Gegenteil der Fall.

Vor dem Ziel lauert die Quengelzone

Die Warteschlange an der Kasse ist der nervigste Bereich eines Supermarktes. Auch wenn hier hauptsächlich Kinder „quengeln“, sind es meist die Erwachsenen, die am Ende des Einkaufs schwach werden und hier noch einmal aus purer Langeweile zuschlagen. Kaugummis, Rasierer, Schokoriegel, Batterien – alles Produkte, die man immer gebrauchen kann. Und je länger wir warten müssen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns noch ein letztes Mal zum Spontankauf hinreißen lassen.

Supermarkt Stop

Unsere Supermarkt Tipps für dich:

  • Erstelle immer eine Einkaufsliste, bevor du in den Supermarkt gehst. Vergewissere dich zu Hause, was wirklich fehlt. Und solltest du auf deiner Tour durch die Ladenregale trotzdem schwach werden, dann bist du dir dessen wenigstens bewusst.
  • Gehe niemals hungrig in den Supermarkt. Hunger ist ein schlechter Berater und bestimmt unseren gesamten Einkauf. Wer auf leeren Magen shoppt, verlässt das Geschäft mit vollen Tüten.
  • Wenn du nach Produkten suchst, vergesse nie die oberen und unteren Regalreihen, dort verstecken sich die für dich vorteilhaften Produkte.
  • Lass dich von vollmundigen Versprechungen, Siegeln und Aufklebern nicht zu leicht verführen. Vergleiche Grundpreise, mit denen die Artikel gekennzeichnet sein müssen. Nur so kannst du herausfinden, welche von den Packungen mit unterschiedlichen Füllmengen wirklich die billigste ist.
  • Geh lieber in kleineren Geschäften einkaufen, dort ist die Produktfülle nicht derart verwirrend. Es ist einfacher, zwischen drei Müslisorten wählen zu müssen als zwischen 30.



Klara
Ewige Sonnenanbeterin

Manchmal bleibt selbst einer Powerfrau die Puste weg, und plötzlich verändert sich dann ihre Vorstellung von Erfolg, Erfüllung und Herausforderung.

Neue Energie tankt Klara gerne mit ihren Kindern, Katzen und viel Lakritze. Und in der Sonne, denn die ist Lebenselixier. Gesundheit ist ein Thema, das ihr sehr am Herzen liegt.

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